Die Sonderstaatsanwaltschaft des Kosovo hat Anklage gegen 20 Personen wegen Kriegsverbrechen in Đakovica erhoben, darunter auch der ehemalige Vizepräsident der Serbischen Liste, Milan Radoičić, berichtete Radio Freies Europa (RFE) am Donnerstag, den 6. August 2026.
Den Angeklagten wird vorgeworfen, an der Tötung von 107 Zivilisten während einer groß angelegten Militär- und Polizeioperation in den Jahren 1998 und 1999 beteiligt gewesen zu sein. Aufgrund der Art des Falles hat die Staatsanwaltschaft beantragt, das Verfahren in Abwesenheit durchzuführen.
Kommandanten und Einheitenmitglieder auf der Anklagebank
In der Erklärung der Staatsanwaltschaft wurden die Angeklagten nur mit Initialen identifiziert. Unter ihnen stechen M.K., damals Leiter des Sekretariats für innere Angelegenheiten in Đakovica, R.Č., Kommandant der Spezialpolizeieinheiten, und M.D., Kommandant der 52. Raketenartilleriebrigade, hervor. Neben ihnen und Milan Radoičić stehen auf der Liste auch P.R., S.K., L.O., Ž.S., S.S., L.D., Z.R., D.G., Č.B., V.B., R.B., R.R., L.R., M.Š., M.R., S.G. und T.A.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, "als Angehörige der genannten Einheiten an der Tötung von 107 Zivilisten während einer groß angelegten Militär- und Polizeioperation beteiligt gewesen zu sein", so RFE.
Trennung von Familien, Plünderungen und Erschießungen an der "Talić-Brücke"
Neben den nüchternen Fakten schilderte die Staatsanwaltschaft auch eine erschütternde Beschreibung der Ereignisse. "Während dieser Operation trennten die Angeklagten zunächst Frauen und Kinder von den Männern. Die Frauen wurden ausgeraubt, ihnen wurden Goldschmuck, Geld und andere Wertsachen abgenommen, während die Männer hingerichtet wurden, einige in ihren Häusern und Höfen, andere an einem Ort, der als ‚Talić-Brücke' bekannt ist. Auch die Häuser wurden niedergebrannt", heißt es in der Erklärung der Sonderstaatsanwaltschaft.
Die Erhebung dieser Anklage stellt einen bedeutenden rechtlichen Schritt bei der Verfolgung von Kriegsverbrechen im Kosovo dar und könnte starke politische Auswirkungen auf die bereits angespannten Beziehungen in der Region haben. Obwohl es keine direkte Verbindung zu Kroatien gibt, beeinflusst das Ereignis die gesamte Sicherheits- und Politdynamik auf dem westlichen Balkan.