Die Verkehrssituation in Split hat einen kritischen Punkt erreicht. Im Jahr 2023 wurden mehr als 20.000 Verkehrsunfälle registriert, ein Anstieg von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders besorgniserregend ist, dass im gleichen Zeitraum 15 Menschen auf Splitter Straßen ihr Leben verloren, die düsterste Statistik der letzten zehn Jahre. Als Hauptursachen gelten die Missachtung der Verkehrsregeln, vor allem Geschwindigkeitsüberschreitungen und Fahren unter Alkoholeinfluss.
Veraltete Infrastruktur und Vertrauensverlust in den öffentlichen Nahverkehr
Experten und Bürger sind sich einig: Die städtische Verkehrsinfrastruktur hat mit dem Wachstum der Fahrzeugzahlen und dem Touristenansturm nicht Schritt gehalten. Der Mangel an angemessenen Radwegen schreckt zusätzlich von alternativen Verkehrsmitteln ab. Gleichzeitig sinkt das Vertrauen in den öffentlichen Nahverkehr rapide. Laut Daten verzeichnet das Unternehmen Promet Split einen Rückgang der Fahrgastzahlen um ganze 10% in den letzten zwei Jahren. Als Hauptgründe werden Unzuverlässigkeit der Linien und zu lange Wartezeiten genannt, was die Fahrer zurück in private Autos treibt und die ohnehin überlasteten Straßen weiter erstickt.
Lösungen auf dem Papier: Von intelligenten Ampeln bis zum neuen Hafen
Die Stadtverwaltung unter Bürgermeister Ivica Puljak hat mehrere Großprojekte angekündigt, um den Verkehr zu entlasten. Das Projekt "Smart Split", koordiniert von Marko Perišić, sieht die Installation intelligenter Ampeln und Sensoren zur Verkehrsüberwachung vor, die die durchschnittliche Reisezeit um 15% verkürzen sollen. Gleichzeitig begann 2024 der Bau des neuen Fährhafens in der Vukovarska-Straße, um den Güterverkehr aus dem Stadtzentrum herauszuleiten. Geplant ist auch die Einführung der Parkraumbewirtschaftung im engeren Zentrum ab 2025 sowie eine mögliche Umweltzone in der historischen Altstadt, die Fahrzeugen älter als Euro 4 den Zutritt verbieten würde.
Analysen und Stimmen der Bürger: Kreisverkehre als schnelle Lösung
Während auf die großen Infrastrukturprojekte gewartet wird, zeigen Analysen schnellere und kostengünstigere Lösungen. So wird geschätzt, dass die Einführung von Kreisverkehren an wichtigen Kreuzungen, wie der am Žnjan, die Zahl der Unfälle um bis zu 30% reduzieren könnte. Doch trotz der Versprechen werden die Bürger immer lauter in ihrer Unzufriedenheit. Verzögerungen bei der Umsetzung, fehlende finanzielle Mittel und politische Uneinigkeiten erwecken den Eindruck, dass die Dinge zu langsam vorangehen, während sie täglich unter Staus leiden und sich auf den Straßen unsicher fühlen. Vereine wie "Mit dem Fahrrad zur Gesundheit" warnen, dass ohne dringende Investitionen in alternative Infrastruktur der Teufelskreis aus Staus und Unfällen nicht durchbrochen werden kann.