Am Grenzübergang Werchni Lars zwischen Russland und Georgien wird in den letzten Tagen ein Rekordandrang von Reisenden verzeichnet, wobei die Daten der russischen und georgischen Behörden unterschiedliche Interpretationen desselben Ereignisses offenbaren. Der russische Föderale Zolldienst veröffentlichte am Abend des 18. August eine Mitteilung, in der es heißt, dass an einem Tag mehr als 20.000 Reisende den Grenzpunkt passiert hätten, begleitet von einer Rekordzahl an Pkw.
Wie Meduza berichtet, betont die russische Seite, dass eine ähnliche Dynamik bereits seit mehreren Tagen zu beobachten sei. Ihren Daten zufolge passierten am 15. und 16. August täglich mehr als 19.000 Menschen den Übergang, und die aktuellen Zahlen übertreffen die aus denselben Zeiträumen der Vorjahre deutlich. Die russischen Behörden führen den erhöhten Verkehr auf die hohe Intensität des Touristenstroms zurück.
Georgische Seite dementiert Zahlen von 20.000 Russen
Das Innenministerium Georgiens reagierte am 19. August um 16:00 Uhr Moskauer Zeit und bezeichnete die Informationen, die sich in Medien und sozialen Netzwerken verbreitet hatten, wonach in den letzten 24 Stunden 20.000 russische Staatsbürger die Grenze überquert hätten, als unzutreffend. Nach georgischen Angaben haben in diesem Zeitraum, genauer gesagt vom 16:00 Uhr am 18. August bis 16:00 Uhr am 19. August, etwas mehr als 16.000 Bürger verschiedener Länder die Grenze in Werchni Lars passiert.
Von dieser Zahl begaben sich 7.880 Menschen in Richtung Georgien, während 8.406 in Richtung Russland unterwegs waren. Meduza merkt an, dass diese Daten insgesamt mit der Statistik des russischen Zolls vergleichbar seien, aber aus der russischen Mitteilung nicht hervorgehe, wie viele Menschen in welche Richtung gereist seien. Die georgische Seite deutet damit an, dass es sich nicht ausschließlich um einen Exodus russischer Staatsbürger handelt.
Schlangen an der Grenze und Schließung wegen Unwetters
An der Grenze zwischen Russland und Georgien gibt es traditionell Schlangen, teilweise auch deshalb, weil der Übergang gelegentlich wegen schlechter Wetterbedingungen geschlossen wird. So wurde der Übergang beispielsweise am 13. August genau aus diesem Grund vorübergehend geschlossen. Nach Beiträgen von Nutzern in Telegram-Kanälen, die sich Werchni Lars widmen, betrugen die Wartezeiten in den Morgenstunden vom 15. bis 19. August etwa drei bis fünf Stunden, während die Grenze abends deutlich schneller überquert werden konnte.
Bis zum Abend des 19. August, so Meduza, wurden in diesen Kanälen keine großen Menschenmengen mehr verzeichnet. Obwohl in der Öffentlichkeit ein Narrativ über die Massenabreise von Russen nach Georgien aufgrund von Gerüchten über eine mögliche Herbstmobilmachung aufkam, geben die offiziellen Daten beider Seiten keine eindeutige Antwort auf die Motive der Reisenden, und das georgische Ministerium dementiert ausdrücklich die Behauptungen, dass es sich ausschließlich um russische Staatsbürger handelt.