In Pula wurde am Dienstag, dem 18. August 2026, der 80. Jahrestag der Tragödie von Vargarola begangen, einer Explosion, die am 18. August 1946 Dutzende Menschenleben forderte und einen unauslöschlichen Eindruck im kollektiven Gedächtnis der Stadt hinterließ. Der zentrale Moment der Gedenkfeier war die Enthüllung und Segnung des neuen Mahnmals, auf dem die Namen der 64 offiziell bestätigten Opfer dauerhaft eingraviert sind. An der Gedenkfeier nahmen neben Vertretern der Stadt Pula, Pola, der Gespanschaft Istrien, der Italienischen Republik, der italienischen Volksgruppe sowie zahlreicher Verbände und Institutionen aus Kroatien und Italien auch Angehörige der Opfer und Überlebende der Tragödie teil.
Die Zeremonie begann mit einer Schifffahrt zum Strand von Vargarola, wo Kränze ins Meer gelegt wurden, um den Opfern zu huldigen. Anschließend fand in der Kathedrale von Pula eine heilige Messe in italienischer Sprache statt, die von Don Ivan Petrašić zelebriert wurde. Nach der Messe segnete Don Petrašić das neue Mahnmal.
Grbin: "Eine Kultur des Vergessens ist nichts, worauf wir unser Leben aufbauen können"
Der Bürgermeister von Pula, Peđa Grbin, betonte in einer emotionalen Rede die Bedeutung der Erinnerungskultur und erinnerte daran, dass die Tragödie jahrzehntelang von gesellschaftlichem Vergessen begleitet war. "Wir haben uns versammelt, um uns an eine der größten, wenn nicht die größte Tragödie zu erinnern, die unsere Stadt je getroffen hat", sagte Grbin laut einem Bericht der Glas Istre. Er betonte, dass der Schmerz der Familien von Stille begleitet wurde: "Diesen Schmerz begleitete das Vergessen. Nicht das Vergessen der Familien, nicht das Vergessen der Freunde, sondern das Vergessen der Gesellschaft und das Vergessen der Gemeinschaft." Das neue Mahnmal, das in Absprache mit der Italienischen Gemeinschaft und dem Vizebürgermeister Vito Paoletić entstanden ist, korrigiere dieses Unrecht. Grbin fügte hinzu: "Eine Kultur des Vergessens ist nichts, worauf wir unser Leben, unser Zusammenleben, unsere Stadt aufbauen können. Es ist die Kultur der Erinnerung."
Botschafter Trichilo: Offene Fragen warten weiterhin auf Antworten
Der italienische Botschafter in Kroatien, Paolo Trichilo, erklärte, dass auch 80 Jahre nach der Tragödie viele Fragen zu den Umständen weiterhin ohne endgültige Antwort bleiben und es noch immer keine allgemein akzeptierte offizielle Darstellung gibt. "Mit tiefer Trauer muss ich feststellen, dass es in Pula zu einem großen Leid der unschuldigen Zivilbevölkerung kam", sagte Trichilo. Der Botschafter betonte die untrennbare Verbindung von Vargarola mit der Geschichte des Exodus und begrüßte die Fortschritte in der kroatisch-italienischen Zusammenarbeit in den letzten Jahren. Besonders hob er hervor, dass die Stadt Pula die Organisation der Gedenkveranstaltungen übernommen und das bisherige Mahnmal durch ein neues mit den Namen der Opfer ersetzt hat. "Die Pflicht der Erinnerung muss von der Verantwortung begleitet sein, in die Zukunft zu blicken, umso mehr, als Italien und Kroatien befreundete Staaten sind und beide Mitglieder des gemeinsamen Hauses, der Europäischen Union", so Trichilo.
Verlesung der Namen und Ausstellung über den Helden Micheletti
Ein besonders emotionaler Moment der Gedenkfeier war die Verlesung der Namen aller 64 Opfer. Begleitet von Cellist Fabio Jurić sprach Lucia Bellaspiga die Namen aus, die in das neue Denkmal eingraviert sind. Damit wurde erneut betont, dass hinter den historischen Zahlen konkrete Menschen und Familien stehen, deren Leben von der Tragödie dauerhaft geprägt wurden. Die Gedenkfeier wurde mit den Versen des Gedichts "Vergarola" der Dichterin Ester Sardoz Barlessi aus Pula fortgesetzt.
Kränze wurden von Vertretern der Botschaft der Italienischen Republik in Kroatien, des Generalkonsulats in Rijeka, der Italienischen Gemeinschaft in Pula, der Italienischen Union, des Verbands antifaschistischer Kämpfer und Antifaschisten der Stadt Pula, der AIPI, der LCPE, der FederEsuli, des Circolo di cultura istro-veneta "Istria", der UPT aus Triest, der Gespanschaft Istrien sowie der Stadt Pula niedergelegt. Im Namen der Stadt Pula legten Bürgermeister Grbin, Vizebürgermeister Vito Paoletić und der Präsident des Stadtrats Valter Boljunčić Kränze nieder.
Nach der Gedenkfeier wurde in der Städtischen Galerie die Ausstellung "Vergessene Tragödie: Vergarolla und ihr Held, Dr. Geppino Micheletti 1946-2026" eröffnet. Die Ausstellung, die vom Regionalinstitut für istrische, fiumanische und dalmatinische Kultur (IRCI) zur Verfügung gestellt wurde, erinnert an die Menschlichkeit des Arztes aus Pula, der nach der Explosion stundenlang operierte und Verwundeten half, obwohl auch seine eigenen Kinder unter den Toten waren. Die Explosion auf Vargarola am 18. August 1946 hat die Geschichte von Pula dauerhaft geprägt, während die Umstände ihrer Entstehung auch achtzig Jahre später nicht vollständig geklärt sind. Das neue Mahnmal hat daher eine besondere Bedeutung: Die 64 Opfer sind nicht länger nur eine Zahl in historischen Aufzeichnungen, sondern Namen, die dauerhaft im Raum und im Gedächtnis der Stadt bewahrt bleiben.