Während vollelektrische Lastwagen niedrigere Betriebskosten versprechen, sind ihr zwei- bis dreimal höherer Preis im Vergleich zu Dieselmodellen, die begrenzte Reichweite und die langen Ladezeiten weiterhin große Hürden für die meisten Transportunternehmen. Das amerikanische Startup Revoy aus San Francisco hat einen innovativen Ansatz entwickelt, der diese Probleme umgeht, indem es bestehende Diesellastwagen mit einer separaten, schnell austauschbaren Anbaueinheit mit Elektroantrieb in Hybride verwandelt.
Batterie auf Rädern, die den Motor entlastet
Das Produkt von Revoy ist eine eigenständige Antriebseinheit, die fast vier Meter lang und etwa zehn Tonnen schwer ist und zwischen der Sattelzugmaschine und dem Auflieger montiert wird. Im Inneren des Gehäuses befindet sich eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie mit einer Kapazität von 575 kWh, die eine elektrisch angetriebene Achse speist. Wenn der Fahrer das Gaspedal betätigt, erkennt das System die Last und aktiviert den Elektromotor, um den schweren Teil der Arbeit zu übernehmen und den Dieselmotor zu entlasten. Beim Bremsen arbeitet der Motor im regenerativen Modus, lädt die Batterie und unterstützt die Verzögerung.
Die Unternehmensgründer Peter Reinhardt und Ian Rust, der zuvor Erfahrung beim Startup für autonomes Fahren Cruise gesammelt hat, haben das System nach den Prinzipien der kollaborativen Robotik entwickelt. "Anstatt den Fahrer zu ersetzen, nutzen wir Robotik, um die Kraftstoffquelle zu ändern", erklärte Rust gegenüber Bug.hr. Die Einheit ist außerdem mit aktiven Sicherheitssystemen ausgestattet, die vor Umkippen und Schleudern schützen, und unterstützt die Totwinkelerkennung sowie das automatische Rückwärtsfahren.
Dramatische Einsparungen und schneller Austausch
Mit dem eingebauten Zusatz kann ein Standard-Lastwagen, der eine Gesamtlast von bis zu 36 Tonnen zieht, zwischen 320 und 400 Kilometer rein elektrisch zurücklegen. Laut Unternehmensangaben sinkt der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch eines hybridisierten Sattelzuges von üblichen 30 bis 40 Litern pro 100 Kilometer auf nur 7 bis 12 Liter. Auf kurzen Strecken von bis zu 250 Kilometern kann der Verbrauch unter sechs Liter pro 100 Kilometer liegen. Zudem werden die Kohlendioxidemissionen um bis zu 85 Prozent reduziert.
Der entscheidende Vorteil ist die schnelle Austauschbarkeit. Anstatt die Batterie lange zu laden, bietet Revoy den Austausch der gesamten Einheit an, der weniger als fünf Minuten dauert. Das Unternehmen plant, ein Netz von Wechselstationen entlang wichtiger US-Autobahnen aufzubauen, und das gesamte System wird als Abo-Dienst angeboten, sodass Transportunternehmen hohe Anfangsinvestitionen vermeiden.
Kommerzieller Start steht bevor
Nachdem Revoy die erforderlichen behördlichen Genehmigungen in den USA erhalten und ein Pilotprojekt erfolgreich abgeschlossen hat, bereitet sich das Unternehmen auf den kommerziellen Betriebsstart noch in diesem Jahr vor. Die erste Route, auf der das System eingesetzt wird, befindet sich im Bundesstaat Oregon. Diese Lösung könnte besonders für Transportunternehmen interessant sein, die Kosten und ökologischen Fußabdruck reduzieren möchten, ohne in völlig neue Elektro-Lastwagen investieren zu müssen.