Der gestrige Bericht der Staatsanwaltschaft (USKOK) über die Verschmutzung in der Lika hat das erschreckende Ausmaß eines Umweltverbrechens offengelegt. In Gospić, mitten in der Lika, wurden etwa 37.000 Tonnen gemischter technogener Abfälle illegal entsorgt. Das Gutachten ergab, dass ein Teil dieses Abfalls die gefährliche Eigenschaft der Ökotoxizität aufweist. Die Verschmutzung durch Schwermetalle und perfluorierte Verbindungen hat bereits das Grundwasser erreicht.
Logistik des Verbrechens: Eine Lkw-Kolonne von Zagreb bis Karlovac
Die Menge von 37.000 Tonnen Abfall deutet auf eine Operation mit enormem logistischem Ausmaß hin. Ein großer Sattelzug kann etwa 25 Tonnen Fracht transportieren, was bedeutet, dass für den Transport dieser Menge fast 1.500 volle Sattelzüge erforderlich waren. Würden diese Lastwagen Stoßstange an Stoßstange aufgereiht, ergäben sie eine Kolonne von 25 Kilometern Länge. Bei einem Abstand von nur zehn Metern zwischen den Fahrzeugen würde sich diese Kolonne auf fast 40 Kilometer erstrecken, das entspricht ungefähr der Länge der gesamten Autobahn von Zagreb nach Karlovac.
Wären gewöhnliche schwere Lastkraftwagen mit einer Nutzlast von 10 bis 12 Tonnen eingesetzt worden, wären es mehr als dreitausend einzelne Anfahrten gewesen. Für den Transport derselben Masse mit Lieferwagen wären mehrere zehntausend Fahrzeuge erforderlich gewesen. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass es sich nicht um einen verantwortungslosen Einzelnen handelt, sondern um eine organisierte Aktivität industriellen Ausmaßes.
Wie konnte das System versagen?
Ein Teil des Abfalls wurde aus Slowenien und Italien importiert, was das Rätsel um das Versagen der zuständigen Behörden weiter vertieft. Obwohl das Schengen-Abkommen die regulären Grenzkontrollen abgeschafft hat, gelten die europäischen Vorschriften für grenzüberschreitende Abfallverbringungen weiterhin. Für jede Sendung muss eine vorgeschriebene Dokumentation vorliegen, für gefährliche Abfälle zusätzlich eine vorherige Genehmigung der zuständigen Behörden. Es stellt sich die Frage, wie fast 1.500 Sattelzüge über Jahre hinweg ungehindert durch die Verkehrssysteme von zwei oder drei Ländern fahren konnten, ohne von Polizei, Zoll oder Inspektionen gestoppt zu werden.
Am Standort selbst in Gospić wurde laut Gutachten auf einer Fläche von fast 18.000 Quadratmetern die Vegetationsdecke entfernt. Für eine legale Abfallbewirtschaftung sind zahlreiche Genehmigungen, eine verantwortliche Person, die Führung von Aufzeichnungen sowie die Erfüllung von Umwelt-, Arbeitsschutz- und Brandschutzauflagen erforderlich. All dies unterliegt der Aufsicht mehrerer verschiedener Inspektionen. Während Inspektoren bei Routinekontrollen die Beleuchtungsstärke von 300 Lux messen oder einen defekten Feuerlöscher mit 500 Euro bestrafen, bleibt unklar, wie ein riesiger Betrieb mit Tausenden Säcken gefährlichen Abfalls jahrelang unbemerkt bleiben konnte.
Verbrechen gegen Kroatien und die Frage der Verantwortung
Diese Umweltkatastrophe wurde nur wenige Tage nach dem 31. Jahrestag der Militäroperation Oluja entdeckt, die die Lika von den Aggressoren befreite. Während bei den Feierlichkeiten Reden gehalten wurden, hat jemand in genau diese Lika jahrelang Zehntausende Tonnen Abfall transportiert und vergraben und damit eine der schönsten Regionen Kroatiens in eine riesige illegale Deponie verwandelt.
Die entscheidende Frage, die sich stellt, ist, wie weit die Verantwortungskette reicht. Solche Dinge entstehen nicht von selbst. Die Bürger haben ein Recht zu erfahren, wer die Genehmigungen erteilt hat, wer die Aufsicht durchgeführt hat und was dabei festgestellt wurde, und wer zu dem Schluss gekommen ist, dass alles in Ordnung sei. Wenn die politische Antwort darauf lautet, dass "niemand etwas wusste", würde das bedeuten, dass das Problem viel tiefer liegt und den Kern des Funktionierens des Staates betrifft.
"Das hier in Gospić ist ein Verbrechen gegen die Lika und gegen die Natur. Ein Verbrechen gegen Kroatien", heißt es in einem Kommentar von Index.hr.