Die Journalisten von Telegram, Vanja Moskaljov und Mladen Pleše, haben in ihrer umfangreichen Recherche erschütternde Details über langjährigen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen im Kleinen Priesterseminar der Katholischen Kirche an der zagreber Šalata aufgedeckt. Der Fall offenbart nicht nur das Leid der Opfer, sondern auch ein tief verwurzeltes System der Vertuschung und den Schutz des Täters durch die höchsten kirchlichen Strukturen, einschließlich der Kroatischen Bischofskonferenz (HBK).
Vom Jungen zur Beute: Ein Trauma, das Jahre andauerte
Die Geschichte beginnt Anfang der 2000er Jahre, als ein 15-jähriger Junge in das Priesterseminar an der Šalata eintrat. Die Einrichtung zählte damals zwischen 100 und 150 Teilnehmer aus Kroatien und Bosnien und Herzegowina. Bereits nach dem ersten Jahr, als 16-Jähriger, wurde er zur sexuellen Beute eines der Erzieher, eines Priesters, der ihm ein Vorbild sein sollte. Der Missbrauch begann mit unangemessenen Berührungen und entwickelte sich schnell zu expliziteren Formen, die bis zum Ende seiner vierjährigen gymnasialen Ausbildung am Erzbischöflichen Klassischen Gymnasium andauerten.
Innerhalb des abgeschotteten Komplexes, im Schatten der monumentalen Kirche des Heiligsten Herzens Jesu, war das Opfer völlig isoliert. Laut den Recherchen suchen Jungen in Priesterseminaren, getrennt von ihren Familien, oft aus Angst und Scham keine Hilfe und nehmen ihre Peiniger in Priestergewändern als unantastbare Autoritäten wahr, was die gesamte Falle äußerst effektiv macht.
Schweigegelübde und Vertuschung auf höchster Ebene
Während seiner Ausbildung versuchte das Opfer mehrfach, sich bei den zuständigen Theologen zu beschweren, wurde jedoch jedes Mal mit Drohungen zum Schweigen gebracht. Die Verfolgung setzte sich auch nach dem Abitur fort, als der junge Mann zu kirchlichen Studien nach Đakovo wechselte, wo er erneut auf eine Mauer des Schweigens stieß. Nach Informationen mehrerer Quellen aus der Katholischen Kirche ist es unmöglich, dass Bischöfe und hohe Kleriker nichts von dem langjährigen Missbrauch wussten, der sich in ihrem Verantwortungsbereich ereignete.
Der Wendepunkt kam im Jahr 2012, als sich der emotional gebrochene junge Mann während seines Theologiestudiums in Wien einem Freund anvertraute. Dieser meldete den Fall dem dortigen Kardinal Schönborn, der daraufhin die kirchlichen Behörden in Kroatien und den Vatikan informierte. In Kroatien stieß sein Brief auf eine "undurchdringliche Mauer".
Vatikanische Untersuchung und Ernennung zum Pfarrer
Obwohl der Vatikan jahrelang zögerte, wurde die offizielle Untersuchung schließlich im Jahr 2024 eingeleitet. Sie dauerte ein Jahr, und während dieser Zeit wurde der schwer belastete Priester nicht suspendiert. Vielmehr wurde er während der laufenden Untersuchung zum Pfarrer in der Diözese Požega ernannt und behielt hohe Ämter innerhalb der HBK im Zusammenhang mit der Jugendarbeit.
Das vatikanische Dikasterium für die Glaubenslehre stellte die Schuld des Priesters für sexuellen Missbrauch fest, der ein ganzes Jahrzehnt andauerte. Im April dieses Jahres traf bei der HBK die Anweisung ein, ein abgekürztes Verfahren durchzuführen und den Täter zu bestrafen. Doch die kirchlichen Behörden reagierten erneut nicht, bis die Journalisten ihre Recherche veröffentlichten. Erst dann wurde der Priester aller Ämter enthoben und ihm die Position des Pfarrers entzogen.
Reaktionen und neue Fälle
In der Zwischenzeit hat die Staatsanwaltschaft in Zagreb Ermittlungen im Zusammenhang mit Straftaten des sexuellen Missbrauchs und der Vertuschung eingeleitet. Nach der Veröffentlichung der journalistischen Artikel meldeten sich mehrere weitere Personen, die angaben, ebenfalls während ihrer Ausbildung im Priesterseminar an der Šalata missbraucht worden zu sein, was darauf hindeutet, dass der Fall kein Einzelfall ist.
Obwohl die HBK deklarativ "Mitgefühl mit den Opfern" ausdrückt, berichtet Telegram, dass die Institution weiterhin behauptet, das Verfahren sei nicht abgeschlossen, trotz der klaren Entscheidung des Vatikans. Dieses Verhalten wird als "Sand in die Augen der Öffentlichkeit streuen" beschrieben und untergräbt direkt die Glaubwürdigkeit des von Papst Franziskus vorgeschriebenen Opferschutzsystems. Der Erzbischof von Rijeka, Mate Uzinić, ist einer der wenigen hohen kirchlichen Würdenträger, die öffentlich über Missbrauch in seiner Erzdiözese gesprochen haben.
Heute, da das Interesse am Priesterberuf drastisch sinkt und das Priesterseminar an der Šalata nur noch 18 Teilnehmer zählt, bleibt die bittere Frage, wie viele ähnliche Fälle hinter den Kirchenmauern verborgen geblieben sind, da in Kroatien nie eine unabhängige und umfassende Untersuchung über das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs innerhalb der Katholischen Kirche durchgeführt wurde.