Die unabhängige Parlamentsabgeordnete Marija Selak Raspudić hat am Sonntag den Rücktritt der gesamten Regierung der Republik Kroatien gefordert. Sie erklärte, dass das Ausmaß der Umweltkrise in der Region Gospić über die individuelle Verantwortung hinausgehe und den Sturz des Systems unter der Führung von Premierminister Andrej Plenković erfordere. In einer scharfen Stellungnahme rief sie die gesamte Opposition zu einem gemeinsamen Vorgehen auf und forderte Präsident Zoran Milanović auf, seine verfassungsmäßigen Befugnisse zu nutzen, um eine Sondersitzung des Kroatischen Parlaments einzuberufen.
Politische Reaktionen als "zu lasch" kritisiert
Selak Raspudić bezeichnete die bisherigen Reaktionen auf den Fall der Verschmutzung der Lika mit "ewigen" Chemikalien als "zu lasch". Sie betonte, dass dies nicht der Moment für deklarative Empörung, die Forderung nach dem Rücktritt einer Ministerin oder die Einreichung von Strafanzeigen sei, sondern für konkretes institutionelles Handeln, das zum Sturz der Regierung führen müsse.
"Dies ist der Moment, in dem die gesamte Regierung fallen muss. Dies ist nicht nur eine weitere Korruptionsaffäre, an die wir leider weitgehend abgestumpft sind, sondern der, aufklärende, Punkt, an dem die Zeit stehen bleiben muss und politische Köpfe rollen müssen. Daher rufe ich zu konkretem institutionellem Handeln auf", so Selak Raspudić.
Aufruf zur Einführung von Ökozid in das Strafgesetzbuch
Von Präsident Milanović forderte sie, die sofortige Einberufung einer Sondersitzung des Parlaments zu ermöglichen, auf der die Regierung zu schnellem Handeln verpflichtet und Änderungen des Strafgesetzbuchs verabschiedet werden sollten. Die zentrale Forderung ist die Einführung von Ökozid als schwerstes Umweltdelikt. Sie erinnerte daran, dass der Vorschlag für diese Änderungen bereits im parlamentarischen Verfahren liegt und von Strafrechtsexpertinnen der Juristischen Fakultät in Zagreb unter der Leitung von Professorin Aleksandra Roksandić ausgearbeitet wurde.
Die Abgeordnete erklärte, dass durch die Verschmutzung des Bodens und des Wassers in der Lika nicht nur die Bewohner der Lika, sondern ganz Kroatien gefährdet seien. Die Verantwortung schrieb sie vollständig der Regierung unter der Führung von Plenković zu und betonte, dass der Fall nicht auf die Verantwortung Einzelner reduziert werden könne, sondern ein systemisches Versagen darstelle, das die Exposition des kroatischen Bodens und Wassers gegenüber gefährlichem Abfall ermöglicht habe.
Verdacht auf größere Ausmaße des Problems
Selak Raspudić äußerte den Verdacht, dass der Fall Gospić kein Einzelfall sei und es ähnliche Deponien auch in anderen Teilen Kroatiens geben könnte. Sie rief die gesamte Opposition auf, individuelle politische Interessen zu überwinden und gemeinsam einen Antrag im Parlament zur Überprüfung des Vertrauens in den Premierminister einzubringen.
"Ich rufe die gesamte Opposition auf, einen gemeinsamen Antrag im Kroatischen Parlament einzubringen, um das Vertrauen in Andrej Plenković zu überprüfen und unseren Mitbürgern zu zeigen, dass Kroatien über unseren individuellen politischen Interessen und Unterschieden steht. Denn wenn nicht jetzt, wann dann?", betonte Selak Raspudić.
Regierungsantwort: Strafverfolgung und Sanierung
Einen Tag zuvor, am Samstag, dem 8. August, gab Premierminister Plenković auf sozialen Medien bekannt, dass er ein Treffen mit allen zuständigen Akteuren abgehalten habe, um das Problem der illegalen Abfallentsorgung in der Region Gospić und der Gespanschaft Lika-Senj zu lösen. "Alle Verantwortlichen müssen strafrechtlich verfolgt werden, und gleichzeitig muss ein Sanierungsplan mit Unterstützung des Umweltfonds vorbereitet werden", heißt es in seiner Veröffentlichung.