Die junge Kroatin Karolina aus Zagreb stellte Papst Leo XIV. eine Frage darüber, wie sie eine glaubwürdige Christin bleiben könne, doch statt des erwarteten Kompliments über das treue katholische Volk erhielt sie eine Antwort, die in Kroatien Unbehagen auslösen könnte. Die Begegnung fand in Assisi statt, und der Papst sprach über Krieg, Nationalismus und die Notwendigkeit der Versöhnung.
Frage aus der Franziskanerpfarrei
Karolina, die in einer Franziskanerpfarrei aufgewachsen ist, betonte in ihrer Ansprache Einfachheit, Brüderlichkeit und einen Glauben, der nicht in der Kirche eingeschlossen bleibt. Ihre Frage zielte auf ein authentisches christliches Leben ab, doch die Antwort des Papstes lenkte in eine Richtung, die die kroatische Gesellschaft und ihre enge Verbindung von religiöser und nationaler Identität direkt berührt.
Läuterung des Gedächtnisses statt Feiern
Leo XIV. antwortete, dass Karolina aus einem Teil Europas stamme, der vor dreißig Jahren von Krieg geprägt war. Er stellte fest, dass diese Zeit von einer "gefährlichen Verflechtung religiöser Identität und Nationalismus" gekennzeichnet war. Statt nationalistische Narrative zu feiern, betonte der Papst, dass die Treue zur franziskanischen Tradition eine Läuterung des Gedächtnisses und die Pflege der Versöhnung erfordere.
Seine Worte rufen implizit dazu auf, sich den dunkleren Seiten des Vaterländischen Krieges zu stellen, einschließlich der Verbrechen an Zivilisten, was in Kroatien oft ein heikles Thema ist. Der Papst erwähnte auch Orthodoxe und Muslime und wies auf die Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs und der Versöhnung in der Region hin.
Tag des Sieges in neuem Licht
Obwohl er die kroatischen Staatsfeiertage nicht direkt erwähnte, könnten die Worte des Papstes als Kommentar zur Art und Weise interpretiert werden, wie der Tag des Sieges und der Heimatdankbarkeit begangen wird. Die Botschaft, dass es möglich ist, festlich zu feiern und dabei begangene Verbrechen anzuerkennen, wird sicherlich nicht bei allen Bürgern in einem Land, das oft stolz auf sein Katholizismus und Patriotismus ist, auf Zustimmung stoßen.