Die UEFA leitet bedeutende Änderungen in der Art und Weise ein, wie die VAR-Technologie eingesetzt wird. Das Hauptziel ist es, die Anzahl der Eingriffe aus dem Videoraum zu reduzieren und den Hauptschiedsrichtern auf dem Platz ihre Autorität zurückzugeben. Nach Gesprächen mit den Verantwortlichen der stärksten europäischen Ligen und dem International Football Association Board (IFAB) kündigte UEFAs Schiedsrichterchef Roberto Rosetti diese Änderung an.
Der Grund für die Änderungen liegt in der wachsenden Unzufriedenheit über langwierige Videoüberprüfungen und die Analyse von Situationen bis ins kleinste Detail. Die UEFA beabsichtigt, den VAR nur in Fällen einzusetzen, in denen ein eindeutiger und offensichtlicher Fehler vorliegt, und nicht als Mittel, um jede Berührung auf dem Platz erneut zu analysieren.
Rosetti: "Das ist Fußball, nicht PlayStation"
Rosetti war in seiner Botschaft direkt und betonte, dass derzeit niemand mit dem Einfluss des VAR zufrieden ist. "Wir sind uns bewusst, dass derzeit niemand mit dem Einfluss des VAR zufrieden ist. Wir wollen vermeiden, mikroskopische Situationen zu sezieren. Das ist Fußball, nicht PlayStation. Der Schiedsrichter muss das Spiel leiten, und die Technologie darf nur bei offensichtlichen und eindeutigen Fehlern eingreifen", so der Schiedsrichterchef der UEFA, wie Sport Klub berichtet.
Besonders diskutiert wurde, wie lange VAR-Überprüfungen dauern. Laut UEFA schadet eine Überprüfung, die länger als 90 Sekunden dauert, ernsthaft dem Tempo und der Glaubwürdigkeit des Spiels. Im neuen System, wenn der Schiedsrichter zum Monitor geht, schaut er sich zuerst das Standbild des Kontakts an, dann die Zeitlupe bei halber Geschwindigkeit und schließlich die Situation in Echtzeit. Die Absicht ist, den gesamten Kontext des Ereignisses zu erfassen, nicht nur nach einem Detail zu suchen, das die Entscheidung beeinflussen könnte.
Große Unterschiede zwischen den Ligen
Daten aus der Saison 2025/26 zeigen, wie unterschiedlich die Anwendung des VAR in den europäischen Wettbewerben ist. In der Champions League wurde ein Strafstoß wegen Handspiels im Durchschnitt einmal alle sieben Spiele verhängt. In der französischen Ligue 1 lag dieser Durchschnitt bei 9,27 Spielen, die italienische Serie A hatte 10, die spanische La Liga 10,56, während die deutsche Bundesliga 10,93 verzeichnete. In der englischen Premier League wurden solche Situationen am seltensten gepfiffen, etwa einmal alle 17,27 Spiele.
Unterschiede gibt es auch bei den VAR-Eingriffen selbst. Die Premier League hatte durchschnittlich 0,29 Eingriffe pro Spiel, während die Champions League einen Durchschnitt von 0,47 Eingriffen pro Spiel hatte.
Neuer Schiedsrichterchef und Bildungsportal
Die Gazzetta dello Sport berichtet gleichzeitig über die Revolution des neuen Schiedsrichterchefs, der eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung dieser Änderungen übernimmt. Sein Ansatz betont die Nutzung des VAR nur für klare Fehler und die Rückkehr des Schiedsrichters ins Zentrum des Geschehens.
Um Vereinen, Spielern, Schiedsrichtern und Fans zusätzlich zu verdeutlichen, wann der VAR eingreifen sollte, hat die UEFA das öffentlich zugängliche Bildungsportal "Clear Line" gestartet. Es handelt sich um eine Sammlung von Videobeispielen, die die Kriterien für VAR-Eingriffe bei Strafstößen, roten Karten, Angriffsfouls und falscher Spieleridentifikation erläutert.
Die UEFA hat in den offiziellen Dokumenten für die Saison 2026/27 auch Änderungen am VAR-Protokoll bestätigt, einschließlich der Möglichkeit, einen klar falsch gepfiffenen Eckball zu überprüfen, jedoch nur, wenn die Entscheidung sofort und ohne Spielunterbrechung korrigiert werden kann. Die Botschaft ist unmissverständlich: Technologie bleibt ein Schlüsselelement des modernen Fußballs, aber der VAR sollte offensichtliche Fehler korrigieren, nicht jedes Spiel in eine mehrminütige Videoanalyse verwandeln.