Kroatien bereitet sich auf die Feierlichkeiten zum Jahrestag der Militäroperation Oluja vor. Minister Tomo Medved enthüllte gestern in Hrvatska Dubica ein Denkmal für die Verteidiger und erklärte, dass sich Kroatien niemals für diese Operation entschuldigen werde. Er betonte, dass Oluja eine einwandfrei durchgeführte Militäroperation war, die nach allen gescheiterten Versuchen einer friedlichen Lösung der einzige Weg zur Befreiung der besetzten Gebiete Kroatiens war. Gleichzeitig werden vor dem 5. August 2026 auch andere Töne laut.
Schroffe Kritik an der Gedenk-Pathetik
Der Kolumnist Mladen Pavković stellt in seiner Kolumne auf dem Portal Cronika.hr unbequeme Fragen zum Verhältnis des Staates zu Kriegsverbrechen. "Während die politischen Eliten auf den Opfern parasitieren, um billige Punkte zu sammeln, genießen die eigentlichen Mörder und Auftraggeber seit Jahrzehnten ihre Freiheit. Welche Botschaft sendet der Staat damit an sein eigenes Volk? Die Botschaft, dass sich brutale Verbrechen in dieser Region durchaus lohnen", schrieb Pavković.
Er ist der Ansicht, dass sich Jahr für Jahr dasselbe Bild wiederholt: Die Staatsführung und die politischen Eliten legen Kränze nieder und halten Reden, während die entscheidende Frage systematisch marginalisiert wird. Von den Rednerpulten würden, so behauptet er, leere Phrasen wie "Unsere Helden leben, solange wir uns an sie erinnern" und "Wir versammeln uns, damit sich dieses Übel nie wiederholt" wiederholt.
Selektive Justiz und institutionelle Feigheit
Pavković hebt besonders die beschämende Bilanz bei der Verfolgung von Verbrechen hervor, die nach Oluja begangen wurden. Während kroatische Generäle jahrelang die Ehre des Heimatkrieges vor internationalen Tribunalen verteidigten, versagten die nationalen Institutionen bei der wichtigsten Prüfung. Die Zahl der tatsächlich bestraften Verbrecher der Aggressoren für Hunderte getötete Zivilisten und niedergebrannte Dörfer ist erschreckend gering.
Als Beispiel für völlige Straflosigkeit nennt er die Ereignisse von 1945. Partisaneneinheiten und das kommunistische Regime liquidierten damals nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ohne Gerichtsverfahren Hunderttausende unschuldiger Menschen. "Es ist eine beschämende Tatsache, dass in mehr als drei Jahrzehnten des unabhängigen Kroatiens nicht ein einziger kommunistischer Henker oder Auftraggeber auf der Anklagebank gesessen hat", betont Pavković und macht dafür politische Eliten verantwortlich, die die Entnazifizierung und Gerichtsverfahren bewusst behindert haben.
Das Massaker von Škabrnja und die Unzugänglichkeit der Justiz
Dasselbe Muster von Unfähigkeit und fehlendem politischem Willen zeigt sich auch an anderen Orten des Grauens. Er erinnert an den 18. November 1991 und das Massaker von Škabrnja, wo Menschen auf der Schwelle ihrer Häuser getötet wurden und feindliche Panzer alles vor sich niederwalzten. Die Hauptauftraggeber und unmittelbaren Täter sind größtenteils außerhalb der Reichweite des Gesetzes geblieben.
Pavković kritisiert besonders die ständigen Antworten des Staatsapparats, dass ein Kriegsverbrecher "der kroatischen Justiz nicht zugänglich" sei, während die Mörder frei in den Nachbarländern herumlaufen. Familien von Vermissten bitten seit drei Jahrzehnten um Informationen über die Gräber ihrer Angehörigen, und diejenigen, die wissen, wo sie sind, tragen keinerlei rechtliche Konsequenzen.
"Gerechtigkeit, die dreißig oder siebzig Jahre zu spät kommt, ist keine Gerechtigkeit, sie ist ihre öffentliche Hinrichtung", sagt Pavković.
Er schließt mit der Feststellung, dass der Staat seine moralische Legitimität verliert, wenn er zulässt, dass Mörder von Unschuldigen ungestraft davonkommen. Die politischen Eliten müssen aufhören, Gräber als Kulisse für ihre eigene Selbstdarstellung zu nutzen, und die Institutionen in Gang setzen. Andernfalls bleiben jede entzündete Kerze und jeder niedergelegte Kranz nur ein Denkmal der eigenen Heuchelei.