Donau auf Rekordtiefstand: Nazi-Schiffe und Mammutknochen tauchen auf
Beispiellose Dürre legt jahrzehntelang verborgene historische Überreste frei, bedroht aber auch Atomkraftwerke und löst Energiekrise in Mittel- und Osteuropa aus.
Beispiellose Dürre legt jahrzehntelang verborgene historische Überreste frei, bedroht aber auch Atomkraftwerke und löst Energiekrise in Mittel- und Osteuropa aus.
Der Rekordtiefstand der Donau, des zweitlängsten Flusses Europas, verursacht durch anhaltende Hitzewellen, hat gespenstische Szenen hervorgebracht. Aus dem Flussbett ragen Wracks deutscher Kriegsschiffe aus dem Zweiten Weltkrieg sowie Knochen von Tieren aus der Eiszeit. Gleichzeitig gefährdet der kritisch niedrige Wasserstand ernsthaft den Betrieb von Atomkraftwerken und die Schifffahrt.
Bei der serbischen Stadt Prahovo sind derzeit mindestens 20 Schiffe verschiedener Größen vom Ufer aus sichtbar. Es handelt sich um Schiffe der nationalsozialistischen Schwarzmeerflotte, die die Deutschen im September 1944 während ihres Rückzugs vor der sowjetischen Armee absichtlich versenkt haben. Das Problem ihrer Beseitigung besteht seit Jahren, da sich auf einigen Wracks immer noch Sprengstoff befindet.
Der niedrige Wasserstand erschwert die Schifffahrt, und Anwohner warnen, dass große Frachtschiffe auf bestimmten Abschnitten der Donau nicht mehr passieren können, berichtet CBS News. Die Wracks waren auch in früheren Jahren aufgetaucht, aber der diesjährige Wasserstandsabfall hat die Frage der Navigationssicherheit erneut in den Fokus gerückt.
Im bulgarischen Abschnitt der Donau, nahe der Stadt Russe, wurde ein noch älteres Relikt der Vergangenheit gefunden. Letzte Woche stießen Anwohner auf mehrere Knochen eines Wollhaarmammuts, einer Art, die in Europa vor etwa 4.000 Jahren ausgestorben ist. Laut Nikolay Nenov, Direktor des Regionalen Historischen Museums, wurden bisher Teile des Kiefers, Fragmente von Stoßzähnen, ein Teil des Schulterblatts und ein Oberschenkelknochen mit Gelenkkopf identifiziert.
Archäologen betonen den Wert des Fundes, da alle Knochen an einem Ort entdeckt wurden und wahrscheinlich zu demselben, jüngeren Individuum gehören. Wollhaarmammuts lebten neben den ersten Menschen, die sie zur Nahrung jagten und ihre Stoßzähne und Knochen zur Herstellung von Werkzeugen nutzten.
Neben den historischen Entdeckungen sind die Folgen der Dürre weitaus ernster. Die Donau, die durch 10 Länder fließt und vier Hauptstädte verbindet, ist eine wichtige Wasserquelle für die Industrie und die Kühlung von Atomkraftwerken. In Rumänien führte die Marine am Montag, dem 3. August 2026, eine kontrollierte Unterwasserexplosion durch, um eine felsige Erhebung in der Nähe des Dorfes Izvoarele zu sprengen. Ziel war es, Kühlwasser zum Kernkraftwerk Cernavodă umzuleiten.
In Ungarn wurde das einzige Atomkraftwerk des Landes bereits vorübergehend abgeschaltet. Um den Druck auf das Stromnetz zu verringern, haben mehr als 300 Unternehmen freiwillig ihren Stromverbrauch reduziert.
Wissenschaftler sehen den Klimawandel als Haupttreiber dieses extremen Wetters. Westeuropa ist seit Ende Mai 2026 wiederkehrenden Hitzewellen ausgesetzt. Der Juni war der heißeste je in Europa gemessene, und die hohen Temperaturen kehrten auch im Juli zurück und verursachten historische Brände in Frankreich und Spanien.
Heute, am 5. August 2026, erfasst erneut eine Hitzewelle die Region mit einer durchschnittlichen Höchsttemperatur von 28 Grad Celsius, was 4,4 Grad über dem historischen Durchschnitt für dieses Datum liegt. Satellitendaten zeigen außergewöhnlich niedrige Wasserstände auch an anderen großen europäischen Flüssen, darunter der Rhein bei Boppard in Deutschland, die Loire bei Saumur in Frankreich und der Po bei Cremona in Italien.
"Da sich das Klima weiter erwärmt, werden die hydrologischen Extreme, die wir jetzt erleben, nur die Spitze des Eisbergs sein. Die Bewirtschaftung der Wasserressourcen wird immer herausfordernder", sagte Richard Allan, Professor für Klimawissenschaften an der University of Reading, gegenüber CNN.
Liz Saccoccia, Leiterin für Wassersicherheit beim World Resources Institute, warnte gegenüber CNBC vor den breiteren Auswirkungen: "Große Flüsse wie der Rhein und die Donau sind wichtige Handelskorridore und Wasserquellen für Industrie und Energieerzeugung. Wenn der Wasserstand sinkt, reichen die Auswirkungen weit über die Wasserstraßen hinaus."
Fotos, die von Reuters-Fotograf Djordje Kojadinovic aufgenommen wurden, zeugen vom Ausmaß dieser beispiellosen Dürre und ihren bizarren, aber auch besorgniserregenden Folgen.