Kolumbien wurde von dem schwersten Erdbeben seit einem Jahrzehnt erschüttert, das mehr als 230 Menschenleben forderte und über 1500 Menschen verletzte. Das Epizentrum der Stärke 7,4 lag in der Nähe von San José del Palmar in der Region Chocó, in einer Tiefe von 96 Kilometern und etwa 250 Kilometer von der Hauptstadt Bogotá entfernt. Das Land wurde zur nationalen Katastrophe erklärt, während ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit läuft, um Überlebende zu bergen.
Das Erdbeben ereignete sich um 7:34 Uhr Ortszeit, und der kolumbianische Geologische Dienst maß eine Tiefe von 103 Kilometern. Dies ist das stärkste Erdbeben, das in Kolumbien im 21. Jahrhundert registriert wurde. Seismologen haben bis gestern Abend mindestens 47 Nachbeben registriert, von denen das stärkste eine Magnitude von 4,8 hatte, und warnen, dass die Bodenerschütterungen Tage, Wochen oder sogar Monate andauern könnten.
Cali am schwersten betroffen, Ausgangssperre verhängt
Die Stadt Cali erlitt katastrophale Zerstörungen. Nach ersten Schätzungen wurden etwa fünftausend Häuser zerstört oder beschädigt. Das Gesundheitssystem ist schwer beeinträchtigt, drei Krankenhäuser sind vollständig eingestürzt, und weitere 18 wurden beschädigt. Auch 39 Schulgebäude wurden beschädigt. Aufgrund der wachsenden Gefahr von Plünderungen haben die Behörden in Cali eine Ausgangssperre verhängt.
Nach den neuesten Daten des Krisenstabs sind in Cali mindestens 95 Menschen ums Leben gekommen, und 949 wurden verletzt. Die Behörden haben Meldungen über 239 Personen erhalten, die nach dem Einsturz von Gebäuden eingeschlossen wurden, von denen bisher 86 gerettet werden konnten. 45 Gebäude sind vollständig oder teilweise eingestürzt, und für weitere 93 wurde vorläufig festgestellt, dass sie beschädigt sind. Besonders dramatisch war die Situation in einem Krankenhaus, wo mehrere obere Stockwerke einstürzten, einschließlich der Räume für pädiatrische Patienten. Ein Teil der Patienten blieb eingeschlossen, während etwa 600 Menschen auf der Straße vor dem beschädigten Gebäude versorgt werden mussten.
Das Erdbeben war im ganzen Land zu spüren, und die Bodenerschütterungen werden von zahlreichen Nachbeben begleitet, die die Rettungsbemühungen erschweren. Das Militär wurde in die am stärksten betroffenen Gebiete entsandt, um bei der Suche zu helfen und die Ordnung aufrechtzuerhalten. Nach fast 200 Personen wird noch gesucht, und unter den Verschütteten befinden sich auch Kinder, deren Bilder um die Welt gehen.
Auch die Stadt Pereira wurde schwer getroffen, mit 72 gemeldeten Todesopfern. Ganze Wohnblöcke wurden in Haufen aus Beton und verbogenem Metall verwandelt. Rettungsteams, unterstützt von Polizisten, Soldaten und zahlreichen Bürgern, räumten die Trümmer während der Nacht mit Baggern, aber auch mit bloßen Händen. José Fernando Usma, Vertreter des kolumbianischen Roten Kreuzes, erklärte: "Die Retter haben an einigen Orten Geräusche und andere Anzeichen registriert, die darauf hindeuten könnten, dass unter den Trümmern noch lebende Menschen sind." Er betonte, dass die kommenden Stunden entscheidend für die Suche nach Überlebenden seien. Aufgrund von Berichten über Plünderungen wurde auch in Pereira eine Ausgangssperre verhängt, und Präsident Abelardo de la Espriella kündigte die Entsendung von zusätzlich 1000 Sicherheitskräften nach Cali an.
Gelähmte Infrastruktur und internationale Hilfe
Die Katastrophe hat die kritische Infrastruktur schwer beeinträchtigt. Zahlreiche Gebiete sind von Strom-, Wasser- und Telekommunikationsausfällen betroffen. Der Flugverkehr wurde an sechs Flughäfen eingestellt, was die Lieferung von Hilfsgütern zusätzlich erschwert. Die Europäische Union hat bereits die ersten 100.000 Euro Soforthilfe bereitgestellt, und auch die Vereinten Nationen sowie andere Staaten und internationale Organisationen haben Unterstützung angekündigt.
Große Schäden entstanden auch in Manizales, wo einer der Türme der neugotischen Kathedrale der Stadt einstürzte. Das Ausmaß der Schäden und die Zahl der Opfer werden noch ermittelt, insbesondere im schwer zugänglichen Chocó, einem armen und bewaldeten Gebiet mit begrenzten Verkehrs- und Kommunikationsverbindungen.
Kroatische Institutionen beobachten die Lage der Gemeinschaft in Kolumbien
Das Außenministerium der Republik Kroatien und die zuständige kroatische Botschaft in Brasília stehen in ständigem Kontakt mit der kroatischen Gemeinschaft in Kolumbien. Nach den letzten Informationen leben in diesem südamerikanischen Land etwa zweitausend Angehörige der kroatischen Diaspora und ihre Nachkommen, während die Zahl der kroatischen Staatsbürger auf etwa 500 geschätzt wird. Bisher gibt es keine Informationen über Opfer unter ihnen, und die Institutionen beobachten die weitere Entwicklung der Lage.