Der amerikanische Präsident Donald Trump hat am Donnerstag zwei neue Exekutivanordnungen unterzeichnet, mit denen er erneut versucht, das Recht auf automatische Staatsbürgerschaft durch Geburt auf dem Territorium der USA einzuschränken. Dieser Schritt erfolgte nur wenige Wochen, nachdem der Oberste Gerichtshof seinen früheren, weiter gefassten Versuch, dieses Recht abzuschaffen, abgelehnt hatte, was die Fortsetzung eines intensiven rechtlichen und politischen Kampfes signalisiert.
Ausweitung der Einschränkungen und gezieltes Vorgehen gegen 'Geburtstourismus'
Mit der ersten der unterzeichneten Anordnungen wird die Liste der Situationen erweitert, in denen in den USA geborene Kinder von Eltern, die keine amerikanischen Staatsbürger sind, nicht automatisch die Staatsbürgerschaft erhalten würden. Die neuen Maßnahmen zielen auf Fälle ab, in denen ein Elternteil Mitglied einer ausländischen terroristischen Organisation, Angestellter einer ausländischen Regierung, eine Person, die versucht hat, die Staatsbürgerschaft durch Betrug zu erlangen, oder jemand, der in amerikanischen Territorien lebt, wo dieses Recht nicht durch Bundesgesetze geregelt ist.
Mit der zweiten Anordnung zielt Trump direkt auf die als 'Geburtstourismus' bekannte Praxis ab, also die Anreise schwangerer Frauen in die Vereinigten Staaten mit dem Hauptziel, dort ein Kind zu gebären, das automatisch amerikanischer Staatsbürger würde. Der Präsident behauptet, es handele sich um einen weit verbreiteten Missbrauch des Systems, und erklärt, auf diese Weise seien 'Hunderttausende' Kinder geboren worden.
Diskrepanz zwischen Behauptungen und offiziellen Daten
Diese Zahlen weichen jedoch erheblich von unabhängigen Schätzungen ab. Laut Daten des Migration Policy Institute werden jährlich etwa 22.000 bis 26.000 solcher Geburten verzeichnet. Dieselbe Organisation nennt staatliche Daten, wonach 2024 etwa 9.600 Geburten von Müttern mit ausländischen Adressen registriert wurden, was ein Vielfaches weniger ist als Trumps Behauptungen.
Das Recht auf Staatsbürgerschaft durch Geburt in den USA basiert auf dem 14. Verfassungszusatz und ist seit mehr als 150 Jahren in Kraft. Trump hatte bereits zu Beginn seiner neuen Amtszeit im Jahr 2025 versucht, dessen Auslegung per Exekutivanordnung erheblich einzuschränken, doch dieser Schritt endete vor dem Obersten Gerichtshof.
Neuer Rechtsstreit in Sicht
Die neuen Anordnungen eröffnen mit ziemlicher Sicherheit einen neuen rechtlichen Konflikt. Der Rechtsprofessor Gabriel Chin warnte, dass der Präsident zwar bestimmte Befugnisse habe, Personen die Einreise zu verweigern, die ausschließlich zur Geburt kommen, die entscheidende Frage jedoch sei, ob die Exekutive einem bereits auf amerikanischem Boden geborenen Kind nachträglich die Staatsbürgerschaft verweigern könne.
Im Kern des Streits liegt genau diese Frage: Trump versucht, das Problem der illegalen Migration und des Missbrauchs des Visasystems über exekutive Befugnisse zu lösen, während die Gerichte erneut die Grenze zwischen präsidialer Macht und dem verfassungsrechtlichen Schutz des Rechts, das allein durch die Geburt erworben wird, bestimmen müssen.