Die neue, reich ausgestattete Ausgabe des Buches 'Legende vom Berg' von Josip Mlakić präsentiert eine Reiseerzählung, die Naturschönheiten, persönliche Erfahrungen und kulturelles Erbe verbindet. Zentrales Motiv des Werkes ist der Berg Vranica, das dominante Massiv im Herzen Bosniens, durch das der Autor den Leser auf eine Reise voller Mythologie, Kriegserinnerungen und mündlicher Tradition führt. Das Ergebnis ist ein meditatives Buch über den Fluss der Zeit, den Glauben, das kollektive Gedächtnis und die Kraft, die die Landschaft selbst in sich trägt.
Das Werk entstand während der Dreharbeiten zum gleichnamigen Film und fungiert als poetisch-dokumentarische Reise durch Raum und Zeit. Die Vranica wird in dieser Geschichte zu einer Art lebendigem Archiv, einem Ort der Begegnung mit alten Legenden über Schlangenkönige und steinerne Hochzeitsgesellschaften, Erinnerungen an sozialistische Jahrzehnte und Kriegstraumata der Neunzigerjahre, aber auch mit dem Alltag der letzten Menschen, die noch die Bergbräuche bewahren, berichtet die Večernji list am 7. August 2026.
Von den mystischen Roten Ländern bis zu zerstörten Dörfern
Mlakićs Erzählung erstreckt sich von den geheimnisvollen Roten Ländern und den antiken Minen des Goldenen Dreschplatzes über das zerstörte Dorf Zvizde und den verschmutzten Prokoško-See bis hin zum gefrorenen Ždrimac-Wasserfall und den einsamen Hirtenhütten am Ort Sikira. Die Prosa wird von visuellem Material begleitet, das den scharfen Kontrast zwischen der majestätischen Bergnatur und der langjährigen menschlichen Nachlässigkeit hervorhebt, die Fotografien zeigen Szenen von schneebedeckten Gipfeln, Waldwegen und Quellen, aber auch verlassene Bergbauzonen und Spuren der Verwüstung.
Schicksale von Menschen zeichnen ein Bild von Bosnien und Herzegowina
Auf diesem Weg trifft der Autor außergewöhnliche Individuen, in deren Lebensgeschichten sich das komplexe Bild Bosniens und der Herzegowina spiegelt. Unter ihnen ist Ivan Žuljević, ein Hüter mündlicher Überlieferungen, der genau auf diesem Berg geboren wurde, sowie Stipe Vukadin Pipuka, ein im Krieg schwer verletzter Mann, der heute wie ein Pilger und Umweltaktivist über den Berg wandert. Das Buch umgeht auch nicht diejenigen, die den Berg liebten und die er genommen hat, wie Tomislav Češljar, dessen Leben bei einem Paragleitflug tragisch endete.
Durch eine Reihe von Schicksalen, Propheten, Gesetzlose, Franziskaner, Nomaden, Gastarbeiter und Kriegsveteranen, zeichnet sich eine breitere Geschichte über einen Raum ab, der "mit einem Überschuss an Geschichte belastet" ist, wie es in der Beschreibung des Werkes heißt. Mlakić beschönigt weder das Territorium noch seine Bewohner; er hält gleichermaßen den majestätischen Anblick des gefrorenen Wasserfalls und die beschämenden Müllhaufen an den Bergquellen fest, die epische Kraft alter Legenden und die Absurdität ethnischer Teilungen, die sogar die Bergsteigervereine gespalten haben.
Ein Zeugnis dessen, was bleibt
'Legende vom Berg' bietet ein scharfsinniges, aber zugleich zartes Zeugnis dessen, was übrig bleibt, wenn Legenden sterben, Dörfer leer werden und der Berg zum einzigen unveränderlichen Punkt in der Vergänglichkeit menschlicher Schicksale wird. Das Werk balanciert zwischen Reisebericht, Essayistik, Kulturgeschichte und persönlichem Zeugnis und bietet dem Leser eine vielschichtige Lektüre über die Kraft der Landschaft und das kollektive Gedächtnis.
Das Buch ist in der Buchhandlung Fraktura und im Webshop des Verlags Fraktura erhältlich.