Serbische Polizisten haben am 11. Juni 2026 einen Lastwagen gestoppt, in dem Sprengstoff versteckt war, und nach Angaben der Ermittler war die Lieferung für Bayern bestimmt. Dieser Vorfall deckte ein breiteres Netzwerk russischer Geheimdienstoperationen gegen deutsche Rüstungsunternehmen auf, und das Hauptziel war Stefan Thumann, Chef des bayerischen Start-ups Donaustahl.
Ziel war ein Drohnenhersteller für die Ukraine
Die Firma Donaustahl produziert für die Ukraine Aufklärungs- und Kamikaze-Drohnen, und Thumann hat öffentlich eine äußerst kritische Haltung gegenüber Moskau eingenommen. "Russland will keinen Frieden. Es will die Zerstörung des Westens", schrieb er in einem Beitrag, wie Euromaidan berichtet. Genau diese öffentliche Position, so die Sicherheitsbehörden, machte ihn persönlich zum Ziel, nicht das Unternehmen selbst.
Einer der angeheuerten Agenten hatte im Dezember 2025 Thumanns Haus ausgespäht und sein Namensschild fotografiert. Ein ausländischer Geheimdienst warnte damals, dass Thumann einem hohen Risiko ausgesetzt sei. Die bayerische Polizei verhaftete Serhii N., einen ehemaligen Maurer aus Charkiw, ließ ihn jedoch frei, bevor sie seine Mobilgeräte analysierte.
Russland rekrutiert "verbrauchbare" Agenten über das Internet
Nach seiner Flucht nach Spanien übernahm laut Ermittlungen die Rumänin Alla S. die Überwachung. Beide wurden im März 2026 festgenommen, Serhii N. in Spanien und Alla S. im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen. In Serhiis N. Geräten fanden die Ermittler später Spuren der Kommunikation mit russischen Geheimdiensten sowie Hinweise, dass er Thumanns Vater verfolgt hatte.
Russland rekrutiert solche "verbrauchbaren" Agenten oft über das Internet, hauptsächlich unter Menschen in schwierigen finanziellen oder Lebenslagen. Es bezahlt sie für Überwachung, Brandstiftung und Sabotage und lässt sie dann fallen. Im Jahr 2026 meldete der ukrainische SBU viele Fälle, in denen Ukrainer von Russland für Brandstiftung und Sabotage im eigenen Land angeworben wurden.
Deutscher Geheimdienst vermutet Vorbereitung eines Attentats
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), der deutsche Inlandsgeheimdienst, führt den Fall als Verdacht auf Vorbereitung eines Attentats. Der Bundesermittlungsrichter sah jedoch nicht genügend Beweise für diese Einstufung, sodass im Haftbefehl nur der Verdacht auf Spionagetätigkeit genannt wird. Die Anwälte beider Angeklagten lehnten eine Stellungnahme zu diesem Fall ab.
Der Fund des mit Sprengstoff beladenen Lastwagens in Serbien deutet darauf hin, dass ein weiteres deutsches Rüstungsunternehmen Ziel russischer Geheimdienste ist. In Bayern, wohin der Sprengstoff offenbar bestimmt war, haben Donaustahl, Quantum Systems und Helsing ihren Sitz.
Breitere Sabotagekampagne in ganz Europa
Der Fall fügt sich in eine Reihe früherer Operationen ein, die russischen Diensten zugeschrieben werden. Agenten überwachten 2024 Armin Papperger, den Chef des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall. Bereits 2019 wurde in Berlin ein georgischer Emigrant bei einem Attentat getötet, das mit dem russischen Inlandsgeheimdienst FSB in Verbindung gebracht wird. Die deutschen Behörden betrachten diesen Fall auch als Teil eines breiteren Musters von Sabotageakten, die in letzter Zeit Russland in ganz Europa zugeschrieben werden.
Thumann steht nun unter Polizeischutz, hat aber seine Botschaften an Moskau nicht abgeschwächt. "Ihr werdet mich nicht brechen", sagte er.