Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums baut Kroatien seinen Geothermiesektor intensiv aus. Derzeit laufen Untersuchungsaktivitäten an 23 Untersuchungsgebieten für Thermalwasser, während die wirtschaftliche Nutzung auf 13 Feldern erfolgt. Auf sechs dieser Nutzungsfelder ist die Stromerzeugung geplant, auf den übrigen sieben die Wärmeerzeugung für Heizzwecke und Landwirtschaft, berichtet Novi list unter Berufung auf die Antwort des Ministeriums an Hina.
Die Geothermieprojekte im Land befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsphasen, am weitesten fortgeschritten sind jedoch zwei Projekte zur Stromerzeugung. Es handelt sich um Projekte, die von der ENNA Gruppe auf dem Nutzungsfeld Slatina 2 und dem türkischen Unternehmen Soyak auf dem Feld Legrad 1 entwickelt werden. Beide haben die entscheidende Untersuchungsphase abgeschlossen und treten nun in die Vorbereitung des Baus von Produktionsanlagen ein.
Neue Bohrung und Kraftwerk mit 98 Megawatt in Legrad
Das Wirtschaftsministerium hat kürzlich einen Beschlussentwurf vorbereitet, der es der Firma Terra Energy Generation Company, einer Tochtergesellschaft von Soyak, ermöglicht, die Entwicklung des Projekts in Legrad fortzusetzen. Geplant ist die Bohrung einer neuen Entwicklungsbohrung LEGRAD GT-4, die eine Tiefe von fast vier Kilometern erreichen wird. Die Bohrung wird sich auf dem Geothermiefeld Legrad 1 befinden, wo in absehbarer Zukunft ein 98-Megawatt-Kraftwerk entstehen soll.
Der Bürgermeister der Gemeinde Legrad, Ivan Sabolić, bestätigte gegenüber Hina, dass der Investor die erforderlichen Unterlagen für die Erteilung der Standortgenehmigung vorbereitet, womit das Projekt in eine konkretere Umsetzungsphase eintritt.
Potenzial für Fernwärme in vier Städten bestätigt
Neben der Stromerzeugung wurden auch bei der Nutzung von Geothermie für die Fernwärmeversorgung bedeutende Fortschritte erzielt. Im Rahmen des Projekts der Agentur für Kohlenwasserstoffe, das aus Mitteln des Nationalen Aufbau- und Resilienzplans finanziert wird, wurde an Standorten in Velika Gorica, Osijek, Vinkovci und Zaprešić das geothermische Potenzial für die Entwicklung von Fernwärmesystemen bestätigt. Derzeit wird die nächste Phase vorbereitet, die die Ausarbeitung von Förder- und Injektionssystemen umfasst.
Lokale Gemeinschaften erkennen die Chance
Das Interesse an Geothermie wächst auch bei den lokalen Gebietskörperschaften kontinuierlich. Eigene Geothermieprojekte entwickeln unter anderem Bjelovar, Križevci, Lipik, Kutina, Slavonski Brod, Vukovar und Dugo Selo. Das Wirtschaftsministerium betont, dass es diese Projekte weiterhin durch nationale und europäische Finanzierungsquellen sowie fachliche und institutionelle Unterstützung für Investoren und lokale Gemeinschaften fördern wird.
Dank der geologischen Eigenschaften des Pannonischen Beckens verfügt Kroatien über ein erhebliches geothermisches Potenzial. Dessen Nutzung spielt eine wichtige Rolle bei der Stärkung der Energiesicherheit, der Verringerung der Abhängigkeit von Energieimporten und der Erreichung der Dekarbonisierungsziele, heißt es abschließend in der Mitteilung des Ministeriums.