Božinović in Brüssel: EU bereitet koordiniertere Antwort vor
Die EU-Innenminister betonten, dass Schengen nicht das Problem, sondern die Lösung sei, und Spanien revidierte die Zahl der illegalen Einreisen auf 72.000.
Die EU-Innenminister betonten, dass Schengen nicht das Problem, sondern die Lösung sei, und Spanien revidierte die Zahl der illegalen Einreisen auf 72.000.
Die Europäische Union bereitet eine koordiniertere und stärkere Antwort auf die Migrantenkrise in der spanischen Enklave Ceuta vor, wie nach dem Treffen der Innenminister der Mitgliedstaaten am Dienstag, dem 4. August 2026, in Brüssel mitgeteilt wurde. Unter ihnen war auch der kroatische Minister Davor Božinović, der die kroatischen Prioritäten und Erfahrungen beim Schutz der Außengrenzen hervorhob.
Spanien hat mit Unterstützung von 22 Mitgliedstaaten, darunter auch Kroatien, die Frage von Ceuta auf europäischer Ebene aufgeworfen. Damit wurde, so Božinović, eine klare Botschaft gesendet, dass Sicherheitsherausforderungen an den Grenzen eines Mitgliedstaates eine Herausforderung für die gesamte Union darstellen. Der Minister beschrieb die Atmosphäre des Treffens als ausgewogen, ohne gegenseitige Vorwürfe zwischen den Mitgliedstaaten, mit gezeigter Solidarität mit Spanien.
Der französische Innenminister Laurent Nuñez erklärte nach dem Treffen, dass sich die Mitgliedstaaten einig seien, dass "Schengen nicht das Problem, sondern die Lösung" sei. Er fügte hinzu, dass "alle Mitgliedstaaten ohne Ausnahme ihre Solidarität mit Spanien ausgedrückt haben". Der EU-Migrationskommissar Magnus Brunner bewertete, dass die Widerstandsfähigkeit Europas auf die Probe gestellt wurde, aber "den Test bestanden" habe, und betonte, dass "der Schengen-Raum nie in Gefahr war".
Der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska revidierte beim Treffen die Zahlen zur Krise. Nach neuen Angaben aus Madrid sind 72.000 Migranten illegal in spanisches Hoheitsgebiet eingereist, deutlich mehr als die zuvor genannten 50.000. Etwa 70.000 von ihnen sind seitdem nach Marokko zurückgekehrt. Während der Migrantenkrise in Ceuta kamen mehr als 70 Menschen ums Leben.
Minister Božinović zeigte sich zufrieden, dass die Europäische Kommission erstmals eine Debatte über das Konzept sicherer Drittstaaten eröffnet hat, das Kroatien seit Jahren befürwortet. "Personen, die aus Tausende Kilometer entfernten Ländern nach Kroatien kommen, passieren eine Reihe sicherer Länder. Wenn das internationale Schutzsystem konsequent angewendet wird, sollte Asyl im ersten sicheren Land beantragt werden", sagte Božinović.
Er betonte, dass die aktuellen Migrationsströme zeigten, dass viele Menschen in die EU vor allem aus wirtschaftlichen Gründen kämen, was auch die Aussagen von Migranten bestätigten, die an den Ereignissen in Ceuta beteiligt waren. Er unterstrich, dass Menschlichkeit und Sicherheit keine gegensätzlichen Begriffe seien und dass die EU weiterhin Schutz für Menschen bieten werde, die ihn benötigen, gleichzeitig aber illegale Migration verhindern und entschlossener gegen Schleusernetzwerke vorgehen werde. "Kroatien spricht aus zehnjähriger Erfahrung beim Schutz der EU-Außengrenze über Migration. Wir sind in den Schengen-Raum eingetreten und haben die Ausstattung der Polizei mit europäischen Mitteln erheblich verbessert", fügte er hinzu.
Als Beispiel für das Ausmaß des Schleusungsproblems nannte Božinović die Zahl, dass die kroatische Polizei allein in diesem Jahr 698 Schleuser festgenommen hat. Er betonte, dass der illegale Transport von Gütern nicht nur eine Migrationsfrage sei, sondern auch ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstelle, das direkt Menschenleben gefährde.
In den kommenden Wochen wird eine detaillierte Analyse der Umstände erstellt, die zur Krise in Ceuta geführt haben, einschließlich der Verbreitung von Desinformation über soziale Medien. Die Ergebnisse werden als Grundlage für ein neues Treffen der Innenminister Anfang Oktober 2026 sowie für eine spätere Diskussion im Europäischen Rat dienen. Eine der Schlussfolgerungen des Treffens ist die weitere Investition in die Infrastruktur an den Außengrenzen, wie etwa Radarsysteme.
Božinović ging auch auf die Explosion in Bosiljevo ein, bei der drei Personen verletzt wurden, und erinnerte an die nationale Kampagne "Weniger Waffen, weniger Tragödien". Bisher haben Bürger im Rahmen dieser Initiative freiwillig über 370.000 Waffen, 6,7 Millionen Munition, 6,5 Millionen Sprengkörper und mehr als 6.000 pyrotechnische Gegenstände abgegeben. Er betonte auch, dass 93 Prozent der Personen mit illegalen Waffen eine Bewährungsstrafe erhalten, was er als nicht ausreichend abschreckend betrachtet.