Wer sich dieser Tage hinunter zur Save begibt und unter der grünen Eisenbahnbrücke in Zagreb entlangspaziert, könnte von einem ungewöhnlichen Anblick überrascht werden. Wie die Večernji list berichtet, befindet sich am südlichen Ufer, fast unscheinbar neben dem Fluss, eine steinerne Figur des Vodan, der slawischen Gottheit des Wassers, die der Künstler Robert Zdarilek genau an der Stelle geformt hat, an der er den Stein fand.
Dieser Stein ist ein Block von 1,3 Metern Länge und einem Gewicht von 600 bis 700 Kilogramm, der ein abgetragenes Teil der Fundamente der alten Eisenbahnbrücke in Zagreb war, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut wurde. Zdarilek stieß während der Renovierungsarbeiten an der Brücke auf ihn und beschloss, ihm eine neue Bestimmung zu geben.
Drei Jahre Arbeit mit Hammer und Meißel
Statt ihn ins Atelier zu bringen und die Arbeit mit Maschinen zu beenden, fertigte der Bildhauer die Skulptur vor Ort an, nur mit Hammer und Meißel. Der Prozess dauerte ganze drei Jahre, hauptsächlich in den Sommermonaten, und Zdarilek baute auch kleine Stufen zum Stein, um den Zugang zu erleichtern.
Der Ort hat für ihn eine besondere Bedeutung, denn dort angelte er als Kind zusammen mit seinem Vater. Deshalb wollte er aus einem Teil der alten Brücke etwas schaffen, das an der Save bleiben sollte, und aus dem rohen Steinblock entstand langsam ein Gesicht, dessen Identität der Autor bewusst dem Betrachter überlässt, sie selbst zu interpretieren.
Kunst, die in der Natur bleibt
Die Skulptur wurde 2020 fertiggestellt und ist als Vodan bekannt, nach dem slawischen Gott des Wassers. Sie ist als eine Form von 'Land Art' konzipiert, was Kunst bedeutet, die in der natürlichen Umgebung geschaffen wird und dort verbleibt, sodass die Save sie gelegentlich überflutet, wenn der Wasserstand steigt.
Dieser ungewöhnliche Wächter des Flusses repräsentiert somit auch einen Teil der Zagreber Vergangenheit, denn der Stein, aus dem er gefertigt wurde, war einst Teil der Fundamente der alten Eisenbahnbrücke, und nun, mehr als hundert Jahre später, hat er eine völlig neue Funktion. Zdarilek erwähnte zuvor auch, dass er gerne weitere Skulpturen in diesem Bereich anfertigen würde, um so einen kleinen Freiluftpark an der Save zu schaffen.
Die Fotografien der Skulptur stammen von Mia Slafhauzer.