Gianni Infantino, der vor zehn Jahren den FIFA-Mitgliedern Transparenz mit der Botschaft 'Das Geld der FIFA ist euer Geld' versprach, sieht sich heute der schwersten Krise seiner Amtszeit gegenüber. Nachdem der Plan, einen Teil der kommerziellen Rechte an private Investoren zu verkaufen, aufgrund starken Widerstands, vor allem aus Europa, zurückgezogen wurde, stellt sich in Teilen der Fußballöffentlichkeit die Frage nach seiner Zukunft an der Spitze des Weltverbands.
Der Weg von Platinis Mitarbeiter zum ersten Mann der FIFA
1970 in der Schweiz als Sohn italienischer Einwanderer geboren, ist Infantino von Beruf Anwalt. Seine Karriere baute er bei der UEFA auf, wo er jahrelang ein enger Mitarbeiter des damaligen Präsidenten Michel Platini war und bis zum Generalsekretär aufstieg. Die Korruptionsskandale, die 2015 die FIFA erschütterten, ebneten ihm den Weg an die Spitze. Nachdem Platini aus dem Rennen ausgestiegen war, wurde Infantino der Kandidat der UEFA und gewann im Februar 2016 die Präsidentschaftswahl.
Den Mitgliedern versprach er damals mehr finanzielle Mittel und Reformen, doch fast ein Jahrzehnt später ist das Bild deutlich anders. Seine Kritiker bemängeln das Problem der übermäßigen Macht, die Verbindungen zu politischen Führern und die verstärkte Fokussierung auf die Einnahmen aus FIFA-Turnieren.
Vom 'Sonnenkönig' zum 'Mann, der glaubt, Gott zu sein'
Die Schweizer Medien nannten ihn wegen seines Führungsstils 'Sonnenkönig'. Noch schärfere Kritik äußerte der FIFPro-Präsident Sergio Marchi, der ihn in einem offenen Brief beschuldigte, sich wie 'ein Mann, der glaubt, Gott zu sein' zu verhalten.
Besondere Spannungen verursachten seine Beziehungen zum US-Präsidenten Donald Trump und zu Führern des Nahen Ostens. Im Jahr 2025 gab es neue Kontroversen, weil er zu spät zum FIFA-Kongress in Paraguay kam, da er an einer politischen Veranstaltung in Riad teilgenommen hatte. Damals verließen einige europäische Delegierte, darunter auch UEFA-Präsident Aleksander Čeferin, aus Protest den Saal.
WM 2026 und das 'größte Ereignis der Menschheit'
Auch die kürzlich zu Ende gegangene Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko blieb nicht ohne Infantinos kontroverse Aussagen. Vor dem Finale, als er neben Donald Trump im New Yorker Trump Tower in einem Raum voller Milliardäre und Mitglieder der Trump-Familie saß, beschrieb Infantino die WM als 'das größte menschliche, soziale und kulturelle Ereignis, das die Menschheit je erlebt hat'. Diese Aussage verärgerte viele Fußballfans zusätzlich, die das Turnier mit einer gewissen Enttäuschung aufgenommen hatten.
Wahl 2027 als Schicksalswende
Die jüngste Krise könnte weitreichende Folgen haben. Die nächste Präsidentschaftswahl ist für März 2027 angesetzt, und der gescheiterte Plan zur Einbindung privaten Geldes hat Infantinos Ansehen weiter geschädigt. Die Unterstützung eines großen Teils des europäischen Fußballs ist nicht mehr sicher, obwohl er weiterhin auf viele Stimmen aus Afrika und Teilen Asiens zählen kann.
Bereits wird über mögliche Nachfolger spekuliert. Als mögliche Kandidaten werden Aleksander Čeferin, Victor Montagliani, Nasser Al-Khelaifi, Mattias Grafström und Salman bin Ibrahim Al Khalifa genannt. Nach verfügbaren Informationen hat Infantino nicht vor aufzugeben und wird in der kommenden Zeit versuchen, die Unterstützung zu erneuern, um seine Position, die er seit 2016 innehat, zu behalten.