FIFA-Präsident Gianni Infantino sieht sich der schwersten Krise seiner Amtszeit gegenüber, nachdem die drei mächtigsten Fußball-Konföderationen eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht haben, in der sie ihn der Täuschung und eines grundlegenden Vertrauensbruchs beschuldigen. Der Schritt von UEFA, CONCACAF und AFC, veröffentlicht am 10. August 2026, stellt einen Präzedenzfall in der Sportwelt dar und hat Infantinos Position im Vorfeld der Wahlen zum neuen Chef des Weltfußballverbands im März 2027 ernsthaft erschüttert.
Ein Plan, der die Spaltung offenbarte
Die Krise eskalierte, nachdem Infantinos geheimer Plan zur Gründung einer neuen Firma namens "FIFA Forward Enterprise" (FFE) aufgedeckt wurde. Laut dem britischen Daily Telegraph sollten in diese Firma die kommerziellen Operationen der FIFA ausgegliedert werden, und 21 Prozent der Anteile sollten für 4,2 Milliarden Dollar an private Investoren verkauft werden. Hauptinvestor sollte eine New Yorker Firma sein, die mit Joshua Kushner verbunden ist, dem Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump.
Infantino gab den Mitgliedsverbänden eine Frist bis zum 19. September, um den Plan anzunehmen, und bot jedem der 211 Verbände eine Zahlung von 20 Millionen Dollar an. Die UEFA bezeichnete den Plan als "intransparente Abmachung hinter verschlossenen Türen" und drohte mit einem vollständigen Boykott aller FIFA-Wettbewerbe, einschließlich der Weltmeisterschaft. CONCACAF und AFC äußerten "tiefe Besorgnis über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens und die künstlich kurze Frist".
Beispiellos: Gemeinsamer Angriff auf den FIFA-Chef
In einem offenen Brief, unterzeichnet von den Präsidenten der AFC, Salman bin Ibrahim Al Khalifa, der CONCACAF, Victor Montagliani, und der UEFA, Aleksander Čeferin, sowie den Generalsekretären Datuk Seri Windsor John, Philippe Moggio und Theodore Theodoridis, wird unmissverständlich klargestellt, dass der Fußball "keinem Individuum und keiner Institution gehört".
"Wenn Vertrauen durch Täuschung gebrochen wird, wenn ein Individuum sich über das Kollektiv stellt, das ihm die Macht anvertraut hat, dann ist diese Pflicht aufgegeben", heißt es in der Erklärung.
Die drei Konföderationen wiesen Infantinos Behauptungen zurück, es handele sich um ein Kommunikationsversäumnis, und bezeichneten den gesamten Prozess als "darauf ausgelegt, die Möglichkeit der Kontrolle einzuschränken". Besonders kritisiert wurde das Treffen der FIFA-Führung in Marokko, bei dem nur ein einziges gewähltes Mitglied anwesend war, während die Mitglieder des FIFA-Rats nicht eingeladen waren.
"Das ist nicht das Verhalten eines Hüters des Spiels, sondern von jemandem, der glaubt, dass der Fußball ihm Rechenschaft schuldet", heißt es in der gemeinsamen Erklärung.
Neue Skandale und Verteidigung aus Zürich
Der Druck auf Infantino wurde zusätzlich durch einen Bericht des Daily Telegraph erhöht, wonach eine sechsstellige Summe an eine ehemalige UEFA-Mitarbeiterin gezahlt worden sein soll, mit der Infantino angeblich eine intime Beziehung hatte, während er Generalsekretär dieser Organisation war. Die UEFA bestätigte die Zahlung und erklärte, sie sei "in Übereinstimmung mit den Vorschriften" erfolgt, während Infantino über einen Sprecher "die unzutreffenden Behauptungen kategorisch dementierte".
Die FIFA veröffentlichte eine Erklärung, in der sie behauptet, es gebe "einen orchestrierten und kontinuierlichen Versuch, die FIFA und ihren Präsidenten zu untergraben". Die drei Konföderationen bestehen jedoch darauf, dass die Untersuchung des gesamten Falls von "einer völlig unabhängigen dritten Partei" durchgeführt werden muss, nicht von der FIFA selbst oder ihren Mitarbeitern.
"Die Stärke des Fußballs lag schon immer in seiner Einheit. Wir fordern, dass diese Einheit jetzt respektiert wird und dass eine Führung sichergestellt wird, die dem Fußball dient, nicht eine Führung, die über ihn herrschen will", schließen UEFA, CONCACAF und AFC.
Infantinos Amtszeit dauert bis 2027, und die Wahlen für einen neuen Präsidenten, der das Amt bis 2031 innehaben soll, sind für März nächsten Jahres angesetzt. Die Situation im Weltfußball erinnert zunehmend an die Skandale, die den ehemaligen Präsidenten Sepp Blatter zu Fall brachten.