Der ehemalige Mitglied des Trainerstabs der italienischen Nationalmannschaft, Paolo Maldini, sprach über die turbulenten Ereignisse, die diesen Sommer den italienischen Fußball erschütterten. In einem ausführlichen Interview mit Corriere della Sera, veröffentlicht am 9. August 2026, enthüllte der legendäre Fußballer, wie die Verhandlungen mit einigen der größten Trainernamen der Gegenwart verliefen und warum er schließlich beschloss, seinen Rücktritt einzureichen.
Ancelotti erste Wahl, Guardiola war nah dran
Die erste Wahl für den neuen Trainer der Azzurri war Carlo Ancelotti, doch der erfolgreiche italienische Trainer lehnte das Angebot ab, da er derzeit die brasilianische Nationalmannschaft trainiert. "Wir haben den besten italienischen Trainer aller Zeiten eingeladen, meinen lieben Freund Carlo Ancelotti. Er sagte uns, dass man in Brasilien großes Vertrauen in ihn habe, wünschte uns Glück und lehnte uns ab. Dennoch war dieser Anruf völlig gerechtfertigt", erzählte Maldini.
Nach Ancelotti wandten sich die Italiener an Pep Guardiola, der am Ende der Saison Manchester City verlassen hatte. Laut Maldini gingen die Verhandlungen außergewöhnlich weit. "Wir haben uns über gemeinsame Freunde verbunden, und er selbst erwähnte die Idee, eine Nationalmannschaft zu trainieren. Wir besuchten ihn in Barcelona, aßen gemeinsam zu Mittag und redeten den ganzen Tag. Er war äußerst interessiert und sehr nahe daran, das Angebot anzunehmen. Er begann sogar, Aufstellungen aufzuschreiben..."
Finanzen, so Maldini, waren kein Hindernis. "Geld war überhaupt kein Problem. Pep sagte uns klar: 'Gebt mir einen Euro weniger, als der vorherige Trainer verdient hat, und alles ist in Ordnung.' Dennoch lehnte er ab, weil er müde ist. Hinter ihm liegen zehn Saisons in der Premier League, er hatte eine Rückenoperation und möchte sich einfach ausruhen."
Pirlo und das russische Wettbüro
Als die Option Guardiola scheiterte, fiel die Wahl auf Andrea Pirlo. Doch in der Öffentlichkeit wurde schnell bekannt, dass Pirlo das Gesicht eines russischen Wettbüros ist, was heftige Reaktionen auslöste. Maldini erklärte, dass sie einen jungen Trainer wollten, der das Projekt verstehen und annehmen kann und der eine große Spielerkarriere hinter sich hat. "Ich habe mit Pirlo gesprochen und ich denke, er war sehr gut vorbereitet."
Maldini behauptet, dass es rechtlich keine Hindernisse für Pirlos Ernennung gab. "Ausschlaggebend war die öffentliche Meinung. Rechtlich gab es keine Hindernisse, dass Andrea Trainer wird, und er war bereit, diesen Sponsorenvertrag zu kündigen. Offensichtlich wurde im negativen Sinne übertrieben. Man sprach über einen Ethikkodex und Würde, obwohl es keine rechtlichen Hindernisse gab."
Ultimatum und Rücktritt
Der Wendepunkt kam, als sich der Präsident des Italienischen Olympischen Komitees, Giovanni Malagò, in die Geschichte einschaltete. Laut Maldini teilte Malagò ihm und Leonardo mit, dass Pirlo nicht mehr Kandidat sei und dass er in Zukunft allein die endgültige Entscheidung über den neuen Trainer treffen werde.
"Malagò rief Leonardo und mich an und sagte uns, dass Pirlo keine Option mehr sei und dass ab diesem Zeitpunkt nur noch er entscheide, wer Trainer wird. Wenn man von mir erwartete, Verantwortung zu übernehmen, und das wollte ich, dann waren solche Bedingungen inakzeptabel." Maldini und Leonardo beschlossen daraufhin zu gehen. "Innerhalb der nächsten 24 Stunden reichten wir unsere Rücktritte ein, anstatt Verträge zu unterschreiben. Für diesen Job braucht man enormes Vertrauen, und das existiert nicht mehr", schloss Maldini. Nach seinem Abgang übernahm Roberto Mancini in seiner zweiten Amtszeit die Nationalmannschaft.