Die Geschichte von Brüdern im Sport hat schon immer die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und besonders faszinierend ist sie, wenn der jüngere Bruder versucht, sich mit einem bereits etablierten Star zu messen. Genau ein solches Szenario zeichnet sich in der Familie Kvaratskhelia ab, wo nach Khvicha, dem Liebling von Napoli und Kandidat für den Goldenen Ball, sein 16-jähriger Bruder Tornike auf die Bühne tritt.
Tornike trägt derzeit das Trikot von Dinamo Tiflis und spielt auf derselben Position wie sein berühmter Bruder. Laut La Repubblica bemerken erfahrene Scouts bereits ein Potenzial, das ihn an Khvichas Leistungen heranführen könnte. In Neapel wurde der ältere Kvaratskhelia Kvaradona genannt, und für den jüngeren könnte man, im Geiste dieser künstlerischen Vergleiche, sagen, er sei Kvaracopia.
Die Last des berühmten Nachnamens
Einen Nachnamen zu tragen, der bereits in goldenen Buchstaben geschrieben steht, ist keine leichte Aufgabe. Die Sportgeschichte ist voller Beispiele von Brüdern, die im Schatten des erfolgreicheren standen. La Repubblica erinnert an den Fall von Jobe Bellingham, dem Bruder des viel bekannteren Jude, oder an Digão, der in Mailand an der Seite von Ricardo Kaká spielte, ohne je dessen Ruhm zu erreichen.
Einen ähnlichen Kampf führte auch Thorgan Hazard, dessen Bruder Eden als einer der besten Spieler seiner Generation galt. Wenn wir noch weiter in die Vergangenheit zurückgehen, erinnern wir uns auch an RAI, den Bruder des legendären brasilianischen Mittelfeldspielers Sócrates, dessen Fußballkarriere immer durch die Brille der Meisterleistungen seines Bruders betrachtet wurde.
Von Zahlen zu Namen
Früher unterschieden sich Brüder auf Fußballstickern nur durch römische Ziffern hinter dem Nachnamen. So fragten sich Fans verwirrt, ob es sich um Beppe Savoldi I oder Savoldi II handelte, und auch in der Familie Sentimenti herrschte Verwirrung, wo sich der Erste, Zweite, Dritte und sogar Vierte aneinanderreihten. Glücklicherreich wich die Formalität inzwischen der Praktikabilität, sodass sie einfach Nicola und Luca Rigoni wurden, was das Verfolgen an dem Wochenende, als Rigoni II vor Rigoni I traf, erheblich erleichterte.
Tornike Kvaratskhelia wird dieses Problem nicht haben, sein Name ist bereits bekannt, aber die Last der Erwartungen könnte enorm sein. Mit 16 Jahren betritt er gerade erst die Welt des Profifußballs, und schon jetzt wird er mit seinem Bruder verglichen, der die Spitze erreicht hat.
Wenn parallele Wege zur Rivalität werden
Manchmal verlaufen die Leben von Sportlerbrüdern nicht parallel, sondern kollidieren direkt. La Repubblica nennt das Beispiel der letzten Weltmeisterschaft, als Derrick Luckassen und Brian Brobbey als erste Spieler in die Geschichte eingingen, die für zwei verschiedene Nationalmannschaften trafen, Luckassen für Ghana und Brobbey für die Niederlande.
Ein noch dramatischerer Fall ereignete sich im Duell zwischen Deutschland und Ghana, als Kevin und Jérôme Boateng gegeneinander antraten. Kevin, der den familiären Wurzeln treu blieb, warf dem naturalisierten Jérôme Verrat vor. Solche Geschichten zeigen, wie sehr Sportkarrieren familiäre Beziehungen verkomplizieren können.
Das Geheimnis der Zwillinge
Bei Zwillingen wird die Geschichte noch komplexer, und die Realität vermischt sich oft mit Legenden. Mario und Marco Piga wurden in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts bekannt, als sie als Teamkollegen einen Elfmeter herausholten. Nachdem sie sich auf verschiedene Vereine verteilt hatten, kursierte das Gerücht, dass, wenn einer von ihnen ein Foul erleide, der andere den Schmerz Hunderte Kilometer entfernt spüre, in einem ganz anderen Stadion, in einem ganz anderen Spiel.
Ob Tornike Kvaratskhelia eine Art telepathische Verbindung zu seinem Bruder entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass die Fußballwelt ihn genau beobachten wird. Schließlich, so schließt La Repubblica, hatte auch der große Caravaggio seine Kopisten, die Frage ist nur, ob Tornike nur eine treue Kopie bleibt oder sein eigenes Meisterwerk malt.