Nur drei Prozent der landwirtschaftlichen Flächen in Kroatien werden bewässert, eine erschütternde Zahl, die der Dekan der Agrarwissenschaftlichen Fakultät in Zagreb, Aleksandar Mešić, in der Samstagsausgabe der HRT-Tagesschau nannte. Er warnte, dass der Klimawandel die strukturellen Schwächen der heimischen Landwirtschaft schonungslos offenlegt.
"Die Tatsache, dass wir nur drei Prozent unserer landwirtschaftlichen Flächen bewässern, sagt genug über den Zustand unserer Landwirtschaft aus", so Mešić.
Staat für Infrastruktur, Bauern für Ausrüstung
Die Verantwortung für den Ausbau der Bewässerungssysteme müssten sich, so der Dekan, Staat und Erzeuger teilen, der Staat durch die Bereitstellung von Infrastruktur und Zugang zu Wasser, die Erzeuger durch Investitionen in moderne Systeme. Wasser sei, wie er betonte, keine unbegrenzte Ressource mehr und erfordere ein rationales Management, zumal Kroatien, obwohl es genug davon hat, unter einer äußerst ungleichmäßigen Verteilung über das Jahr leidet.
Als eine mögliche Lösung sieht Mešić den Bau von Speicherbecken, die Wasser in Zeiten des Überflusses speichern. Darüber hinaus müsse sich die heimische Landwirtschaft Wissen, Digitalisierung, Automatisierung und Innovationen zuwenden, anstatt weiterhin auf traditionelle Produktionsmethoden zu setzen, die Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen sei keine Frage der Wahl mehr.
Wir exportieren Getreide, importieren Fleisch und Milch
Die Ernährungssouveränität wird zu einer Schlüsselfrage, da Kroatien nach Mešićs Einschätzung nicht mehr auf die Stabilität internationaler Lieferketten zählen kann. "Wir können uns nicht mehr auf Lebensmittelimporte verlassen, denn wir leben in sehr unsicheren Zeiten", betonte er.
Als Paradebeispiel für die Widersprüche im System nannte er die Tatsache, dass Kroatien Getreide exportiert und gleichzeitig Fleisch und Milch importiert, also Produkte, für die Getreide das Grundrohstoff ist. Die europäischen Fördergelder, räumt Mešić ein, seien gut genutzt worden, aber ein großer Teil dieser Mittel sei nicht in die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz des Sektors geflossen. Der Staat beziehe zudem die Fachwelt zu wenig in Entscheidungen ein, obwohl Experten regelmäßig Analysen und Vorschläge erarbeiteten, die dann ungenutzt blieben.