Neun Jahre nachdem er als 18-Jähriger seiner eigenen Mutter Domestos in den Kaffee gegossen, ihr anschließend mit einem Messer gedroht und ein Polizeifahrzeug beschädigt hatte, hat ein Gemeindegericht in Kroatien ein nicht rechtskräftiges Urteil gefällt. Der heute 27-jährige Mann kommt nicht ins Gefängnis, sondern wird für sechs Monate zwangsweise in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht.
Die Entscheidung basiert auf einem psychiatrischen Gutachten, das ergab, dass der Angeklagte am 19. September 2017 bei der Begehung der Straftaten in einem Zustand akuter psychotischer Dekompensation infolge paranoider Schizophrenie handelte. Als schuldunfähige Person verhängte das Gericht gegen ihn eine Maßnahme nach dem Gesetz über Personen mit psychischen Störungen.
Ein Tag des Grauens im Familienhaus
Am schicksalhaften Tag, mitten am helllichten Tag, kochte der junge Mann seiner Mutter Kaffee, in den er eine unbestimmte Menge Reinigungsmittel goss. Die Frau bemerkte, dass er nach der Flasche Domestos gegriffen hatte, und als sie das Getränk probierte, schmeckte es unangenehm. "Ich fragte ihn, was er mir in den Kaffee getan habe, und er fing nur an zu lachen", erzählte die Mutter vor Gericht.
Nachdem sie den Kaffee in die Spüle geschüttet hatte, nahm ihr Sohn ein Küchenmesser und rammte es in den Holztisch im Wohnzimmer. Anschließend richtete er, um sie einzuschüchtern, eine schreckliche Drohung an sie. "Ich werde es dir in den Hals rammen", sagte der damals 18-Jährige.
Flucht auf das Dach und Angriff auf die Polizei
Die verängstigte Frau rannte aus dem Haus, um Hilfe zu holen, während er in die Küche ging, um ein zweites Messer zu holen. Als die Polizeistreifen eintrafen, fanden sie ihn auf dem Dach des Hauses. "Er hatte einige Dachziegel entfernt und kletterte auf das Dach und sagte: ‚Ich werde fliegen'", erinnerte sich die Mutter.
Einer der Polizisten, der im Einsatz war, beschrieb die chaotische Szene. "Er schrie nur, dass er nicht reden werde. Er schlug mit dem Messer auf den Ziegel. Er erwähnte seine Mutter und wirkte völlig durcheinander, er schrie", sagte er aus. Der junge Mann warf vom Dach einen Ziegel auf den Polizei-Skoda, zertrümmerte die Windschutzscheibe und beschädigte das Blech, wodurch dem Innenministerium ein Schaden von 941 Euro entstand. Nach Überredung gab er das Messer ab, wehrte sich jedoch gegen das Anlegen der Handschellen.
Jahrelanger Kampf mit der Krankheit
Die Mutter offenbarte vor Gericht quälende Details über den Zustand ihres Sohnes vor dem schicksalhaften Ereignis. "Er konsumierte Alkohol und Drogen, vernachlässigte seine Hygiene und zertrümmerte in seinem Zimmer Dinge. Einmal hat er es sogar angezündet", erzählte sie. Sie versuchte, ihn zu einem Psychologen und Psychiater zu bringen, aber er lehnte ab und sagte, das sei "Geldverschwendung".
Nach seiner Festnahme verbrachte der junge Mann zwei Monate in Untersuchungshaft bzw. im Gefängniskrankenhaus. Ein Jahr später brachte seine Mutter ihn nach Deutschland, wo sie arbeitete. Dort arbeitete er einen Monat lang in der Küche eines Restaurants, griff jedoch einen Mitarbeiter an und landete erneut in Haft. "Wegen seines schlechten psychischen Zustands wurde er in eine deutsche Klinik verlegt, wo er sich auch heute noch befindet, da das Verfahren gegen ihn abgeschlossen ist. Sie stellten fest, dass er an paranoider Schizophrenie leidet", schloss die Mutter.
Verhandlung in Abwesenheit
Die Anklage wurde Ende 2017 erhoben, doch das Verfahren zog sich hin. Mitte letzten Jahres wurde beschlossen, den Angeklagten in Abwesenheit zu verhandeln. Sein Anwalt vertrat die Ansicht, sein Mandant habe die Taten nicht begangen, doch die Staatsanwaltschaft schlug, gestützt auf das Gutachten des Psychiaters über die Schuldunfähigkeit, die Zwangsunterbringung als einzige mögliche Sanktion vor. Die Verfahrenskosten werden nicht dem Verurteilten auferlegt, sondern aus Haushaltsmitteln gedeckt.