Die heimische Wetter-App Neverin, die vor fünf Jahren als Projekt zur Bündelung meteorologischer Daten startete, hat eine bedeutende Transformation durchlaufen und kürzlich eine Premium-Version erhalten. Ihr Entwickler, der Physik- und Informatiklehrer Alen Šterpin, verriet im Gespräch mit Bug.hr, dass "unter der Haube fast nichts mehr so ist wie zuvor" und die App heute auf eigener Datenverarbeitung und künstlicher Intelligenz basiert.
Eigener Radar-Composite und Tausende Stationen
Die wichtigste Änderung im Vergleich zu 2021 ist die vollständige Unabhängigkeit von fremden APIs. Neverin verarbeitet nun eigenständig Quelldaten von rund zehn Prognosemodellen großer Wetterzentren, darunter das europäische ECMWF, der deutsche DWD und die US-amerikanische NOAA. Zudem wurde ein eigener Radar-Composite entwickelt, der alle fünf Minuten mehr als 100 Quellen aus ganz Europa zusammenführt, während in Kroatien über 1.000 Wetterstationen angebunden sind.
Das gesamte System wird zusätzlich durch künstliche Intelligenz beschleunigt, und Šterpin betont, dass die komplette Prognose für jede Koordinate auf Anfrage des Nutzers in nur etwa 30 Millisekunden generiert wird. "Ich wollte die Dienstleistung nicht in Rechnung stellen, solange ihr Kern nicht wirklich besser ist als das, was öffentlich verfügbar ist", betonte er.
Was die Premium-Version für 20 Euro pro Jahr bietet
Die Premium-Version, die 20 Euro pro Jahr kostet, bietet mehrere erweiterte Funktionen, die nicht Teil der kostenlosen Version sind. Nutzer erhalten eine Radar-Niederschlagsvorhersage bis zu vier Stunden im Voraus, eine erweiterte Prognose bis zu 14 Tagen sowie eine minutengenaue Regenvorhersage. Genau letztere Option hebt Šterpin als seine Lieblingsfunktion hervor, da sie eine konkrete Antwort auf die Frage gibt, ob man in den nächsten, beispielsweise zwei Stunden nass wird.
Die Zahlung wird über den Dienst Paddle abgewickelt, und es stehen Karten, PayPal, Apple Pay und Google Pay zur Verfügung. Neue Nutzer können eine siebentägige kostenlose Testphase nutzen, für die keine Kartendaten hinterlassen werden müssen, und nach Ablauf kehren sie automatisch zur kostenlosen Version zurück. Šterpin betont, dass alles, was bisher kostenlos war, auch kostenlos bleibt.
"Der Hauptgrund für die Einführung von Premium ist ganz einfach, Entwicklung und Infrastruktur kosten Geld. Ich wollte, dass Neverin eine eigene Finanzierungsquelle für die weitere Entwicklung hat, anstatt davon abhängig zu sein, wie viel Zeit und Geld mir bleibt", erklärte er.
Kunden aus der Region und erste Geschäftskunden
Obwohl Premium erst seit wenigen Wochen aktiv ist, zeigen die ersten Ergebnisse bereits interessante Trends. Etwa 75 Prozent der Kunden kommen aus Kroatien, aber Abonnements kommen auch aus Slowenien, Österreich, Bosnien und Herzegowina sowie der Schweiz. Šterpin betont, dass unter den ausländischen Nutzern Seeleute, Touristen sowie Boots- und Immobilienbesitzer sind, die den Sommer an der Adria verbringen und Neverin als Planungswerkzeug für ihren Aufenthalt nutzen.
"Die ersten Käufe aus dem Ausland waren für mich ein ernsthaftes Signal, dass das Produkt auch außerhalb Kroatiens Potenzial hat, was sicherlich auch unsere Pläne für die weitere Entwicklung beeinflusst", sagte er. Neben privaten Nutzern zeigen auch Geschäftskunden langsam Interesse, wie ein kommunales Unternehmen, das die App zur Überwachung von Starkregen, zur Planung der Bewässerung und zur Organisation des Winterdienstes nutzt.
Pläne: KI-Korrektur der Modelle und spezialisierte Prognosen
In Zukunft ist die Entwicklung eines Systems geplant, das in Echtzeit Fehler der Prognosemodelle verfolgt und daraus lernt, wobei die künstliche Intelligenz als Korrekturschicht für die bestehenden physikalischen Modelle dienen soll. Zudem sind spezialisierte Prognosen für Landwirte angekündigt, mit Daten zu Boden- und Lufttemperatur sowie Frost- und Hagelrisiko, sowie für Seeleute, mit detaillierteren Informationen zu Wellen, Wind und Wassertemperatur.
"Marktseitig ist das Ziel, dass Neverin zu einem ernsthaften regionalen Produkt heranwächst. Die Daten und die Abdeckung für die gesamte Region und das weitere Europa haben wir bereits, es ist nur eine Frage der Lokalisierung, des Marketings und des Supports. Da ist auch der organisatorische Teil. Mein Ziel ist es, ein kleines Entwicklungsteam aufzubauen, während ich mich mehr dem Produkt, dem Marketing und dem Vertrieb widmen würde", schloss Šterpin gegenüber Bug.hr.