Der Forscher Nikola Kajkić hat am Dienstag, dem 18. August 2026, auf Facebook einen offenen Brief an den Vorsitzenden der SDSS, Milorad Pupovac, veröffentlicht. Darin wirft er ihm direkt Doppelmoral in seinen öffentlichen Auftritten und das Fehlen einer klaren Verurteilung bestimmter Ereignisse und Botschaften vor. Der Text wurde auch vom Portal Cronika.hr übernommen.
Aussage aus 2020 und Urteil gegen Ćelap
Kajkić erinnerte an Pupovacs Aussage vom Oktober 2020. Damals sagte Pupovac bei der Kommentierung der Festnahmen von Personen, die der Kriegsverbrechen in Ovčara verdächtigt werden, dass "Menschen nicht aufgrund privater Ermittlungen verhaftet werden können".
Kajkić führt an, dass seine Forschung zur Sammlung von Informationen über mögliche Täter beigetragen habe. Die Festnahmen erfolgten fast 30 Jahre nach der Begehung der Verbrechen.
Besonders stört ihn, dass Pupovac nicht reagiert und sich auch nicht für seinen engen Mitarbeiter Dragutin Ćelap entschuldigt hat. Ćelap wurde vor einem Monat zu einer nicht rechtskräftigen Haftstrafe von 12 Jahren wegen eines Kriegsverbrechens verurteilt, das 1991 in Kroatien begangen wurde.
Hassbotschaften und Spionageaffäre
Kajkić wirft Pupovac auch vor, sich nicht klar von Kommentaren von serbischer Seite distanziert zu haben. Diese Kommentare enthielten nach dem Brand in Kroatien Hassbotschaften und Schadenfreude über das Leid.
In dem Beitrag zitiert er die Schlagzeilen des Informers: "Lijepa njihova lijepo gori" und "Izgore im lijepa njihova". Er merkt an, dass sich Pupovac weder davon distanziert habe noch von den tausenden Kommentaren, in denen Schadenfreude geäußert und Hass geschürt wurde.
Der Forscher führt weiter aus, dass sich Pupovac auch nicht zur jüngsten Spionageaffäre und zum Hacken kroatischer Institutionen geäußert habe, die mit einem BIA-Agenten in Zagreb in Verbindung gebracht wird. Er reagiere und melde sich nur dann medial zu Wort, wenn es ihm passe, schlussfolgert Kajkić.
Fordert Entschuldigung und Distanzierung
In seinem Beitrag fragt Kajkić Pupovac direkt: "Milorad Pupovac, ist es so schwer zu sagen? Wir entschuldigen uns. Wir distanzieren uns. Es tut uns leid. Es ist nicht schwer. Aber für dich offensichtlich schon."
Er fordert ihn auf, mehr Verantwortung, Würde und Mitgefühl gegenüber den Opfern zu zeigen, unabhängig von ihrer Nationalität oder politischen Zugehörigkeit. Er verlangt, dass er öffentlich sagt: "Ich entschuldige mich. Es tut mir leid. Das sind Verbrechen von Einzelpersonen, nicht des serbischen Volkes."
In dem Beitrag geht er auch auf Đorđe Ćurčić ein, Mitglied der SDSS und ehemaliger stellvertretender Gespanschaftspräfekt der Gespanschaft Vukovar-Srijem. Nach Kajkićs Angaben hat Ćurčić das Ausheben des Massengrabes in Ovčara angeordnet, und Pupovac habe ihn geschützt.
Kajkić schließt: "Deshalb, Milorad, weniger Pathos, sondern mehr Würde und Aufrichtigkeit. Mehr Emotionen gegenüber den Opfern, aber auch gegenüber denen, die bei dem jüngsten gelegten Brand gelitten haben."