Nach drei Jahrzehnten rechtlichen Vakuums hat das Bauministerium einen neuen Gesetzesvorschlag zur Wohnungsmiete vorgelegt, der das Verhältnis zwischen Vermietern und Mietern grundlegend verändern könnte. Das Ziel ist klar: die Langzeitmiete aus der Grauzone holen, Eigentümer vor Zahlungsausfällen schützen und Mietern Stabilität sichern. Doch wenn edle Absichten in konkrete Gesetzesartikel gegossen werden, ergeben sich zahlreiche Fragen zu administrativen und finanziellen Belastungen für beide Seiten.
Preis der Rechtssicherheit: Notar wird Pflicht
Der Haupthebel des neuen Systems ist die verpflichtende notarielle Beurkundung von Mietverträgen. Dadurch sollen Streitigkeiten schneller gelöst und Schulden leichter eingetrieben werden, ohne jahrelange Gerichtsverfahren. Allerdings stellt sich die Frage, ob die zusätzlichen Kosten und die Bürokratie kleine Vermieter von der Legalisierung der Miete abhalten werden, genau das Gegenteil des gewünschten Effekts.
Staat springt als Bürge ein, aber gegen Gebühr
Der innovativste, aber auch komplexeste Teil des Vorschlags ist die Einbeziehung der Agentur zur Sicherung von Arbeitnehmeransprüchen in das Mietwesen. Diese staatliche Agentur würde die Rolle des Bürgen übernehmen: Wenn ein Mieter die Miete nicht zahlt, begleicht der Staat die Schuld gegenüber dem Vermieter. Das Sicherheitsnetz hat jedoch seinen Preis. Der Vermieter zahlt der Agentur eine jährliche Mitgliedsgebühr von bis zu 2 Prozent der Jahresmiete.
Schuldschein bis 10.000 Euro: Zu große Last für junge Menschen
Auf der anderen Seite geht die Last auf den Mieter über, der zusätzlich zur bereits obligatorischen Kaution in Höhe einer Monatsmiete auch einen Blankoschuldschein von bis zu 10.000 Euro unterschreiben muss. In Gebieten mit extrem hohen Mietpreisen wie Dubrovnik könnte dies für junge Familien und Studenten eine unüberwindbare Hürde darstellen. Für viele könnte ein so großes finanzielles und rechtliches Risiko ein Grund sein, von der legalen Langzeitmiete Abstand zu nehmen.
Begrenzung des Mietanstiegs und verpasste Steuervorteile
Das Gesetz bringt auch positive Fortschritte, wie die Begrenzung des Mietanstiegs auf einmal jährlich gemäß den offiziellen Daten des Staatlichen Statistikamtes, was eine gewisse Planbarkeit schafft. Kritiker bemängeln jedoch, dass sich der Staat für komplizierte Agentur- und Garantiesysteme entschieden hat, anstatt Steuererleichterungen für Langzeitmieten einzuführen. Genau solche Erleichterungen, so meinen sie, würden ein nachhaltiges System schaffen, in dem junge Menschen leichter Wohnraum finden und Eigentümer Rechtssicherheit ohne Angst vor administrativen Blockaden hätten.