Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich direkt an den russischen Führer Wladimir Putin gewandt und ihm mitgeteilt, dass Kiew alle seine Schritte zur verdeckten Mobilmachung und zur Vertiefung der militärischen Zusammenarbeit mit Nordkorea genau beobachtet. Die Warnung kommt nach seinem Besuch in Belgrad und wird von KyivPost verbreitet.
"Er überlegt, wie er sein eigenes Volk täuschen kann, wie er eine Massenmobilmachung durchführen kann, ohne sie auszurufen, heimliche Abkommen schließen, die Grenzen schließen und so weiter. Wir sehen das. Wir sehen bereits viele solcher Schritte", erklärte Selenskyj mit Bezug auf Putins Pläne.
Besessenheit vom Donbass und die 'Bedingungen von Anchorage'
Selenskyj ist der Ansicht, dass der russische Führer dringend einen überzeugenden Sieg braucht, den er seiner eigenen Bevölkerung präsentieren kann, weshalb er auf die Eroberung des gesamten Donbass besteht. Der ukrainische Präsident ist klar: Kiew wird sich nicht freiwillig aus diesem Gebiet zurückziehen.
Er warnte auch vor der Möglichkeit, dass Moskau, falls es militärisch scheitert, versuchen könnte, die Auslegung der sogenannten "Bedingungen von Anchorage" zu verzerren. Dabei handelt es sich um Gespräche mit den Vereinigten Staaten über territoriale Fragen in einem künftigen Friedensabkommen und den Status des Donbass.
Nordkoreanische Soldaten und Milliarden Dollar
Selenskyj gab am Samstag, dem 8. August 2026, auf der Plattform X auch bekannt, dass Russland plant, zwischen 30.000 und 50.000 nordkoreanische Soldaten zu entsenden. "Nordkorea wird seine Erfahrungen in der modernen Kriegsführung erweitern, Lizenzen von Russland erhalten und von ihnen alle militärischen Werkzeuge bekommen. Das verstehen wir sehr klar", betonte er.
Nach Schätzungen der ukrainischen Geheimdienste hat Pjöngjang durch die Zusammenarbeit mit Moskau, vor allem durch die Lieferung von Munition und Soldaten, rund 22 Milliarden Dollar (etwa 20,2 Milliarden Euro) verdient. Nordkorea hat die Hälfte des russischen Bedarfs an Granaten der Kaliber 122 und 152 Millimeter gedeckt und kürzlich auch neue ballistische Kurzstreckenraketen KN-23 und KN-24 geliefert.
Raketeneinheit in der Oblast Woronesch
Der Vertreter des ukrainischen Militärgeheimdienstes Andrij Tschernjak enthüllte weitere Details. Russland bereitet die Stationierung einer nordkoreanischen Raketeneinheit in der Oblast Woronesch vor. Die Einheit soll aus etwa 90 Angehörigen bestehen und über 120 Raketen verfügen. Damit würde nach einem Jahr die Beschießung der Ukraine mit diesen Waffen wieder aufgenommen.
Angesichts all dessen hat Selenskyj Südkorea zu einer vertieften Zusammenarbeit, insbesondere im Verteidigungsbereich, aufgerufen, um sich der wachsenden Militärachse zwischen Moskau und Pjöngjang entgegenzustellen.