Ford und der chinesische Automobilhersteller Geely haben am 22. Juli 2026 offiziell ein Joint Venture zur Produktion neuer Energiefahrzeuge in Fords Werk in Valencia, Spanien, angekündigt. Die Partnerschaft wurde Wochen bestätigt, nachdem das spanische Medium La Tribuna de Automoción im Mai 2026 berichtet hatte, dass die beiden Unternehmen in "sehr fortgeschrittenen" Verhandlungen über eine Zusammenarbeit stünden. Ford wird im neuen Joint Venture einen Anteil von 66 % halten, während Geely die restlichen 34 % besitzen wird, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung der zuständigen Behörden.
Werk in Valencia als Zentrum europäischer Ambitionen
Das Werk in Valencia läuft derzeit unter Vollauslastung, und das Joint Venture plant, diesen Raum für eine potenzielle Produktion von rund 500.000 Fahrzeugen pro Jahr zu nutzen. Ford und Geely beabsichtigen, durch das gemeinsame Produktionsvolumen "die Kosten jedes dort gebauten Fahrzeugs zu senken", so eine Unternehmensmitteilung. Ziel ist es, der zunehmenden Flut günstigerer Elektrofahrzeuge (BEV) chinesischer Hersteller wie BYD und MG auf dem europäischen Markt direkt entgegenzutreten.
Was genau wird in Valencia gebaut?
Nach den Ankündigungen sollen im Werk mehrere neue Modelle produziert werden. Ford plant einen neuen Multi-Energy-Elektro-Crossover, der die GEA-Plattform (Global Intelligent Electric Architecture) von Geely nutzen soll, mit erwarteten BEV- und PHEV-Varianten (Plug-in-Hybrid), dessen Markteinführung für 2028 geplant ist. Neben dem Crossover wird Ford in Valencia auch einen neuen Bronco bauen, der als "robust, kompakt, abenteuerbereit" beschrieben wird und in mehreren Antriebsvarianten, einschließlich einer PHEV-Version, erhältlich sein wird. Geely wiederum plant, zwei neue elektrische SUVs zu produzieren, von denen einer voraussichtlich der E2 sein wird, eine überarbeitete Version des Modells EX2, das 2025 das meistverkaufte Elektroauto in China war. In der Zwischenzeit läuft die Produktion des Ford Kuga, einem der meistverkauften Plug-in-Hybride in Europa, im Werk ohne Unterbrechung weiter.
Zeitplan und Technologieaustausch
Wenn die behördlichen Genehmigungen rechtzeitig eingeholt werden, planen Ford und Geely, die Produktion in der ersten Hälfte des Jahres 2027 aufzunehmen, und die ersten Fahrzeuge sollen 2028 vom Band laufen. Neben der gemeinsamen Produktion berichtete Reuters bereits früher in diesem Jahr, dass die beiden Unternehmen auch über den Austausch fortschrittlicher Technologien gesprochen hätten, darunter Systeme für autonomes Fahren und ADAS (Advanced Driver-Assistance Systems).
Strategische Logik für beide Seiten
Jim Baumbick, Präsident von Ford Europe, erläuterte die Gründe für die Partnerschaft:
"Wir haben einen Partner gewählt, der bereit ist, gemeinsam mit uns in die europäische Produktion zu investieren und auf einem ebenen Spielfeld zu konkurrieren, in Europa für Europa zu bauen und nach denselben Regeln zu spielen wie wir."
Baumbick fügte eine Botschaft hinzu, die an die europäischen politischen Entscheidungsträger gerichtet war:
"Wir haben keine Zeit, darauf zu warten, dass die politischen Entscheidungsträger ihre Reformdebatten beenden. Wir handeln jetzt, um ein wettbewerbsfähiges Industriesystem aufzubauen, das die europäische Fertigung stärkt und nicht umgeht."
Für Geely hat die Zusammenarbeit einen besonderen strategischen Wert, da sie dem Unternehmen ermöglicht, den EU-Zoll von 18,8 % auf Importe von Elektrofahrzeugen aus China zu vermeiden, da die Fahrzeuge lokal in Spanien produziert würden.
Ford erweitert Netz europäischer Partnerschaften
Das Joint Venture mit Geely ist nur einer der Schritte, mit denen Ford seine Position in Europa wiederbeleben will. Der amerikanische Hersteller arbeitet bereits mit Volkswagen und Renault an einzelnen Projekten für den europäischen Markt zusammen. Das aktuelle Elektroangebot von Ford in Europa umfasst die Modelle Puma Gen-E, Explorer, Capri und Mustang Mach-E, und die Partnerschaft in Valencia soll dieses Portfolio bis Ende des Jahrzehnts deutlich erweitern.