Juan Felipe Giraldo, Vater eines zweijährigen Kindes, kam unter den Trümmern des Hotels Dibeni in der kolumbianischen Stadt Pereira ums Leben, nachdem ein verheerendes Erdbeben der Stärke 7,4 am 10. August 2026 Westkolumbien erschütterte. Sein Leichnam wurde am Freitag, dem 14. August, gefunden, und die Familie identifizierte ihn anhand der Kleidung, die er am Tag seiner Ankunft trug, wie die kolumbianische Zeitung El Tiempo berichtet.
Videonachricht: "Ich bin angekommen, mir geht es gut, ich bin müde"
Giraldo war in der Nacht von Sonntag auf Montag mit dem Bus nach Pereira gereist, um Brillengestelle zu verkaufen. Bei seiner Ankunft schickte er seiner Verlobten Natalia Patiño eine Videonachricht. "Me envió un video diciéndome que ya había llegado, que estaba bien, que estaba cansado" (Er schickte mir ein Video, in dem er mir sagte, dass er bereits angekommen sei, dass es ihm gut gehe, dass er müde sei), erzählte Patiño in einem Interview für die Sendung Séptimo Día, wie El Tiempo berichtet.
Nachdem sie das Erdbeben gespürt hatte, versuchte sie sofort, ihn zu kontaktieren. "Le escribí: 'Buenos días amor, ¿cómo estás? Qué tembló, ¿cómo estás?'. Y pues no me respondió nada" (Ich schrieb ihm: Guten Morgen, Liebling, wie geht es dir? Es hat gebebt, wie geht es dir? Und er antwortete mir nichts), sagte sie.
Wachsende Angst und der Anruf, der alles veränderte
Natalia befand sich zum Zeitpunkt des Erdbebens in Bogotá, wo sie sich um ihr zweijähriges Kind kümmerte. Als die ersten Bilder der Zerstörung die Runde machten, wuchs die Sorge. "Cuando vi imágenes de edificios ya caídos, ahí dije: 'No, esto ya es muy grave', y me preocupé mucho más" (Als ich Bilder von bereits eingestürzten Gebäuden sah, sagte ich: Nein, das ist jetzt wirklich ernst, und ich machte mir noch mehr Sorgen), erinnerte sie sich.
Bald darauf riefen Giraldo's Arbeitgeber an und überbrachten die Nachricht, die sie am wenigsten hören wollte. "Los jefes me llamaron para decirme: 'Natalia, tengo que hablar con usted porque resulta que el hotel donde él se hospedó se desplomó totalmente'" (Die Chefs riefen mich an und sagten: Natalia, ich muss mit Ihnen sprechen, denn das Hotel, in dem er übernachtet hat, ist völlig eingestürzt), erzählte sie.
Vier Tage Hoffnung und ein tragisches Ende
Seine Eltern, darunter Vater Hernán Giraldo, reisten sofort nach Pereira und waren vier Tage lang am Unglücksort, um die Bergungsarbeiten zu verfolgen. Die Hoffnung hielt bis Freitag, den 14. August, als Rettungskräfte den Leichnam des jungen Mannes fanden. Aufgrund der Schwere des Einsturzes wurde er ausschließlich anhand seiner Kleidung identifiziert.
Das Paar sollte am Sonntag nach dem Erdbeben heiraten. Statt einer Hochzeit sah sich die Familie mit einem Verlust konfrontiert, der laut El Tiempo die Hauptstadt des Departements Risaralda in Trauer versetzte.
Verheerende Zahlen und auseinandergehende Quellen
Laut dem Bericht der Nationalen Einheit für Katastrophenrisikomanagement (UNGRD) vom 18. August forderte das Erdbeben in Westkolumbien 304 Todesopfer, 4.548 Menschen wurden verletzt, 426 gelten als vermisst, und 356 wurden gerettet. 29.554 Häuser wurden zerstört und 134.342 Gebäude beschädigt.
Allerdings nennt El Tiempo eine andere Zahl der Todesopfer im ganzen Land: 404 Personen. Die Quellen sind sich also über die Gesamtzahl der Opfer uneinig, wobei die russische staatliche Nachrichtenagentur TASS die UNGRD-Zahl von 304 Toten übermittelt, während die kolumbianische Zeitung von 404 schreibt.
Das Epizentrum des Bebens lag nahe der Stadt San José del Palmar im Departement Chocó im Westen Kolumbiens.