Deutschland wurde am Dienstag, dem 4. August 2026, von schweren Gewittern heimgesucht, die Verletzte, Sachschäden und erhebliche Störungen im Bahnverkehr verursachten. Gleichzeitig ließ eine anhaltende Hitzewelle die Wasserstände der wichtigsten europäischen Flüsse, Rhein, Donau und Po, auf historische Tiefststände sinken, was die Binnenschifffahrt und die Energiestabilität auf dem gesamten Kontinent gefährdet.
Unwetter legen Teile Deutschlands lahm
Die ersten Gewitter trafen Teile der Bundesländer Thüringen und Nordrhein-Westfalen bereits am Montagabend. Nach Berichten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wurden im Weimarer Land Gebäude und Stromleitungen beschädigt, was zu Stromausfällen führte. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bestätigte, dass eine sogenannte Superzelle über dem Ort Thangelstedt die Ursache war. Der Fachverband für Tornadoforschung Torex und der DWD untersuchen nun, ob sich dabei ein Tornado gebildet hat.
Am Dienstagmorgen traf ein heftiges Gewitter auch Hamburg, wo ein Baum auf einen voll besetzten Kleinbus fiel. Bei dem Unfall wurden sieben Personen verletzt, darunter vier Erwachsene und drei Kinder. Die Feuerwehr musste sie aus dem Fahrzeug befreien.
Chaos im Bahnverkehr
Das Unwetter verursachte auch große Probleme im Bahnverkehr. Bei Schwelm fiel ein Baum auf eine Oberleitung und stoppte den Verkehr für mehrere Stunden. Mehr als 130 Passagiere in einem ICE mussten über vier Stunden warten, bis die Strecke wieder freigegeben wurde. Die Deutsche Bahn teilte mit, dass es aufgrund der Schäden weiterhin Unterbrechungen im Fernverkehr zwischen Städten wie Frankfurt, Köln und Aachen gibt. Auf der Strecke Köln-Aachen wurde ein Busnotverkehr eingerichtet.
Auch im Regionalverkehr gab es Probleme. In Mönchengladbach mussten zwei Regionalzüge evakuiert werden, nachdem umgestürzte Bäume Oberleitungen beschädigt hatten. Laut WDR befanden sich in einem der Züge etwa 250 Passagiere.
Neue Unwetter drohen bei unerträglicher Hitze
Der DWD warnt, dass die Gefahr noch nicht vorüber ist. Im Laufe des Nachmittags und in der Nacht zum Mittwoch, dem 5. August, werden neue, teils kräftige Gewitter erwartet, insbesondere im Südwesten des Landes. Hagel, Starkregen und orkanartige Böen sind möglich. In Baden-Württemberg könnten lokal bis zu 40 Liter Regen pro Quadratmeter in nur einer Stunde fallen. Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurde eine Lebensgefahr-Warnung herausgegeben; die Bevölkerung wird aufgefordert, Wälder zu meiden und keine Wanderwege zu benutzen.
Neben den Unwettern herrscht in fast ganz Deutschland extreme Hitze. Der DWD warnt vor starker Wärmebelastung; die Temperaturen könnten tagsüber bis zu 38 Grad Celsius erreichen, an den Küsten bis zu 30 Grad.
Historische Dürre lässt Europas Flüsse austrocknen
Während Teile Europas mit Unwettern kämpfen, trocknet der Kontinent gleichzeitig durch eine Rekorddürre aus. Die Wasserstände von Rhein, Donau und dem italienischen Po sind auf historische Tiefststände gefallen. Bei Kaub, einem Schlüsselpunkt für die Beurteilung der Schifffahrt auf dem Rhein, sank die Fahrrinnentiefe auf nur noch 25 Zentimeter und erreichte damit den Negativrekord von 2018. Der Verkehr ist nicht völlig eingestellt, aber die Schiffe müssen deutlich weniger Ladung transportieren, um nicht auf Grund zu laufen, was die Transportkosten erhöht.
Ende Juli 2026 verzeichneten 44 Prozent der Messstationen am Rhein und 78 Prozent an der Donau extrem niedrige Wasserstände. Die Folgen sind in Serbien, Rumänien und Ungarn am schwerwiegendsten, wo Wassermangel die Kühlung von Wärmekraftwerken und Atomkraftwerken gefährdet. Das ungarische Atomkraftwerk arbeitet bereits mit reduzierter Leistung, und zwei Autofabriken in Rumänien haben die Produktion vorübergehend eingestellt. Die rumänischen Behörden haben sogar Felsen im Flussbett der Donau kontrolliert gesprengt, um den Wasserfluss zum Kernkraftwerk Cernavodă zu erhöhen.
In Italien ist der Po bei Cremona auf ein historisches Minimum gefallen. Der niedrige Wasserstand ermöglicht das Eindringen von salzhaltigem Meerwasser flussaufwärts, was landwirtschaftliche Ernten, Trinkwasservorräte und das Flussökosystem gefährdet. Für Kroatien ist vor allem die Donau wichtig, aber auch die gesamte europäische Lieferkette. Wenn wichtige Flüsse keine zuverlässigen Verkehrswege und Wasserquellen mehr sind, wirkt sich das direkt auf die Preise für Treibstoff, Lebensmittel und die Industrieproduktion aus.