Der Fußballverein Roter Stern Belgrad befindet sich im völligen Chaos, nachdem er am Dienstagabend im Stadion Rajko Mitić eine schwere 0:2-Niederlage gegen den israelischen Klub Hapoel Be'er Scheva erlitt und mit insgesamt 3:0 bereits in der dritten Qualifikationsrunde zur Champions League ausschied. Trainer Dejan Stanković reichte sofort in der Kabine seinen Rücktritt ein, und der Verein hat für Mittwochmittag eine außerordentliche Vorstandssitzung anberaumt. Nach inoffiziellen Informationen versuchen die Verantwortlichen angeblich, ihn zu einem Umdenken zu bewegen, doch eine offizielle Bestätigung gibt es bislang nicht.
Drama auf dem Platz und auf den Rängen
Die Anspannung eskalierte in der 57. Minute, als Stanković, nachdem er zuvor eine Gelbe Karte erhalten hatte, weiterhin heftig gegen Schiedsrichterentscheidungen protestierte und sich die zweite Gelbe Karte, also den Platzverweis, einhandelte. Als er die Bank verließ, waren Pfiffe und Rufe von den Rängen zu hören, und der legendäre serbische Fußballer reagierte mit Gesten in Richtung eines Teils des Publikums, was von den Medien als offener Konflikt mit den eigenen Fans beschrieben wurde. Stanković antwortete auf die Pfiffe mit provokativen Gesten gegenüber dem Publikum, als ob er es herausfordern wollte, den Unmut zu verstärken.
Nach seinem Platzverweis erzielten die Gäste zwei Tore und löschten alle Hoffnungen der Gastgeber vollständig aus. Nach dem Spiel wollten die wütenden Delije die Spieler, die sich ihnen näherten, nicht begrüßen, sondern schickten sie mit Pfiffen und heftiger Kritik in die Kabine. Von den Rängen war auch der Sprechchor "Vorstand raus" zu hören, was deutlich machte, dass die Verantwortung für das europäische Debakel nicht nur bei Spielern und Trainer gesehen wird. In einem beispiellosen Schritt stieg ein Fan auf die Laufbahn und zeigte Kapitän Rade Krunić und den anderen Spielern den Weg in die Kabine, wobei er eine Entschuldigung im Namen der gesamten Nordtribüne ablehnte.
Rücktritt in der Kabine und mediales Schweigen
Nach inoffiziellen Informationen aus Serbien betrat Stanković unmittelbar nach der Niederlage die Kabine, verabschiedete sich von den Spielern und teilte ihnen mit, dass er geht. Der Verein hat seinen Abgang noch nicht offiziell bestätigt, und die Verantwortlichen versuchen angeblich, ihn zu einem Umdenken zu bewegen. Anstelle der regulären Pressekonferenz wurde für Mittag eine außerordentliche Pressekonferenz angekündigt.
Für zusätzlichen Skandal sorgte die Entscheidung, dass niemand aus dem Verein vor den Journalisten erschien. Die versammelten Medien wurden von einem Mitarbeiter des Ordnungsdienstes über das Ausbleiben der üblichen Pressekonferenz und der Mixed Zone informiert.
"Mir wurde gesagt, ich solle Ihnen mitteilen, dass die Spieler von Roter Stern keine Stellungnahmen abgeben und es keine reguläre Mixed Zone geben wird",
übermittelte eine Quelle seine Worte. Danach verließen etwa zwanzig Journalisten unverrichteter Dinge das Stadion.
Zum zweiten Mal dieselbe Geschichte mit einem israelischen Klub
Dies ist nicht das erste Mal, dass Stanković die Bank von Roter Stern nach einer Niederlage gegen einen israelischen Vertreter verlassen hat. Seine erste Amtszeit dauerte von 2019 bis 2022, und er reichte am 26. August 2022 seinen Rücktritt ein, genau nach dem Ausscheiden gegen Maccabi Haifa in der Champions-League-Qualifikation. Auf der Bank wurde er damals von Miloš Milojević abgelöst.
Er kehrte Ende letzten Jahres auf die Marakana zurück, mit großen Erwartungen und einer klaren Botschaft an die Spieler über Professionalität und Verantwortung. Nun ist genau die Frage der Verantwortung bei ihm angekommen.
Was kommt als Nächstes für Roter Stern?
Das Ergebnis der Dringlichkeitssitzung des Vorstands am Mittwochmittag wird über das Schicksal von Stankovićs zweiter Amtszeit entscheiden. Wenn der Rücktritt angenommen wird, muss der Verein schnell einen neuen Trainer finden, in einem Moment, in dem die Saison gerade erst beginnt. Roter Stern bleibt der Trostpreis in Form der Europa League, wo sie in der Playoff-Runde gegen Viktoria Pilsen antreten werden, für die der bosnisch-herzegowinische Nationalspieler Amar Memić spielt. Hapoel Be'er Scheva wird hingegen den Einzug in die Champions League gegen den aserbaidschanischen Klub Sabah suchen.