Astronomiebegeisterte in Kroatien und Deutschland haben heute Abend die Gelegenheit, eine partielle Sonnenfinsternis zu beobachten. Doch Experten warnen, dass dieses "echte astronomische Ereignis", wie es Catherine Fischer von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) nennt, ernste Risiken für das Sehvermögen birgt, wenn Sicherheitsmaßnahmen nicht beachtet werden. Eine Schädigung der Netzhaut kann fast augenblicklich eintreten, und das Heimtückische daran ist, dass der Schmerz nicht sofort spürbar ist.
Schutzreflex ist ausgeschaltet
Daniela Weiskopf, Leiterin der Abteilung für optische Strahlung beim Bundesamt für Strahlenschutz, betont die besondere Gefahr dieser Finsternis. Da sie in der Dämmerung stattfindet, ist die Sonne weniger blendend, was zum Ausbleiben der entscheidenden körpereigenen Abwehr führt. "Das eliminiert den natürlichen menschlichen Schutzreflex", erklärte Weiskopf. Ein zusätzliches Problem ist, dass die Pupille in der Dämmerung weiter geöffnet ist, sodass mehr schädliche Strahlung die Netzhaut erreicht.
Catherine Fischer, die bei der ESA an der Planung der Sonnenbeobachtung durch die Sonde Solar Orbiter beteiligt ist, betont die Geschwindigkeit, mit der Schäden entstehen können. "Das kann sehr, sehr schnell passieren", warnt sie. Die Netzhaut hat keine Schmerzrezeptoren, daher sendet der Körper kein Warnsignal, und mögliche Schäden werden erst Stunden später sichtbar. Zu den Symptomen gehören dauerhafte dunkle Flecken im Sichtfeld, verschwommenes Sehen oder Verzerrungen gerader Linien.
Normale Sonnenbrillen sind kein Schutz
Für eine sichere Beobachtung sind spezielle Sonnenfinsternis-Brillen mit zertifiziertem Filter erforderlich. Diese verfügen über Schutzfolien, die nur etwa 0,001 Prozent des Sonnenlichts durchlassen. Schweißerbrillen oder normale Folien sind nicht geeignet. In Deutschland sind sie vielerorts bereits ausverkauft, und die Preise beginnen bei 99 Cent.
Weiskopf rät, beim Kauf auf mehrere entscheidende Kriterien zu achten. Die Brille muss die Augen vollständig bedecken, als geeignet für die direkte Sonnenbeobachtung gekennzeichnet sein und das CE-Zeichen tragen. Außerdem sollte sie der Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 entsprechen. Die Schutzfolie darf keine Kratzer oder Risse aufweisen, und alte Brillen aus dem Jahr 1999 sollten am besten durch neue ersetzt werden.
Gefahr auch für Handys und Kameras
Neben den Augen sind auch elektronische Geräte gefährdet. Für das Fotografieren der Finsternis mit Smartphone oder Kamera ist ein entsprechender Filter obligatorisch, der den hochempfindlichen Kamera-Chip vor der Sonnenstrahlung schützt. Daniela Weiskopf betont, dass ein Filter auch für die Aufnahme eines brauchbaren Fotos unerlässlich ist. Gleiches gilt für Teleskope und Objektive, die die Sonnenstrahlen zusätzlich bündeln und ohne Schutz nicht für die direkte Beobachtung verwendet werden dürfen.
Wie und wo man das Spektakel beobachten kann
Wer keine Schutzbrille bekommen kann, kann aus Karton und Pergamentpapier eine einfache Lochkamera bauen, die eine sichere indirekte Beobachtung ermöglicht, besonders geeignet für Kinder. Für die Beobachtung heute Abend, am 12. August, muss man einen Ort mit freiem Blick auf den Horizont in nordwestlicher Richtung finden. Der Mond wird sich kurz nach 19 Uhr vor die Sonne schieben, wenn die Sonne bereits ziemlich tief am Himmel steht.
Während die totale Finsternis entlang einer Linie sichtbar sein wird, die sich vom Arktischen Ozean über Grönland, Island und den Atlantik bis nach Spanien und einen kleinen Teil Portugals erstreckt, wird in Kroatien und Deutschland nur ihre partielle Version zu sehen sein.
Was tun, wenn etwas schiefgeht
Sollte es dennoch zu einem versehentlichen direkten Blick in die Finsternis ohne Schutz kommen, ist Vorsicht geboten. Da die Netzhaut keinen Schmerz empfindet, kann eine Schädigung nicht sofort erkannt werden. Wenn Sie einige Stunden später Symptome wie dauerhafte dunkle Flecken im Sichtfeld, verschwommenes Sehen oder verzerrte Linien bemerken, rät Weiskopf zu einem sofortigen Besuch beim Augenarzt oder in einer Augenklinik.