Die Durchführung der 311. Sinjski Alka, bei der der Sieger Tino Radanović mit 12 Punkten triumphierte, hat eine heftige Polemik ausgelöst, die sich weniger um den Sieger selbst dreht, sondern um die leeren Stühle in der Festloge. Während ein Großteil der Öffentlichkeit und der Medien ihre Aufmerksamkeit auf die Abwesenheit des Bürgermeisters von Sinj, Miro Bulj, richtete, warnt der Journalist und Publizist Marko Ljubić, dass ein weitaus wichtigeres Detail fast völlig unbemerkt geblieben sei.
Ljubić betonte in einem ausführlichen Beitrag in den sozialen Netzwerken am 10. August 2026, dass Premierminister Andrej Plenković mehr als drei Stunden lang das Alka-Turnier von der Festloge aus verfolgt habe, aber im entscheidenden Moment, während der Zeremonie zur Siegerehrung, nicht auf seinem Platz gewesen sei. "Es blieb ein leerer Stuhl zwischen Dragan Čović und Borjana Krišto während der gesamten Siegerehrungs- und Siegesfeierzeremonie", schrieb Ljubić und fügte hinzu, dass genau für diesen Moment die Alka stattfinde.
Politische und symbolische Bedeutung des leeren Stuhls
Ljubić ist der Ansicht, dass die Abwesenheit des Regierungschefs bei der Siegerehrung politisch und symbolisch ungleich bedeutender sei als das Fernbleiben des Oppositionsbürgermeisters. "Bulj ist Bulj. Die Opposition ist Opposition, sie sind, wie sie sind. Aber die Regierung ist nicht nur Regierung, sie ist die Staatsmacht", sagte er und betonte den Unterschied in der Verantwortung.
Besonders kritisierte er die Reaktion der HDZ, von der er Informationen erhalten habe, dass sie Buljs Handlung als "beispiellosen Akt der Respektlosigkeit gegenüber der Alka" bezeichnet habe, während über Plenkovićs leeren Stuhl, so behauptet er, geschwiegen werde. "Und man redet über den leeren Stuhl von Miro Bulj!?", fragte er ironisch.
Plenkovićs Tweet: Glückwünsche ohne Erwähnung der Kontroverse
Einen Tag nach der Alka, am 10. August, äußerte sich Premierminister Plenković auf seinem Twitter-Profil mit einem Glückwunsch. "In Sinj haben wir der 311. Sinjski Alka beigewohnt. Herzlichen Glückwunsch an den diesjährigen Sieger Tino Radanović für seine großartige Leistung und den Sieg mit 12 Punkten", schrieb er und betonte, dass die Alka "seit mehr als drei Jahrhunderten die Tradition, Kultur und Identität der Cetinska krajina bewahrt".
Die Regierung der Republik Kroatien gratulierte Radanović ebenfalls per Retweet und dankte der Ritterlichen Alka-Gesellschaft Sinj für die Organisation, doch keiner dieser Beiträge ging auf die Polemik um die leeren Stühle ein.
Scharfe Frage: "Wozu ist ein solcher Mensch fähig?"
Ljubić geht in seinem Beitrag noch einen Schritt weiter und verbindet Plenkovićs Handlung mit dem breiteren politischen Kontext. "Was sagt der leere Stuhl und die gezeigte Missachtung des Sieges und des Siegers, der 311 Jahre alten Tradition und des kroatischen Volkes über einen Mann aus, der die mit Abstand größte politische Macht im Land hat!? Wozu ist ein solcher Mensch fähig!?", fragt er.
In seinen Ausführungen ging er auch auf das Verhältnis zu den Kroaten in Bosnien und Herzegowina ein und warf ironisch mögliche Entschuldigungen auf, die folgen könnten: "Wird er bekannt geben, dass er einen dringenden staatlichen Anruf hatte, Zelensky ihn gerufen hat, oder dass Kroatien unter Raketenangriff steht?" Die gesamte Situation und die mediale Berichterstattung bewertete er als "beschämend", "beispiellos" und "gefährlich".