Die kroatische Schriftstellerin und Kolumnistin Vedrana Rudan starb am 18. August 2026, die Nachricht wurde auf ihrem offiziellen Profil bestätigt. Ihr Tod hat die Kolumnen wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, die sie während ihrer Krebsbehandlung schrieb und die wegen ihrer brutalen Ehrlichkeit über familiäre Beziehungen große Aufmerksamkeit erregten.
Ohne Sentimentalität: Kinder als Fremde
In einer dieser Kolumnen, die von Kurir.rs veröffentlicht wurde, schrieb Rudan über ihre Beziehung zu ihren Kindern ohne die übliche mütterliche Sentimentalität. Stattdessen beschrieb sie ein Gefühl tiefer Entfremdung und Enttäuschung.
"Meine Kinder sind mir fremd, unbekannte Menschen, die mir genauso auf die Nerven gehen, wie ich ihnen."
Sie erinnerte sich an die Zeit, als sie klein waren und ihre Umarmung suchten, und beschrieb dies als "emotionalen Orgasmus". Doch mit der Zeit habe sich dieses Bild völlig verändert.
"Als sie klein waren, suchten sie meine Umarmung, bemalten mein Gesicht mit Speichel, brachten mich mit ihrem Lachen zum Lachen. Ihre kleinen Hände, ihre kleinen Füße, faltig wie diese französischen Gummis, all das versetzte mich in einen emotionalen Orgasmus. Heute weiß ich, dass meine Kinder damals kleine Tierchen waren, die liebenswert sein mussten, um zu überleben."
Sonntagsessen und eisige Blicke
Rudan beschrieb auch die typischen Familientreffen, die ihrer Meinung nach zu leeren Ritualen geworden waren. Sohn, Tochter und Enkelkind kamen zum Sonntagsessen, aber Kommunikation war fast unmöglich.
"Was für ein Scheiß. Und dann... Die Zeit vergeht, und plötzlich siehst du auf der anderen Seite des Tisches Fremde, die bei dir zum Sonntagsessen vorbeigeschaut haben, weil sie denken, sie müssten höflich sein. Dein Mann und du versucht nach dem Essen, während der Kaffee dampft, ein Gespräch über irgendein Thema zu beginnen. Dann sagt ihr Sätze."
Sie fügte hinzu, dass diese Menschen nicht sprechen, sondern Nachrichten an diejenigen senden, die ihnen wichtig sind, und dass sie nach dem Kaffee "mit einem Grinsen im Gesicht und Eis in den Augen aus meinem Leben treten werden".
Krebs und die Befreiung von Erwartungen
In der Kolumne schrieb sie auch offen über ihre Krankheit und erklärte, dass der Krebs ihre Sicht auf Beziehungen verändert habe. Wie sie sagte, brauche sie jetzt am wenigsten die ihr am nächsten stehenden Menschen, und nur ihren Mann liebe sie noch, weil er sich nicht verändert habe.
"Seit ich Krebs habe, brauche ich so wenige Menschen, am wenigsten die Nächsten. Ich liebe nur meinen Mann. Er hat sich nicht verändert. Ich bereue, dass ich geboren habe, ich dachte, ich würde ewige Liebe gebären. In manchen Jahren ist der Verstand nicht unsere Stärke. Die Biologie fickt uns."
Besonders ging sie auf die Möglichkeit schlechter Nachrichten bei der Untersuchung ein und sagte, sie wolle keinen falschen Trost.
"Ich brauche jemanden, dessen Augen nicht eisig sind, dessen Hände nicht kalt sind, dessen Stimme nicht voller falscher Trauer ist. Und deshalb, wenn mir der Arzt bei dieser Untersuchung sagt, dass er 'einige Schatten' sieht, aber dass alles gut wird, werde ich ihm sagen, er soll die traurige Trompete ausschalten, denn ich bereue nichts."
Der Anruf des Enkels, den sie nicht annahm
Das Ende der Kolumne enthält auch eine konkrete Szene: den Anruf des Enkels nach drei Monaten Schweigen. Rudan beschrieb, wie sie den Hörer nicht abnahm.
"Das Telefon klingelt. Der Enkel. Er ruft nach drei Monaten an. Wie geht es dir, Oma? Ich nehme den Hörer nicht ab. Scheiß auf dich, Goldschatz der Oma."
Ihre Worte, die Kurir.rs nach ihrem Tod erneut veröffentlichte, lösten heftige Reaktionen in der Öffentlichkeit aus. Während einige darin Mut und kompromisslose Ehrlichkeit sehen, empfinden andere sie als schockierend kalte Abrechnung mit den Nächsten.