Der slowenische Fußballgigant Olimpija aus Ljubljana durchlebt eine der schwersten Krisen seiner Geschichte. Der Klub, der zuletzt in der Saison 2024/2025 den Meistertitel holte, hat nach vier gespielten Runden der neuen Saison der Ersten Slowenischen Liga nur drei Punkte auf dem Konto, und die Situation abseits des Platzes ist noch alarmierender und nimmt Züge eines regelrechten finanziellen Kollapses an.
Torwart spielte im Trainingstrikot
Wie der slowenische Sportklub berichtet, herrscht im Klub aus Ljubljana eine solche Not, dass nicht allen Spielern Ersatztrikots zur Verfügung gestellt werden können. Das gipfelte im Samstagsderby gegen Celje, das Olimpija mit 0:1 verlor, als Torwart Matevž Vidovšek gezwungen war, im Trainingstrikot zu spielen.
Sportklub fragt sich, "ob der Klub noch tiefer fallen kann" und stellt fest: "Das ljubljanische Olimpija ist so tief gefallen, dass sich tatsächlich die Frage stellt, wohin der Klub aus der Hauptstadt noch weiter fallen kann. Wir sprechen jedoch über ein Symbol des slowenischen Fußballs, dessen Zustand die gesamte slowenische Fußballöffentlichkeit beunruhigen muss. Das Bild von Olimpija auf dem Platz spiegelt wider, was im Klub passiert."
Fans mit Clownsmasken: "Wanderzirkus präsentiert Igor"
Die Unzufriedenheit der Fans ist in dieser Saison eskaliert. Wie Ekipa24 berichtet, haben sie sich zu einem "Wanderzirkus" zusammengeschlossen, und ein Teil von ihnen kommt mit Clownsmasken ins Stadion. Obwohl sie zunächst nur den Präsidenten Adam Delius ins Visier nahmen, erschien Anfang August auch ein Transparent mit der Botschaft: "Wanderzirkus präsentiert Igor".
Die Botschaft richtet sich an Direktor Igor Barišić, einen Osijeker, der 2021 zum Klub stieß. Er übernahm Olimpija in einem Moment, als die finanziellen Verluste satte 25 Millionen Euro betrugen. Die slowenischen Medien bezeichnen seine Geschäftsmethoden als "Barišićs Modus Operandi" und führen an, dass der Klub Rechnungen nicht rechtzeitig zahlt, sondern erst, wenn es keine andere Lösung mehr gibt.
Büros werden leerer, PR-Abteilung wirft das Handtuch
Die interne Situation im Klub ist chaotisch. Laut Sportklub werden die Klubbüros von Tag zu Tag leerer, weil unzufriedene Mitarbeiter ihre Arbeitsplätze verlassen. Die PR-Abteilung hat bereits die Flinte ins Korn geworfen, sodass sich nun eine externe Agentur des Klubs um das öffentliche Image kümmert. Im April dieses Jahres verließ auch der Sportdirektor Goran Boromisa nach vier Jahren den Klub und schloss sich dem kroatischen Klub Kustošija an.
Präsident beschuldigt ehemalige Direktorin des Betrugs
Im Zuge der Ermittlungen über Geldabflüsse von den Klubkonten meldete sich Präsident Adam Delius zu Wort, der die gesamte Verantwortung der ehemaligen Finanzdirektorin Tina Tkalec zuschob. "Es wurde festgestellt, dass sie durch Betrug große Geldsummen aus dem Klub abgezogen hat, daher wurde bereits Anzeige erstattet. Der volle Umfang des Betrugs und der beteiligten Personen wird untersucht, die Ermittlungen werden auf alle Mitarbeiter unter dem ehemaligen Präsidenten, dem verstorbenen Milan Mandarić, ausgeweitet", erklärte Delius.
Tkalec konterte umgehend und erklärte, die Vorwürfe seien unwahr und unbegründet; sie habe stets gesetzeskonform und nach Anweisungen ihrer Vorgesetzten gehandelt. Die beiden Seiten vertreten also völlig gegensätzliche Versionen der Ereignisse, die Ermittlungen laufen.
Klub droht mit Klagen, Journalisten unter Druck
Zusätzliche Spannung bringt das Verhältnis des Klubs zu den Medien. Sportklub schreibt, dass "Journalisten, die den Geldfluss untersuchen, (sinnlose) rechtliche Aufforderungen erhalten, diese Aktivitäten einzustellen". Von Olimpija wurde daraufhin auch eine offizielle Stellungnahme verschickt, in der rechtliche Schritte "wegen wiederholter Veröffentlichung ungeprüfter und unwahrer Anschuldigungen" angekündigt wurden.
"In mehreren Fällen wurden Informationen vor der Veröffentlichung nicht mit dem Klub oder anderen direkt beteiligten Parteien überprüft. Dennoch wurden die Anschuldigungen als Tatsachen dargestellt, obwohl sie durch eine grundlegende journalistische Überprüfung schnell und eindeutig hätten widerlegt werden können. Wir werden nicht länger zulassen, dass falsche und ungeprüfte Informationen veröffentlicht werden, die dem Ruf des Klubs, den Mitarbeitern, Spielern, Fans und Geschäftspartnern schaden", teilte NK Olimpija mit.