Die Ratingagentur Fitch hat am Freitag, dem 1. August 2026, Kroatiens Kreditrating auf 'A-' mit stabilem Ausblick bestätigt. In ihrem neuesten Bericht, wie HRT berichtet, hob die Agentur das starke Wirtschaftswachstum und die Haushaltsdisziplin als Hauptvorteile hervor, warnte jedoch auch vor der Anfälligkeit der kleinen Volkswirtschaft gegenüber externen Schocks und der beeinträchtigten preislichen Wettbewerbsfähigkeit.
Die Bewertung 'A' signalisiert Anlegern in Staatsanleihen, dass Fitch ein geringes Ausfallrisiko und starke Rückzahlungskapazitäten erwartet, auch wenn diese im Vergleich zu Ländern mit der höchsten Bonität empfindlicher auf ungünstige wirtschaftliche Bedingungen reagieren. Mit dem stabilen Ausblick deutete die Agentur an, dass sie in absehbarer Zeit keine Änderung der Bewertung plant, und fügte hinzu, dass sie eine Stabilisierung der Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP mittelfristig erwartet, trotz des prognostizierten Anstiegs des Haushaltsdefizits. Fitch hatte Kroatiens Rating erstmals im September 2024 auf dieses Niveau angehoben.
Überdurchschnittliches Wachstum, aber strukturelle Herausforderungen bleiben
Nach Schätzungen der Agentur soll die kroatische Wirtschaftsaktivität im Jahr 2026 auf 2,4 Prozent verlangsamen, nach 3,4 Prozent im Jahr 2025. Trotz der Verlangsamung liegt dieses Wachstum weiterhin deutlich über dem prognostizierten Durchschnitt der Eurozone von 0,9 Prozent und über dem Median der Länder mit 'A'-Rating. Fitch betont, dass der private Konsum der Hauptwachstumstreiber bleiben wird, jedoch in geringerem Maße als bisher, aufgrund schwächeren Lohnwachstums und höherer Inflation.
Die Investitionen dürften stark bleiben, gestützt durch Mittel aus den EU-Fonds, trotz strengerer Finanzierungsbedingungen. Dennoch warnt die Agentur, dass Kroatien vor strukturellen Herausforderungen steht, die seine Annäherung an die entwickelten Länder verlangsamen könnten. Als Schlüsselprobleme nennt sie das schwache Produktivitätswachstum und das schnelle Lohnwachstum, das die Arbeitskosten erhöht hat. Die starke Abhängigkeit vom Tourismus macht die Wirtschaft anfällig für Schocks bei der externen Nachfrage und eine Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit.
Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung
Das kroatische Haushaltsdefizit dürfte sich 2026 nahe 3,0 Prozent des BIP halten und erst leicht auf 2,9 Prozent in den Jahren 2027 und 2028 sinken. Fitch ist der Ansicht, dass die Einführung des Euro die Haushaltsanker "leicht geschwächt" hat, erwartet jedoch, dass die Regierung die EU-Fiskalregeln weiterhin einhalten wird. Sie erinnern auch daran, dass Kroatien von Brüssel die Aktivierung einer Klausel beantragt hat, die eine größere Abweichung vom ursprünglichen Trend der Nettoausgaben ermöglicht, um die Verteidigungsausgaben erhöhen zu können.
Was die Staatsverschuldung betrifft, prognostiziert Fitch deren Stabilisierung bei etwa 56 Prozent des BIP mittelfristig, was leicht unter dem Median vergleichbarer Länder liegt. Für eine zukünftige Anhebung des Ratings müsste der Anteil der Staatsverschuldung am BIP kontinuierlich sinken, "wahrscheinlich" unter 50 Prozent, und zwar bei einer "strukturellen Verbesserung der öffentlichen Finanzen".
Wachsendes Leistungsbilanzdefizit
Die Agentur warnt insbesondere vor dem starken Anstieg des Leistungsbilanzdefizits, das 2025 3,5 Prozent des BIP erreichte, gegenüber 2,1 Prozent im Vorjahr. Für den Zeitraum 2026 bis 2028 erwartet Fitch "moderate" Defizite von durchschnittlich 3,3 Prozent des BIP. Als Gründe nennt sie einen geringeren Überschuss im Dienstleistungssektor aufgrund der verschlechterten preislichen Wettbewerbsfähigkeit im Tourismus und verstärkter Reisen kroatischer Bürger ins Ausland. Trotzdem schätzen sie, dass diese Defizite problemlos durch "stabile" ausländische Direktinvestitionen und EU-Mittelzuflüsse finanziert werden können.
Das EU-Geld wird laut Fitch bis 2030 ein "wichtiger" Wachstumstreiber sein, warnen jedoch, dass Kroatien im nächsten EU-Haushaltsrahmen für den Zeitraum 2028 bis 2034 "deutlich" geringere Mittel im Vergleich zum aktuellen Zyklus erhalten wird. Der aktuelle Zyklus wurde stark durch Transfers aus dem europäischen Aufbaufonds und finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau nach dem Erdbeben gestützt.
Was könnte das Rating senken oder anheben
Fitch nennt Szenarien, die zu einer Herabstufung des Ratings führen könnten. Dies könnte geschehen, wenn die Wirtschaft mittelfristig deutlich schwächer wächst als derzeit prognostiziert, beispielsweise aufgrund "struktureller Schocks in Schlüsselsektoren" oder beeinträchtigter Wettbewerbsfähigkeit. Das Rating würde auch gesenkt, wenn die Staatsverschuldung aufgrund einer längeren Phase lockererer Fiskalpolitik oder schlechterer Wirtschaftsprognosen deutlich ansteigen würde.
Andererseits würde eine Annäherung der "strukturellen" Indikatoren, wie die Qualität der Governance-Systeme und das Einkommensniveau, an den Median der Länder mit 'A'-Bewertung positiv bewertet. Dies könnte durch eine längere Phase starken Wirtschaftswachstums erreicht werden, die nicht zu einer "Anhäufung" makroökonomischer, haushaltspolitischer oder externer Ungleichgewichte führt.