Auch wenn es in diesem Jahr keinen Grund zur Panik gibt, sollten sich die kroatischen Verbraucher bereits jetzt der möglichen Belastung für ihr Haushaltsbudget bewusst sein. Professor Ivo Grgić von der Agronomischen Fakultät in Zagreb schätzte im Interview mit RTL Direkt, dass die Preise für Agrarprodukte um etwa 20 Prozent steigen könnten, was sich logischerweise auch auf die Endpreise für Lebensmittel auswirken würde.
Landwirte in Kroatien, aber auch in Ungarn, Italien und Griechenland, berichten von einer beispiellosen Hitzewelle, die die Region in diesem Jahr erfasst hat, was die Sorge um künftige Erträge zusätzlich verstärkt.
Dieses Jahr stabile Preise, aber Warnung für das nächste Jahr
Grgić ist klar: Für dieses Jahr gibt es keine Rechtfertigung für eine Verteuerung von Lebensmitteln aufgrund steigender Rohstoffpreise. "In diesem Jahr gibt es keinen einzigen Grund, dass Lebensmittel wegen steigender Preise für Agrarprodukte teurer werden", sagte er. Er erklärte, dass Agrarprodukte in verarbeiteten Produkten nur einen Teil des Preises ausmachen, während der Rest auf andere Kosten wie Energie entfällt. Die entscheidende Warnung gilt jedoch für das nächste Jahr.
"Wenn das nächste Jahr ähnlich wird wie dieses, und niemand hat eine Glaskugel, um das vorherzusagen, besteht die Möglichkeit, dass die Preise für Agrarprodukte um etwa 20 Prozent steigen", betonte der Professor und fügte die prägnante Bemerkung hinzu: "Am teuersten ist das Essen, das es nicht gibt."
Dürre bedroht Sonnenblumen, aber Kroatien hat Überschuss
Von allen Ackerbaukulturen ist die Sonnenblume in diesem Jahr die einzige, bei der die Anbauflächen vergrößert wurden, während die Flächen für Mais und Soja etwas kleiner sind. Grgić warnt, dass die Sonnenblume besonders in den Phasen der Blüte und Kornfüllung empfindlich ist und dass eine langanhaltende Dürre den Ertrag verringern könnte. Dennoch erwartet er keine ernsthaften Störungen auf dem heimischen Markt, da Kroatien bei Sonnenblumen, Soja und Mais einen Überschuss hat.
Zeit für neue Technologie, nicht für Bananen in Zagorje
Auf die Frage, ob Kroatien die angebauten Kulturen ändern sollte, antwortet Grgić verneinend. "Ich denke nicht. Es ist an der Zeit, die Produktionstechnologie zu ändern", sagte er. Statt Bananen anzupflanzen, was eher ein Scherz ist, um auf die Ernsthaftigkeit der Lage hinzuweisen, ist eine bessere Wasserbewirtschaftung entscheidend. Er erinnerte daran, dass der tägliche Wasserfußabdruck pro Person, durch alles, was wir nutzen und verbrauchen, etwa 3000 Liter Wasser beträgt.
Problem der zersplitterten Produktion und Resonanz aus der Praxis
Mit Blick auf die Strategie zur Anpassung an den Klimawandel "verteidigte" der Professor den Staat, indem er sagte, dass dieser die Dinge meist solide aufstelle, aber oft die Resonanz aus der Praxis fehle. Als Beispiel nannte er die Afrikanische Schweinepest, bei der das Problem der Wildschweine gelöst werde, nicht aber die Hauptursache, die zersplitterte Produktionsstruktur. In Kroatien sind etwa 160.000 Erzeuger tätig, meist Familienbetriebe.
"Ohne eine Vergrößerung der Produktionseinheiten ist ein ernsthafter Fortschritt schwer zu erwarten", so Grgić. Er betonte, dass Landwirtschaft als Geschäft betrachtet werden müsse: "Junge Menschen werden nicht aus Liebe zur Arbeit in der Landwirtschaft bleiben. Wenn man ihnen ermöglicht, in der Landwirtschaft ein anständiges durchschnittliches Nettogehalt zu verdienen, dann werden sie sich damit beschäftigen."
Rückkehr zum Heimischen und ein Rezeptbuch
Um das Gefühl für heimische Aromen und Tradition zu bewahren, hat Grgić zusammen mit seiner Kollegin Katarina Dimitrijević Hrnjkaš ein Rezeptbuch von Net.hr vorbereitet. Ziel ist es, junge Menschen anzuziehen und zu zeigen, dass man aus heimischen Zutaten qualitativ hochwertiges und erschwingliches Essen zubereiten kann. Als Beispiel nannte er das heimische Huhn aus dem Hinterhof, das einen geringeren Wasserfußabdruck hat als das vom Bauernhof, sowie Gemüse, das viele selbst anbauen können.
"Wenn man kauft, ist es vielleicht teurer. Aber viele von uns können einen Teil der Lebensmittel selbst produzieren. Wir müssen zurückkehren zur Nutzung der Ressourcen, die wir haben", schloss Grgić.