Die Ankündigung des Auftritts der serbischen Sängerin Jelena Karleuša im Vodicer Club Hacienda, geplant für die Nacht vom 15. auf den 16. August, hat eine Lawine von Reaktionen auf beiden Seiten der Grenze ausgelöst. Während ein Teil der kroatischen Öffentlichkeit über ihre früheren Äußerungen empört ist, haben serbische Medien wie Informer das Ereignis als Angriff auf die Sängerin wegen ihrer Nationalität dargestellt und Kritiker als 'Ustascha' und 'Serbenhasser' bezeichnet.
Der Bürgermeister von Vodice, Ante Cukrov, erklärte, dass Karleuša wegen ihrer Äußerungen über Kroatien nicht willkommen sei, betonte jedoch, dass das Problem nicht bei Künstlern aus Serbien liege, sondern ausschließlich bei ihren persönlichen Ansichten. 'Alle sind in Vodice willkommen', sagte Cukrov und fügte hinzu, dass die Stadt nicht über das Programm eines privaten Clubs entscheiden könne.
Informer: 'Ustascha schlagen auf Karleuša ein'
Den schärfsten Ton schlug das Belgrader Blatt Informer an, das seinen ersten Artikel mit 'Ustascha schlagen auf Karleuša ein! Dringende Mitteilung aus dem Club eingetroffen: 'Drohungen werden wir nicht tolerieren'' betitelte. In dem Text heißt es, die Sängerin habe 'Drohungen wegen ihres Auftritts in Kroatien erhalten', und es wird über 'abfällige Kommentare gegenüber der Sängerin' berichtet.
Nach Cukrovs Erklärung veröffentlichte Informer einen weiteren Artikel mit dem Titel 'Faschistische Ausbrüche in Kroatien - Ein neuer Serbenhasser meldet sich zu Wort: Sie wollen Karleuša vertreiben, sie sticht ihnen in die Augen'. Die Reaktion des Bürgermeisters wurde als 'beschämend' bezeichnet und er als 'Serbenhasser' diffamiert, mit dem Schluss, dass 'kroatische Politiker wieder ihr wahres Gesicht zeigen und Intoleranz verbreiten'.
Andere serbische Portale berichteten etwas zurückhaltender. Mondo schrieb über 'Chaos in den sozialen Medien', während Telegraf die Mitteilung der Hacienda veröffentlichte, in der der Club erklärt, dass man Hassreden, Beleidigungen und Drohungen nicht tolerieren werde und dass Karleuša nach Mitternacht, also am 16. August, wenn das Fest Mariä Himmelfahrt bereits vorbei ist, auf die Bühne gehen werde.
Von Vučićs Kritikerin zu seiner lautstarken Verteidigerin
Jelena Karleuša, geboren 1978 in Belgrad, ist seit drei Jahrzehnten im Showgeschäft. Sie begann ihre Karriere mit 16 Jahren und baute ihren Status als regionaler Star durch große Konzerte und ihre Rolle als Jurorin bei 'Zvezda Granda' auf. Doch ebenso wichtig für ihre öffentliche Identität wurden politische Provokationen und radikale Kehrtwendungen.
Einst eine offene Kritikerin von Aleksandar Vučić und Unterstützerin der Proteste gegen seine Herrschaft, machte sie 2022 eine völlige Kehrtwende. Sie unterstützte Vučić und die SNS, nahm an einer Parteiveranstaltung teil und forderte nach der Tragödie am Bahnhof von Novi Sad die Verhaftung von Demonstranten und die Inhaftierung von Professoren.
'Jeder Kroate hatte einen Großvater, der Serben tötete'
Parallel zu ihrer politischen Transformation radikalisierte sich auch ihre Rhetorik gegenüber Kroatien. Bereits 2016 fragte sie, warum das kroatische Volk den Behörden erlaube, 'Nazismus und Faschismus wiederzubeleben'. Die Operation Oluja nannte sie eine 'beschämende Aktion', bei der Hunderttausende unschuldige Serben vertrieben worden seien.
Im Mai 2024 ging sie noch einen Schritt weiter und veröffentlichte eine Behauptung, die eine offene kollektive Beschuldigung darstellt: 'Jeder Kroate hatte einen Großvater, der Serben tötete.' Sie sprach nicht über Einzelpersonen oder die politische Führung, sondern schrieb die Verantwortung praktisch allen Kroaten zu.
Severina 'feiert Völkermord', die kroatische Sprache ist ein 'Dialekt'
Die kroatische Sängerin Severina nannte sie eine 'Dummkopf voller Hass' und beschuldigte sie, 'Völkermord' an Serben zu 'feiern', wegen ihrer Haltung zur Operation Oluja. Im August 2025 verband sie Oluja mit Srebrenica und schrieb: 'Es kann kein Srebrenica geben, wenn nicht auch Oluja', wobei sie den verurteilten Völkermord mit der kroatischen Militäroperation gleichsetzte.
Der vielleicht bizarrste Auftritt ereignete sich im Februar 2025 bei Informer TV, als sie mitten in den massiven Studentenprotesten in Serbien behauptete, unter den Demonstranten den 'kroatischen Dialekt der serbischen Sprache' zu hören. Gleichzeitig wünschte sie Kroatien 'von ganzem Herzen' das, 'was Serbien widerfährt'. Obwohl nicht bestätigt ist, dass sie wörtlich den Einsturz des Vordachs erwähnte, wurde dieser Satz in Kroatien genau als Anspielung auf die Tragödie in Novi Sad interpretiert.
Eine Reihe von Absagen in der Region
Dies ist nicht das erste Mal, dass Karleušas Auftritte in der Region für Aufsehen sorgen. Kürzlich wurde ihr Auftritt im Sarajevoer Club Aqua, geplant für den 8. August, abgesagt, nachdem der Außenminister von Bosnien und Herzegowina, Elmedin Konaković, ein Verbot wegen der Anstiftung zu nationalem und religiösem Hass gefordert hatte. In Skopje, wo sie am 17. Oktober in der Arena Jane Sandanski auftreten soll, wurde eine Petition gestartet, deren Initiatoren behaupten, Karleuša 'fördere Satanismus und zerstöre den Glauben'.
Karleuša hat sich bisher nicht öffentlich zu der gesamten Situation geäußert.