Die Einführung des neuen elektronischen Grenzkontrollsystems der Europäischen Union, bekannt als EES (Entry/Exit System), hat in diesem Sommer zu einer Verdoppelung der Wartezeiten an einigen der größten europäischen Flughäfen geführt. Nach Angaben der Financial Times mussten Passagiere an den Flughäfen Frankfurt, München und Amsterdam im Juli bis zu zwei Stunden in Schlangen stehen, was heftige Reaktionen im Luftfahrtsektor auslöste. Vom Frankfurter Flughafen wurde bestätigt, dass die neuen Grenzkontrollen zu Abflugverspätungen und anderen Verkehrsstörungen geführt haben.
Stundenlanges Warten statt Minuten
Das Analyseunternehmen Qsensor verzeichnete einen dramatischen Anstieg der maximalen Wartezeiten. In Frankfurt erreichten sie 120 Minuten, während sie ein Jahr zuvor nur halb so lang waren, 60 Minuten. In München verdoppelte sich die längste Wartezeit fast, von 31 auf 60 Minuten, und in Amsterdam stieg sie von 80 auf 120 Minuten. Tourismus- und Luftfahrtbranche hatten bereits früher gewarnt, dass das neue System zu großen Verzögerungen führen könnte, da die Flughäfen die Passagiere nicht schnell genug abfertigen könnten.
Das neue System, das die EU im April 2026 einführte, verlangt von Reisenden aus dem Vereinigten Königreich und anderen Nicht-EU-Staaten, sich bei der ersten Einreise mit Fingerabdrücken, Foto und persönlichen Daten zu registrieren. Obwohl das Ziel des EES die Erhöhung der Sicherheit an den Außengrenzen ist, war seine Einführung von Stillständen, technischen Problemen und Schwierigkeiten mit der Ausrüstung geprägt.
O'Leary: "Nur Europäer könnten so einen Mist erfinden"
Ryanair-Chef Michael O'Leary hat bei der Kritik am neuen System kein Blatt vor den Mund genommen. "Nur Europäer könnten so einen Mist erfinden", sagte er letzten Monat vor Investoren und fügte hinzu, dass sein Unternehmen an etwa 15 Flughäfen ernsthafte Staus verzeichnet habe. O'Leary ist der Ansicht, dass die Registrierung online ermöglicht werden sollte, um Verzögerungen an den Grenzübergängen selbst zu vermeiden.
Auch andere Fluggesellschaften halten sich nicht zurück. easyJet-Chef Kenton Jarvis forderte die Flughäfen auf, die zulässigen Ausnahmen zu nutzen und "gesunden Menschenverstand" zu zeigen. "Lassen Sie nicht zu, dass die Leute dort drei Stunden stehen", appellierte Jarvis. British-Airways-Chef Sean Doyle räumte ein, dass das System an einigen Flughäfen problematische Situationen verursacht habe, bewertete jedoch, dass es das Gesamtgeschäft des Unternehmens nicht wesentlich beeinträchtigt habe.
Sorgen der Passagiere und vorübergehende Lösungen
Oliver Maxfield, Gründer von Qsensor, warnt vor wachsender Nervosität unter den Passagieren. "Mit den immer längeren Wartezeiten sehen wir einen starken Anstieg der Besorgnis unter britischen und nordamerikanischen Touristen darüber, wie lange sie in der Schlange stehen müssen", sagte er. Daten aus München zeigen, dass die längsten Wartezeiten bei Passagieren auftreten, die die manuelle Kontrolle durchlaufen, während automatische Spuren von EU-Bürgern, die nicht der EES-Registrierung unterliegen, meist problemlos genutzt werden.
Um die Staus zu lindern, haben viele Flughäfen während der Sommerhochsaison vorübergehend einen Teil der Kontrollen ausgesetzt, beispielsweise die Abnahme von Fingerabdrücken. Diese Möglichkeit soll im September auslaufen, aber acht EU-Mitgliedstaaten und die Schweiz haben die Europäische Kommission bereits gebeten, diese Ausnahmen zu verlängern.
Kommission beruhigt, aber Gespräche laufen
Die Europäische Kommission verteidigt das System mit der Behauptung, dass die durchschnittliche Registrierung etwa 70 Sekunden dauert und die Auswirkungen auf die meisten Nicht-EU-Passagiere begrenzt sind. Sie betont auch die Sicherheitsvorteile und verweist darauf, dass über das EES seit dem Start 160 Millionen Ein- und Ausreisen erfasst wurden. Ein Sprecher der Kommission bestätigte, dass Gespräche über die Fortsetzung der Flexibilität laufen. "Was den Zeitraum nach dem Sommer betrifft, stehen wir in engem und konstruktivem Kontakt mit mehreren Mitgliedstaaten, in denen es an bestimmten Grenzübergängen Probleme gibt", sagte er.
Die Financial Times veröffentlichte auf der Social-Media-Plattform X eine Warnung des schwedischen Chefs vor einer potenziellen Migrationskrise. Er sagte, dass das spanische Programm zur Massenregularisierung Europa zurück in eine Migrationskrise wie die von 2015 stürzen und die Freizügigkeitszone auf dem Kontinent in Frage stellen könnte.