Auf der Festung Grad in Sinj wird heute Abend, am 12. August 2026, erneut die historische Freilichtaufführung "Die Belagerung von Sinj 1715" aufgeführt, ein Spektakel, das seit zwei Jahrzehnten einen Schlüsselmoment der Geschichte der Cetina-Region rekonstruiert. Die diesjährige Aufführung ist besonders, da sie das 20-jährige Jubiläum der Premiere feiert, die am 11. August 2006 am selben Ort stattfand.
Die Aufführung zeigt getreu die dramatischen Tage im August 1715, als die zahlenmäßig unterlegene Verteidigung von Sinj, bestehend aus der venezianischen Besatzung, einheimischen Harambascha, Franziskanern und der Bevölkerung, der übermächtigen osmanischen Armee standhielt. Dieses Ereignis war entscheidend für die Sicherheit ganz Dalmatiens, und seine Bedeutung wird bis heute durch diese einzigartige Verbindung von Geschichte, Kunst und Glauben gefeiert.
Der Verteidigungsrat und die entscheidende Entscheidung
Der zentrale Teil der szenischen Darstellung ist der dramatische Verteidigungsrat, der die historischen Persönlichkeiten versammelt, die für das Schicksal der Stadt verantwortlich waren. Daran nehmen der Festungskommandant Zorzi Balbi, der venezianische Kapitän Giovanni Manzecca, die Harambascha Mate Žanko und Mate Filipović-Grčić, der Militärkaplan Don Ivan Filipović-Grčić sowie der Guardian Fra Pavao Vučković teil. Angesichts eines Ultimatums und fast ohne Hoffnung auf Erfolg treffen sie eine Entscheidung, die Geschichte schreiben wird, es gibt keine Kapitulation.
Nach der hitzigen Debatte erlebt das Publikum Szenen osmanischer Angriffe, Artilleriefeuer und Sturmangriffe auf die Mauern. Doch die Aufführung zeigt nicht nur den Krieg, sondern auch die menschliche Dimension, Angst, Verantwortung und den Glauben, der die Verteidiger aufrechterhielt. Eine der eindrucksvollsten Szenen ist die Prozession mit dem Bildnis der Wundertätigen Madonna von Sinj, das die Bevölkerung aus Rama mitgebracht hatte und die vom Guardian Fra Pavao Vučković angeführt wird. Die Aufführung gipfelt in der Ankunft eines Boten, der mit dem Ruf "Die Türken fliehen!" die Nachricht vom Rückzug der osmanischen Armee überbringt, woraufhin Freude und gemeinsames Gebet folgen.
Zwei Jahrzehnte Gemeinschaft und Erbe
Die Premiere im Jahr 2006 versammelte rund hundert Mitwirkende, Mitglieder des Sinjer Volkstheaters, Bürger, den Verein zur Bewahrung des Erbes der Cetina-Region und den Gemischten Chor der Pfarrei St. Michael aus Trilj. Die erste Regie führte die Theaterwissenschaftlerin Ana Dalbello, die die künstlerischen Grundlagen des Projekts legte, das im Laufe der Jahre zu einem der bekanntesten kulturhistorischen Ereignisse der Region wurde.
Der Initiator der Idee war der verstorbene Fra Josip Ante Soldo, getragen von tiefem historischem Wissen und Liebe zur Heimat. Den dramatischen Text verfasste der verstorbene Velimir Borković, gestützt auf historische Quellen. Einen besonderen Beitrag zur Entwicklung der Aufführung leistete auch der verstorbene Rade Perković. In den vergangenen zwei Jahrzehnten wirkten Hunderte von Schauspielern, Statisten, Reitern und Freiwilligen an der Aufführung mit, und zahlreiche Vereine und Institutionen waren an ihrer Umsetzung beteiligt, darunter besonders das Heiligtum der Wundertätigen Madonna von Sinj, die Ritterliche Alka-Gesellschaft und der KUU Marko Marulić.
Die Organisation des heutigen Spektakels wird unterstützt von der Stadt Sinj, der Tourismusgemeinschaft der Gespanschaft Split-Dalmatien, der Gespanschaft Split-Dalmatien sowie zahlreichen weiteren Partnern, darunter der Reitverein Alkar, das Restaurant Alkarski dvori und die Polizeistation Sinj. Die Schirmherrschaft haben das Ministerium für kroatische Veteranen und das Ministerium für Tourismus und Sport der Republik Kroatien übernommen. Für viele Sinjer und ihre Gäste ist die Aufführung zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Feierlichkeiten zum Alka-Tag und zu Mariä Himmelfahrt geworden, ein dauerhafter Ausdruck des Dankes an die Verteidiger und die Wundertätige Madonna von Sinj.