Die durch die illegale Müllablagerung in Lika ausgelöste politische Krise könnte eine neue Dimension bekommen. Der kroatische Staatspräsident Zoran Milanović hat begonnen, die Möglichkeit zu prüfen, eine außerordentliche Sitzung des kroatischen Parlaments einzuberufen, was eine Unterbrechung des Urlaubs der Abgeordneten bedeuten würde. Die Nachricht wurde zuerst vom Journalisten Dražen Ciglenečki in der Novi list veröffentlicht, und die Jutarnji list erhielt eine inoffizielle Bestätigung aus dem Präsidentenbüro.
Nach diesen inoffiziellen Informationen erwägt Milanović eine außerordentliche Sitzung, die dem Problem des illegal entsorgten Mülls in Lika sowie anderen ähnlichen Fällen in ganz Kroatien gewidmet sein soll. Derzeit wird nicht erwogen, die außerordentliche Sitzung direkt mit der Abstimmung über das Misstrauen gegen die Regierung zu verbinden.
Verfassungsbefugnisse und Präzedenzfall von 2023
Die Nutzung der verfassungsrechtlichen Befugnisse zur Einberufung des Parlaments vor der regulären Sitzung hätte ein erhebliches politisches Gewicht. Milanović hat einen ähnlichen Schritt bereits 2023 unternommen, als er wegen des langwierigen Streiks im Justizwesen und der Affäre "Gas für Cent" eine außerordentliche Sitzung forderte.
Die Opposition bereitet den Sturz der Regierung vor
Während der Präsident seine Optionen prüft, arbeitet die Opposition an ihrer eigenen Initiative für ein Misstrauensvotum gegen die Regierung Plenković. Die SDP plant, das Verfahren für ein Misstrauensvotum einzuleiten, und die Most hat bereits ihren Vorschlag ausgearbeitet und beginnt, Unterschriften zu sammeln. Allerdings sind die Chancen gering, dass Most allein die erforderliche Unterstützung von einem Fünftel der Abgeordneten erreicht.
"Wir bitten alle Kolleginnen und Kollegen, die Initiative zum Sturz der Regierung Plenković zu unterstützen. Genauer gesagt, uns ihre eventuellen Ergänzungen und Korrekturen des Textes des Vorschlags zu schicken, und wenn sie keine Einwände haben, die Initiative sofort zu unterschreiben, damit wir so schnell wie möglich genügend Unterschriften für die Einleitung des Verfahrens sammeln", teilten sie gestern der Jutarnji list von Most mit.
Wenn es keine außerordentliche Sitzung gibt, würde über einen eventuellen SDP-Antrag erst nach Beginn der Herbstsession beraten. Die Abstimmung könnte sich aufgrund der Geschäftsordnungsfristen bis Mitte Oktober verzögern. Mit Milanovićs Schritt könnte die Debatte über den illegalen Müll in Lika deutlich früher beginnen.