Das Wunder von Vrsi: Tausende strömen zum neunten Vrške ćakule
Das Fest, das die Erinnerung an das Leben von einst bewahrt, ist zu einem Spektakel geworden, das am Samstagabend die St.-Michael-Straße in Vrsi völlig füllte.
Das Fest, das die Erinnerung an das Leben von einst bewahrt, ist zu einem Spektakel geworden, das am Samstagabend die St.-Michael-Straße in Vrsi völlig füllte.
Am Samstagabend verwandelte sich der alte Ortskern von Vrsi in eine Bühne, auf der die Tradition wieder zum Leben erwachte. Von 21 Uhr bis in die frühen Morgenstunden war ein Durchkommen in der St.-Michael-Straße kaum möglich. Mehrere tausend Besucher, Einheimische und Touristen, strömten zum neunten Vrške ćakule und schufen ein Bild, das die Organisatoren als wahres Wunder von Vrsi bezeichnen.
Die Veranstaltung bot ein einzigartiges Erlebnis: von hausgemachtem Essen und Getränken über alte Handwerkskunst und Gegenstände bis hin zu Kinderspielen wie Eierlaufen, Reifenrollen und Tauziehen. Die Besucher konnten auch handgeschriebene Postkarten mit dem Vrške ćakule-Motiv in alle Welt verschicken, was große Begeisterung auslöste. Besonders großer Andrang herrschte bei den Wahrsagerinnen aus Vrsi, Marta, Maita, Ana, Iva und Paula, die alle Hände voll zu tun hatten, um den Neugierigen die Zukunft zu deuten. "Alle sagen, sie glauben nicht an Wahrsagerinnen, aber dann wollen sie doch alles wissen. Am meisten geben sich die Männer mutig, aber am Ende setzen sie sich zuerst hin und fragen, was sie erwartet", lacht Marta. Ihre Kollegin Maita kündigte bereits ein noch größeres Fest für die Jubiläumsausgabe an: "Wenn man nach diesem Abend urteilt, steht Vrsi eine sehr gute Zukunft bevor. Wir sehen viel Freude, noch mehr Menschen und nächstes Jahr ein großes Fest."
Eine der größten Attraktionen war die alte Schusterwerkstatt von Nikola Batović, die ihre Türen ausschließlich während der Vrške ćakule öffnet. Das Innere, gefüllt mit Schuhmacherwerkzeug und Leisten, löste eine Welle der Nostalgie aus. "Die Jüngeren haben so etwas noch nie gesehen, und die Älteren beginnen, sobald sie eintreten, ihre Erinnerungen zu erzählen. Manche erinnern sich an Schuhe, die sie zur Reparatur gebracht haben, andere an die Leute, die hier geplaudert haben", erzählt Ive, der Sohn des letzten Schusters von Vrsi.
Der Wettbewerbsteil des Abends sorgte für viel Gelächter. Die Frauen zeigten ihre Geschicklichkeit, indem sie einen hölzernen Eimer auf dem Kopf trugen, und die erfolgreichste war Jelena Magaš, die genau in der St.-Michael-Straße geboren wurde. "Ich bin genau in dieser Straße geboren, also wäre es eine große Schande, wenn mir der Eimer vor allen Nachbarn herunterfallen würde", scherzte die Siegerin. Die Männer maßen ihre Kräfte im Tauziehen, bei dem das Team Vrški ćiketari siegte. Ihre Taktik war einfach: "Als wir hörten, dass die Sieger ein Spanferkel bekommen, gab es weder Müdigkeit noch Rutschen. Für einen solchen Preis hätten wir sogar eine Fähre gezogen", sagten sie lachend.
Die Direktorin der Tourismusgemeinde der Gemeinde Vrsi, Rafaela Maraš, betonte den Wert der Veranstaltung. "Touristen suchen heute nicht nur Sonne, sondern ein Erlebnis, an das sie sich erinnern. Hier konnten sie an einem Abend hausgemachtes Essen probieren und die Lebensweise von früher kennenlernen. Das kann man nicht kaufen oder kopieren. Das sind Vrsi, unsere Leute und unsere Tradition", sagte Maraš.
Der Organisator und Ideengeber Šime Stojak verbarg seine Begeisterung über den Zuspruch nicht. "Vor neun Jahren hätten wir nicht zu träumen gewagt, dass die Vrške ćakule zu einer so großen Veranstaltung heranwachsen würden. Menschen aus allen Richtungen sind gekommen, aber am wichtigsten ist, dass Kinder, Jugendliche und Ältere zusammen waren", sagte Stojak. Da die Veranstaltung im nächsten Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum feiert, liegt die Messlatte hoch. "Wir werden noch mehr Türen öffnen müssen, noch mehr alte Geschichten finden und etwas Besonderes vorbereiten. Wenn das ein Wunder von Vrsi war, müssen wir für die Jubiläumsausgabe ein Wunder über Wundern schaffen", kündigte Stojak an.