In letzter Zeit kämpft das polnische Rakow regelmäßig um die Spitze des dortigen Fußballs, und sein Aufstieg ist mit der ungewöhnlichen Geschichte von Michał Świerczewski verbunden, einem IT-Millionär, der sich bereits in seiner Jugend als Fan geschworen hatte, eines Tages den Klub zu übernehmen. Nun steht sein Klub Hajduk in einem europäischen Duell im Weg, und die Geschichte erhält eine zusätzliche Dimension, da der aktuelle Sportdirektor der Weißen, Robert Graf, Rakow von innen gut kennt.
Ein Versprechen von den Rängen im Jahr 1998
Die Geschichte beginnt im Juni 1998, als der Klub aus Częstochowa aus der polnischen Elite abstieg. Auf den Rängen befand sich damals der 19-jährige Świerczewski. Später erklärte er gegenüber Forbes, dass er nach dem letzten Heimspiel enttäuschte und weinende Fans sah und sich ein ungewöhnliches Lebensziel setzte: ein Unternehmen groß genug aufzubauen, um eines Tages Rakow übernehmen und den Klub selbst führen zu können.
Vom kleinen Laden zur Forbes-Liste
Vier Jahre später, 2002, eröffnete Świerczewski in Częstochowa ein kleines Computergeschäft. Daraus entstand x-kom, das zu den größten polnischen Unternehmen für den Verkauf von Computern und Unterhaltungselektronik zählt und besonders im Online-Handel stark ist. Das Wachstum war enorm: Allein im Jahr 2020 erzielte x-kom Einnahmen von rund 2,5 Milliarden Zloty und einen Nettogewinn von fast 100 Millionen Zloty.
Forbes schätzte Świerczewski im Jahr 2022 auf 1,674 Milliarden Zloty und platzierte ihn auf Platz 38 der Liste der reichsten Polen, während sein Vermögen ein Jahr später auf etwas mehr als eine Milliarde Zloty geschätzt wurde.
Geschäftslogik im Fußball
Świerczewski machte kein Geheimnis daraus, dass er versucht, den Fußball langfristig zu führen, ähnlich wie ein Unternehmen. Bereits vor der Übernahme erstellte er einen mehrjährigen Entwicklungsplan für Rakow mit konkreten Fristen, nicht nur mit allgemeinen Zielen wie "wir wollen uns verbessern". Eines davon war die Rückkehr in die Ekstraklasa im Jahr 2019, was der Klub genau damals erreichte.
Zunächst unterstützte er den Klub einige Jahre lang finanziell als Sponsor und lernte gleichzeitig, wie ein Fußballverein funktioniert. Ende 2014 bzw. Anfang 2015 übernahm er die Kontrolle über Rakow, das damals in der dritten polnischen Liga spielte und ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten hatte. Laut Forbes waren seine Verbindlichkeiten damals mehr als doppelt so hoch wie der Wert seiner Vermögenswerte.
Eine der Schlüsselentscheidungen war die Verpflichtung von Marek Papszun im Jahr 2016, heute einer der bekanntesten polnischen Trainer, den Świerczewski holte, als Rakow noch in der dritten Liga spielte. Papszun arbeitete jahrelang gleichzeitig als Trainer und als Schullehrer für Geschichte und Sport. Unter seiner Führung gewann Rakow 2021 und 2022 den polnischen Pokal, zwei Supercups, und der Höhepunkt war 2023, als sie den ersten Meistertitel in der Geschichte des Klubs holten.
Graf: Von Rakow zu Hajduk
Die ganze Geschichte bekommt vor dem Duell mit Hajduk eine besonders interessante Dimension. Robert Graf, derzeit Sportdirektor der Weißen, hat seine Karriere genau bei Rakow aufgebaut. Er kam 2021 nach Częstochowa und übernahm die Position des Sportdirektors, wo er bis 2023 blieb. Das deutet darauf hin, dass Graf Teil des Sportteams von Rakow war, als der Klub den Meistertitel, den nationalen Pokal und den Supercup Polens gewann. Hajduk ernannte ihn im April 2026 zu seinem Sportdirektor.
Rakow ist kein polnischer Gigant mit einer prunkvollen Geschichte. Seine aktuelle Position resultiert aus einem Unterfangen, das ein Fan bereits Ende des letzten Jahrhunderts zu planen begann, dann ein großes IT-Geschäft aufbaute und einen Teil dieses Geschäftsmodells in seinen Klub übertrug. Świerczewski hat erreicht, was er sich vor langer Zeit vorgenommen hatte, und nun will seine Mannschaft Hajduks Hoffnungen auf ein europäisches Auftreten zunichtemachen.