Die Weltbank (World Bank Group) schätzte, dass die Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5, die Venezuela am 24. Juni 2026 erschütterten, direkte physische Schäden in Höhe von 19,6 Milliarden Dollar verursachten. Die Schnellbewertung der Institution zeigt, dass Wohngebäude 47 Prozent der gesamten Zerstörung ausmachten, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu.
Tausende Tote, Zehntausende obdachlos
Laut einem Bericht der Agentur AFP, der vom Straits Times zitiert wird, kamen bei den Erdbeben 5.546 Menschen ums Leben, und fast 17.000 wurden verletzt. Der Präsident der Nationalversammlung Venezuelas, Jorge Rodriguez, hatte zuvor eine etwas niedrigere Zahl von 5.208 Toten gemäß dem täglichen Regierungsupdate bekannt gegeben, was Unterschiede im Zeitpunkt der Datenerfassung aus verschiedenen Quellen widerspiegelt. Mehr als 23.000 Menschen wurden obdachlos, so die AFP-Daten, während die venezolanische Zeitung El Nacional eine Zahl von etwa 18.000 Obdachlosen nennt, möglicherweise aufgrund unterschiedlicher Kriterien oder Messzeitpunkte.
Schweigeminute einen Monat nach der Tragödie
Genau einen Monat nach dem Beben, am 24. Juli 2026, ehrten die Venezolaner um 18:04 Uhr Ortszeit die Opfer mit einer Schweigeminute. AFP-Journalisten berichteten, dass Dutzende von Rettungshelfern und Familienangehörigen, die weiterhin nach Vermissten suchen, ihre Arbeit an den Trümmern in Tanaguarena im Bundesstaat La Guaira unterbrachen, um sich der Gedenkfeier anzuschließen. Vor einem provisorischen Altar, der mit Spielzeugen und Plüschtieren geschmückt war, betete eine Frau den Rosenkranz.
"Ich möchte aufrichtig, dass alle Familien für diejenigen beten, die nicht mehr hier sind. Und wir, die wir noch Verwandte darin haben, wollen beten, dass sie endlich herauskommen", sagte Anyel Andrade (32), der weiterhin nach vermissten Angehörigen in den Trümmern sucht.
Interimspräsidentin lobt Armee
In einer im Fernsehen übertragenen Militärzeremonie beschrieb die Interimspräsidentin Delcy Rodriguez die Erdbeben als einen Moment, in dem die Venezolaner zu "Opfern der Natur" wurden. Sie lobte den Einsatz der Streitkräfte, die, wie sie sagte, "dort hingegangen sind, um sich um die Menschen in Venezuela zu kümmern, sie zu begleiten, Leben zu retten, sich schmutzig zu machen, und sie sind immer noch in den betroffenen Gebieten". Der Bundesstaat La Guaira bleibt das am schwersten betroffene Gebiet, und Familien und Freunde durchsuchen täglich die Trümmer auf der Suche nach Vermissten.
Zentralbank spricht über Kredite für Wiederaufbau
Am selben Tag, an dem die Schweigeminute stattfand, gab die Zentralbank Venezuelas (BCV) bekannt, dass sie sich mit Vertretern der nationalen Banken getroffen habe, um Strategien für den Wiederaufbau der betroffenen Gebiete zu erörtern. Laut El Nacional konzentrierten sich die Gespräche auf Kreditmöglichkeiten für rund 18.000 Familien, die nach den Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 obdachlos geworden waren. Details zu konkreten Maßnahmen und Kreditlinien wurden bisher nicht veröffentlicht.
Ausmaß der Schäden und Weg zum Wiederaufbau
Die Schätzung der Weltbank von 19,6 Milliarden Dollar direkter physischer Schäden liefert ein erstes systematisches Bild des finanziellen Ausmaßes der Katastrophe. Die Tatsache, dass Wohngebäude 47 Prozent dieser Schäden ausmachen, weist auf enorme Bedürfnisse im Wohnungssektor hin, was durch die Zehntausende von Vertriebenen bestätigt wird. Hunderte von Gebäuden wurden vollständig dem Erdboden gleichgemacht, und die Suche nach Vermissten dauert an. Venezuela steht damit vor einer der schwersten humanitären und infrastrukturellen Krisen seiner jüngeren Geschichte, zu einem Zeitpunkt, an dem das Land bereits seit Jahren mit ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat.