Nach Informationen der HAZU verstarb am 8. August 2026, einem Samstag, im Alter von 95 Jahren in Zagreb der kroatische Physiker und Akademiker Ivo Šlaus, ordentliches Mitglied der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste.
Geboren am 26. September 1931 in Split, schloss Šlaus 1954 sein Physikstudium an der Naturwissenschaftlich-Mathematischen Fakultät in Zagreb ab und promovierte 1958 an derselben Fakultät. Von 1960 bis 2005 bekleidete er eine Professur und war von 1954 bis 1998 am Ruđer-Bošković-Institut tätig. Seit 2005 trug er den Titel Professor emeritus der Universität Zagreb.
Umfangreiches wissenschaftliches Werk und internationale Anerkennung
Seine Hauptforschungsgebiete waren Kernphysik, Teilchenphysik und medizinische Physik. Er führte neue experimentelle Ansätze und analytische Methoden ein und verbesserte sie. Sein wissenschaftliches Werk umfasst 411 Publikationen, darunter sechs Monographien. Er gehörte zu den Pionieren bei der Untersuchung von Kernwechselwirkungen außerhalb der Energieschale und befasste sich im Rahmen der medizinischen Kernphysik mit Radiopharmaka sowie der Entwicklung der Neutronentherapie. Zudem war er einer der Organisatoren von Tagungen zur Nuklearmedizin und trug damit wesentlich zur Verbreitung dieses interdisziplinären Gebiets bei.
Als Gastprofessor wirkte er an vielen Universitäten weltweit und bot auch Beratungsdienste in wissenschaftlichen Laboren an. Er war als eingeladener Redner auf 57 internationalen Konferenzen tätig und organisierte 18 davon. 1977 wurde er korrespondierendes Mitglied der HAZU, seit 1991 war er ordentliches Mitglied.
Politisches Engagement und Mitgliedschaft in renommierten Akademien
Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit war Šlaus auch gesellschaftlich aktiv. Von 2000 bis 2003 war er Abgeordneter der SDP im Kroatischen Parlament. Gemeinsam mit dem Akademiker Ivan Supek gründete er 1997 die Kroatische Bewegung für Demokratie und soziale Gerechtigkeit, wo er die Rolle des Generalsekretärs übernahm.
Sein internationales Ansehen wird durch die Mitgliedschaft in einer Reihe prestigeträchtiger Institutionen bestätigt. Seit 1988 war er Mitglied und einer der Gründer der Academia Europaea, deren Ausschuss für Physik und technische Wissenschaften er von 1990 bis 1994 leitete. Er war auch Mitglied der Weltakademie für Wissenschaft und Kunst (WAAS), deren Präsident er von 2011 bis 2013 war und anschließend deren Ehrenpräsident. Seit 1992 war er in die Academia Scientiarum et Artium Europaea mit Sitz in Salzburg eingebunden, und seit 2006 wirkte er als auswärtiges Mitglied der Mazedonischen Akademie der Wissenschaften und Künste, zudem als korrespondierendes Mitglied der Montenegrinischen Akademie der Wissenschaften und Künste.
Auszeichnungen und Ehrungen
Seit 1987 war er Mitglied des Club of Rome, und 1993 gründete er die Kroatische Vereinigung des Club of Rome und war deren Präsident. Für seine Arbeit erhielt er 1962 und 1969 die Ruđer-Bošković-Preise, und 2008 wurde ihm der Staatspreis für Wissenschaft für sein Lebenswerk verliehen. Im Jahr 2023 wurde ihm der Orden des Fürsten Trpimir mit Halsband und Stern verliehen, der ihm für herausragende Leistungen in der wissenschaftlichen Arbeit, Forschungsaktivitäten und internationalen Zusammenarbeit sowie für die Stärkung des Ansehens Kroatiens in der Welt verliehen wurde. Darüber hinaus führte die Telegram-Journalistin Silvana Menđušić zu Weihnachten 2024 ein Gespräch mit dem Akademiker Šlaus, das als eines der letzten Zeugnisse seiner Gedanken festgehalten wurde.