Mladen Pavković spricht in seiner am 10. August 2026 auf dem Portal Cronika.hr veröffentlichten Kolumne über das kollektive Vergessen, das seiner Aussage nach die kroatische Gesellschaft in Bezug auf den Heimatkrieg beherrscht. Seine zentrale These ist, dass der Sieg von 1991 heute fälschlicherweise als historische Notwendigkeit wahrgenommen wird, nicht als Ergebnis eines verzweifelten Kampfes am Rande des Abgrunds.
Jeans, Jagdgewehr und der Rand des Abgrunds
Pavković erinnert an die fast unglaublichen Umstände, in denen sich Kroatien im Herbst 1991 befand. Er beschreibt ein Volk, das zur Verteidigung antrat, "militärisch ungebildet, unbewaffnet und von der internationalen Gemeinschaft völlig abgeschrieben", die durch das Waffenembargo die Lage des jungen Staates zusätzlich erschwerte.
"Der Gang an die Front in eigenen Jeans und Turnschuhen, mit dem Jagdgewehr des Großvaters oder einer verrosteten Beutepistole, war ein Akt purer Verzweiflung und wahnsinnigen Mutes", schreibt Pavković in seiner Kolumne für Cronika.hr.
Unter solchen Bedingungen, betont der Autor, gab es keine Frage nach militärischer Bereitschaft oder familiären Umständen. Es gab nur "das Bewusstsein für die Notwendigkeit, das nackte Leben und das Zuhause zu verteidigen", und die Alternative war brutale und systematische Auslöschung.
Wendepunkt namens 'Schlacht um die Kasernen'
Der Kolumnist betont besonders die Bedeutung des Septembers 1991 und der "Schlacht um die Kasernen" als Schlüsselmoment, der einen vollständigen militärischen Zusammenbruch verhinderte. Durch die Blockade und Einnahme der Militäranlagen der JNA in Städten wie Varaždin, Koprivnica, Bjelovar und Ploče gelangten die schlecht bewaffneten Verteidiger an ihre erste schwere Bewaffnung.
Es wurden Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Hunderttausende Gewehre sowie riesige Mengen an Artilleriegranaten und Munition erbeutet. Diese Kriegsbeute, so Pavković, ermöglichte die Schaffung einer technischen Basis für eine echte kroatische Armee und war buchstäblich ein "Rettungsanker", ohne den die Verteidigung physisch nicht aufrechtzuerhalten gewesen wäre.
Unter Bedingungen eines katastrophalen Ungleichgewichts bei der Bewaffnung, bei dem der Aggressor über Tausende von Panzern und Kampfflugzeugen verfügte, griffen einheimische Experten zu unglaublicher Improvisation. In lokalen Werkstätten wurden aus Wasserrohren und Autoteilen die ersten Gewehre zusammengebaut, und Sport- und Agrarflugzeuge wurden zu Bombern umgebaut, die über dem belagerten Vukovar Sprengsätze aus Gasflaschen abwarfen.
Alternative: Massengräber und das Verschwinden von der Landkarte
Pavković beschäftigt sich im Text auch mit dem düsteren hypothetischen Bild dessen, was geschehen wäre, wenn die Verteidigungslinien nicht gehalten hätten. Er behauptet, dass das Projekt "Großserbien" zwei Drittel des kroatischen Territoriums verschlungen hätte, und zeichnet eine Grenze entlang der Linie Virovitica-Karlovac-Karlobag. Der Autor beschreibt ein Schicksal, in dem die schrecklichen Bilder der Massaker von Vukovar und Škabrnja zum Alltag jeder kroatischen Stadt geworden wären.
Der verbleibende Teil des Landes wäre, wie er sagt, ein "enthauptetes Territorium unter vollständiger Diktatur Belgrads" gewesen, und Tausende von Freiwilligen und Zivilisten wären in Massengräbern oder Konzentrationslagern in ganz Serbien gelandet. Der Sturm (Oluja) wäre in diesem Szenario nur ein ungeträumter Traum geblieben, und die Idee eines unabhängigen Staates wäre dauerhaft ausgelöscht worden.
Kuharićs Worte als dauerhafte Mahnung
Zum Abschluss seiner Kolumne betont Pavković, dass die Freiheit kein Geschenk der internationalen Diplomatie war, sondern eine "mit Blut getränkte Schuld gegenüber denen, die sich weigerten, der Kapitulation zuzustimmen". Er warnt, dass Völker, die den Preis ihrer Freiheit vergessen, sehr schnell wieder zur Beute fremder imperialer Ambitionen werden.
Die Erinnerung an das Jahr 1991, so der Autor, dürfe keine bloße protokollarische Gedenkveranstaltung sein, sondern eine dauerhafte Mahnung und die stärkste Mauer gegen das Vergessen. Die Kolumne schließt mit den Worten von Kardinal Franjo Kuharić, die in den Momenten größter Unsicherheit den Geist der Verteidigung zusammenfassten:
"Es gibt bestimmte Linien, von denen man nicht zurückweichen kann, denn ein Zurückweichen würde bedeuten, sich selbst zu verleugnen", zitiert Pavković Kardinal Kuharić.