Prof. Darko Marčinko, Psychiater und Vorstand der Klinik für Psychiatrie und Psychologische Medizin des KBC Zagreb, erläuterte für die Jutarnji list die psychiatrische und forensische Bedeutung von Pyromanie sowie vorsätzlicher und bewusster Brandstiftung. Er betonte, dass es sich um zwei grundlegend verschiedene Phänomene handelt, die in der Öffentlichkeit oft fälschlicherweise gleichgesetzt werden.
Was ist Pyromanie?
Pyromanie wird als psychiatrischer Zustand definiert, bei dem eine Person wiederholt absichtlich Feuer legt, wobei der Akt des Zündelns selbst das Hauptziel des Verhaltens darstellt und nicht ein Mittel zur Erreichung anderer Ziele. Gemäß der Internationalen Klassifikation der Krankheiten, 10. Ausgabe, trägt sie den Code F63.1; die neue 11. Klassifikation ordnet sie den Störungen der Impulskontrolle zu.
Marčinko beschreibt drei Zeiträume mit drei entsprechenden mentalen Zuständen: "Vor dem Legen des Feuers besteht meist Anspannung oder emotionale Erregung, oft auch eine starke Faszination, Interesse oder Anziehungskraft auf Feuer. Während des Zündelns verspürt der Pyromane eine Abnahme der Anspannung und ein Gefühl von Befriedigung oder Erleichterung." Nach der Tat sind die Reaktionen vielfältig und hängen von einer Reihe von Faktoren ab.
Um die Diagnose Pyromanie zu stellen, müssen besondere Bedingungen erfüllt sein: mindestens ein vorsätzliches Zündeln, erhöhte Anspannung oder Erregung vor der Tat sowie ein Gefühl von Befriedigung oder Erleichterung danach. Der Professor betont, dass Pyromanie eine seltene Diagnose ist.
Unterschied in der Funktion des Feuers
Bei vorsätzlicher und bewusster Brandstiftung kann das Feuer ein Mittel psychologischer Wirkung sein. "Es liegt eine grundlegende Kränkung vor, begleitet von Wut und/oder dem Bedürfnis nach Rache/Kontrolle. Andererseits gibt es bei der Pyromanie ein Muster: Anspannung und Drang/Faszination für Feuer, sodass das Legen von Feuer Befriedigung/Erleichterung erzeugt", erklärt Marčinko.
Aus psychodynamischer Perspektive liegt der entscheidende Unterschied in der Rolle, die das Feuer für das Individuum spielt. Wenn eine Person absichtlich Feuer legt und es sich nicht um Pyromanie handelt, kann das Feuer als Verhalten verstanden werden, durch das ein tieferer intrapsychischer Konflikt oder unangenehme Emotionen wie Hass ausgedrückt oder reguliert werden, weil die Person sie nicht optimal kontrollieren kann. "Die Frage ist also nicht nur 'Warum hat er/sie gezündelt?', sondern 'Was stellt diese Tat psychisch dar und wozu dient sie?'", sagt Marčinko.
Acht Motive für vorsätzliche Brandstiftung
Marčinko nennt acht zentrale psychodynamische Motive von Personen, die vorsätzlich Feuer legen: Handeln statt Verbalisieren ("Acting out"), Verschiebung von Aggression, Gefühl von Kontrolle und Macht, Rache und Reaktion auf narzisstische Kränkung, symbolischer Ausdruck von Konflikten, Aufmerksamkeit oder Bestätigung suchen sowie Externalisierung innerer Konflikte.
Im Falle von Pyromanie ist Feuer hauptsächlich mit Trieb, Erregung und emotionaler Befreiung des Aktes selbst verbunden. Wenn Feuer vorsätzlich gelegt wird, kann es anderen Zwecken dienen: Rache, Ausdruck von Aggression, Kontrolle, Bestrafung, Übermittlung unaussprechlicher Botschaften oder Bewältigung unerträglicher Emotionen.
Forensische Psychiatrie und strafrechtliche Verantwortlichkeit
Forensisch-psychiatrische Begutachtungen von Tätern vorsätzlicher und bewusster Brandstiftung zeigen, dass Pyromanie in typischer Form nicht vorliegt und die Häufigkeit psychischer Störungen erhöht ist. Besonders hervorzuheben sind schwere Persönlichkeitsstörungen, antisozialer oder narzisstischer Typ, oft verbunden mit dem begleitenden Syndrom des malignen Narzissmus, sowie Alkohol- und Substanzabhängigkeit.
"In der Mehrheit handelt es sich um Zustände mit erhaltener Schuldfähigkeit, und daher besteht auch volle strafrechtliche Verantwortlichkeit (volle Strafe) als Folge der Tatbegehung (es handelt sich also nicht um Personen, die die Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen haben)", betont Marčinko. Die Persönlichkeitsstörung ist eine medizinisch-psychologische Tatsache, während die Schuldfähigkeit eine rechtlich relevante Beurteilung des psychischen Zustands zum Zeitpunkt der konkreten Tat ist.
Bei Personen, die Straftaten der vorsätzlichen Brandstiftung begangen haben, bilden schwere Persönlichkeitsstörungen kein einheitliches Profil. Forschung und forensische Erfahrung deuten häufiger auf eine heterogene Gruppe hin, in der antisoziale, emotional instabile, narzisstische und paranoide Züge zu finden sind. Beim antisozialen Muster wird Feuer am häufigsten als Mittel zur Zielerreichung eingesetzt, etwa für Rache oder Misshandlung anderer, während bei Pyromanie der Akt des Zündelns selbst eine zentrale belohnende Funktion hat.