Gebäude stürzte nur Sekunden später ein
Ein verheerendes Erdbeben der Stärke 7,4 erschütterte Westkolumbien und forderte mehr als 250 Todesopfer. Videos zeigen dramatische Fluchten von Bewohnern, deren Häuser vor ihren Augen einstürzten.
Ein verheerendes Erdbeben der Stärke 7,4 erschütterte Westkolumbien und forderte mehr als 250 Todesopfer. Videos zeigen dramatische Fluchten von Bewohnern, deren Häuser vor ihren Augen einstürzten.
Mindestens 254 Menschen kamen ums Leben, mehr als 3.000 gelten als vermisst, nachdem am Montag, dem 10. August 2026, ein schweres Erdbeben der Stärke 7,4 den Westen Kolumbiens erschütterte. Es ist das stärkste Beben, das in dem südamerikanischen Land seit 1979 registriert wurde. Die Zahl der Opfer steigt, wie Agenturen und Medien berichten, weiter an, und die Behörden befürchten, dass die endgültige Zahl angesichts Tausender Verletzter und zahlreicher eingestürzter Gebäude noch höher ausfallen könnte.
Auf Videos, die in den sozialen Medien auftauchten, ist ein schreckliches Bild zu sehen: Bewohner fliehen panisch aus ihren Häusern, nur Sekunden später stürzen die Gebäude ein. Eine solche Aufnahme wurde von der Facebook-Nutzerin liliana.perez.944 veröffentlicht und zeigt die Flucht aus einem Haus, während der Boden bebt und Gebäude einstürzen. Die kolumbianische Regierung hat den nationalen Notstand ausgerufen.
Das Epizentrum des Bebens lag im Departamento Chocó im Westen Kolumbiens. Nach Angaben des schwedischen Fernsehens SVT ereignete sich das Beben in einer Tiefe von 100 bis 110 Kilometern, in einer Zone, in der sich die Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte schiebt. Diese Tiefe, betonen Experten, ist entscheidend für das Verständnis des Ausmaßes der Schäden.
Obwohl die Magnitude hoch war, erklärte der Seismologe Björn Lund gegenüber SVT, dass die Tiefe die Zerstörungen an der Oberfläche abgemildert habe. "Es hätte unglaublich viel schlimmer sein können, wenn das Beben flacher gewesen wäre", sagte Lund und fügte hinzu: "Zum Glück ereignete es sich tief genug, die Erschütterungen sind an der Oberfläche weniger intensiv. Es wird wahrscheinlich nicht so ernst sein wie in Venezuela oder der Türkei."
Trotzdem sind die Folgen katastrophal. Betroffen ist ein Gebiet von etwa 100 mal 50 Kilometern um das Epizentrum. Neben Chocó wurden auch die Städte Pereira und Cali schwer getroffen. Saul Paz, ein Bewohner von Cali, zeigte SVT das Ausmaß der Schäden in seinem Viertel. Es wurden auch etwa hundert kleinere Nachbeben registriert, und Lund warnt davor, dass es zu einem stärkeren Nachbeben mit einer Magnitude von bis zu 6 kommen könnte.
Die Angaben zur Zahl der Todesopfer variieren je nach Quelle, was in den ersten Tagen nach solchen Katastrophen üblich ist. Der französische Fernsehsender France 24 berichtet von mindestens 240 bestätigten Todesfällen, während SVT Nyheter Zahlen von über 250, beziehungsweise mindestens 254 Tote, nennt. Etwa 100 Gebäude sind eingestürzt, und die Suche nach Überlebenden unter den Trümmern geht weiter.
Inmitten der Tragödie gibt es auch Geschichten der Hoffnung. Der Journalist Morgan Ayre berichtet für France 24, dass am Mittwoch, dem 12. August, eine 32-jährige Frau lebend aus den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes gerettet wurde. Die Rettungskräfte durchkämmen unermüdlich das Gelände in der Hoffnung, weitere Überlebende zu finden.
Die Hilfsorganisation Plan International, die bereits vor dem Beben ein weit verzweigtes Hilfsnetz in den ärmsten Teilen Kolumbiens, einschließlich Chocó und Valle del Cauca, hatte, reagierte schnell. Fast 50 ihrer Hilfskräfte waren vor Ort, doch auch sie wurden von der Katastrophe getroffen.
"Wir haben Mitarbeiter, deren Häuser über ihnen eingestürzt sind und die aus den Trümmern gerettet werden mussten, und viele Helfer, die ihr Zuhause verloren haben. Aber die meisten konnten bei der Arbeit helfen", sagte ein Vertreter von Plan International gegenüber SVT und beschrieb die äußerst schwierigen Bedingungen, unter denen Hilfe geleistet wird.
Bewohner wie Jens Lans und Lina Estrada, die mit ihrem Hund aus ihrer Wohnung im 13. Stock fliehen mussten, berichten von dem Chaos und der Angst, die im Moment des Bebens herrschten.